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Mönchengladbach: Abschlussarbeit des Projekts "Graffiti Junior"

Graffiti-Projekt in Mönchengladbach : Sprayer verschönern die Buscherstraße

Zum Abschluss des Projekts „Graffiti Junior“ haben junge Straßenkünstler Fassaden entlang der Blauen Route gestaltet. Auf der Internetseite www.hallsoffame-mg.de können Sprayer und Eigentümer freier Fassaden zu einander finden.

Auf der Buscherstraße fliegen an diesem Samstagnachmittag ganz besondere Aerosole durch die Luft, die ausnahmsweise mal nichts mit dem Coronavirus zu tun haben: Sie kommen aus den Spraydosen der jungen Graffiti-Maler, die dort bei der Arbeit sind.

„Das ist wie ein Virus“, sagt der 20-jährige Niklas Merken. „Das lässt mich nicht mehr los.“ Wenn Merken nicht bei van Laack und in Düsseldorf seine Ausbildung zum Kaufmann E-Commerce macht, gestaltet er Graffiti. Seit 2016 hat ihn das künstlerische Virus erfasst. In Kontakt gekommen mit der Straßenkunst, die sich so oft zwischen Legalität und Illegalität bewegt, ist er durch ein Projekt seiner Schule, dem Gymnasium Am Geroweiher. Mittlerweile gibt er selbst Workshops und bemalt gegen Honorar Wände. „Illegal malen will ich nicht“, erklärt Merken.

Muss er auch nicht. Merken ist einer von acht jungen Männern, die an diesem Samstag dabei sind, ganz legal einige Fassaden an der Buscherstraße in Mönchengladbach zu bemalen, die der Dieter Langen Liegenschaften gehören. Dieter Langen stellte sie zur Verfügung und äußerte nur einen Wunsch für die Gestaltung: Es sollten figürliche Motive werden. Nun sind in bunten Farben Gladbacher Wahrzeichen entstanden: das Museum Abteiberg, der Wasserturm,  das Borussenstadion und die Kaiser-Friedrich-Halle. Ein Fahrradfahrer und eine blaue Schlangenlinie als Symbol für die „Blaue Route“ haben auch ihren Platz auf der Wand gefunden. Sehr passend, schließlich läuft die Fahrradroute der Stadt über die Buscherstraße.

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Die Bilder sind auch ein Dankeschön der Sprayer, die durch das Projekt „Halls of Fame – MG“ die Möglichkeit erhalten, legal zur Verfügung gestellte Fassadenflächen in der Stadt zu besprayen. 2019 wurde der Arbeitskreis „Graffiti Junior“ mit einer Laufzeit von zwölf Monaten ins Leben gerufen. Geleitet wird das Projekt von Heike Kox, Kulturpädagogin in der Kinder- und Jugendhilfe des SKM Rheydt.  Ihr liegt das Projekt  sehr am Herzen: „Es sind Sprayer, die sich normaler Weise nicht unbedingt an öffentlichen Projekten beteiligen würden.“ Was zwischen den Zeilen mitschwingt, bringt Dieter Langen auf den Punkt: „Wir holen Sprayer aus der Illegalität heraus.“

Janik Zimdahl ist der jüngste Sprayer der Gruppe. Der 15-Jährige besucht die Realschule in Wickrathberg und frönt seinem bunten Hobby erst seit acht Monaten. Was ihm besonders gefällt: „Man kann immer etwas Neues ausprobieren.“ Am liebsten entwickelt er neue eigene Schriftzüge. Wenn er nicht legal an Hauswänden malt, fertigt er mit Textmarkern Graffitis in Miniaturform auf Leinwänden an.

Ein Punkt, auf den Heike Kox großen Wert legt, ist die gute Kooperation mit Polizei, Ordnungsamt und den Nachbarn. „Die sind happy“, sagt sie. Dieter Langen auch. Drei Gebäude hat er Sprayern bereits zur Verfügung gestellt und ist von deren Ausgestaltung sehr angetan.

Hannes Delißen ist 19 Jahre alt. Seine Mutter ist Malerin. „Der gefällt das übrigens auch“, sagt Delißen. Sie habe sich in das Thema Graffiti hineingefuchst.

Ein wichtiges Element des Projektes ist die Erstellung eines Internetauftritts. „Die Seite ist eine Online-Plattform zur Vergabe öffentlicher Graffitiwände und außerdem ein sicheres Kommunikationsmittel“, erklärt Projektleiterin Heike Kox.