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Mönchengladbach: 50 Jahre Rheydter Pahlke-Bad

Historie in Rheuydt : Pahlke-Bad – erst 50, aber längst ein Denkmal

Für ein neues Schwimmbad ließ sich Rheydt nicht lumpen: 9,4 Millionen Mark hat das Gebäude gekostet. Eröffnet wurde es am 2. November 1969.

Baden gehen bekam am 2. November 1969 in Rheydt eine neue Dimension: An diesem Tag wurde das neue Stadtbad, besser bekannt als Pahlke-Bad, der Öffentlichkeit übergeben. Das damals spektakuläre Schwimmbad galt als Ersatz für die in die Jahre gekommene Badeanstalt „Sanitas“ der Stadt Rheydt an der Stresemannstraße (heute Karstadt-Gebäude), die 67 Jahre früher, am 26. Mai 1902, eröffnet worden war. Der Abriss des nach dem Zweiten Weltkrieg provisorisch hergerichteten und Ende 1950er Jahre nicht mehr zeitgemäßen Bades erfolgte 1970. Die Planung des Pahlkebades erfolgte für eine Bevölkerungszahl der Stadt Rheydt von 165.000 Einwohnern. Die Baukosten betrugen 9,4 Millionen DM.

Ein erster ursprünglich geplanter Standort für einen Schwimmbad-Neubau lag an der Ecke Limitenstraße / Moses-Stern-Straße. Aber auch andere Grundstücke wurden ins Auge gefasst. Anfang 1961 billigte der Rat der Stadt Rheydt die Aufstellung eines Durchführungsplanes für den Bau eines Hallenbades südlich des damaligen Weges namens „Bettenmeerrinne“ (heute Pahlkestraße) zwischen Brucknerallee und Gartenstraße. Im Jahr 1963 wurde ein Architekturwettbewerb mit 35 Teilnehmern (Preisgeld insgesamt 32.000 DM) ausgelobt. Die Entscheidung fiel am 20./ 21. September 1963: Den ersten Preis (10.000 DM) erhielten die Architekten Ernst Gondrom und Dipl.-Ing. Horst Ehringhaus, beide aus Köln. Aber den Zuschlag für die Ausführung bekam der mit dem 2. Preis (8.000 DM) bedachte Architekt Ernst Roddewig, Düsseldorf, unter badetechnischer Beratung von Dipl.-Ing. Mieddelmann, München/Wuppertal.

Man fuhr noch VW Käfer und Ford Capri, als das Stadtbad eröffnet wurde. Dieses Foto von Bad und Parkplatz entstand um das 1970 herum. Foto: Stadt Mönchengladbach

Mehr aus funktionalen als aus wirtschaftlichen Gründen wurde dem Entwurf Roddewigs der Vorzug gegeben. In der Beurteilung des Preisgerichts hieß es unter anderem: „Trotz der aufwendig erscheinenden Konstruktion hat der Verfasser unter anderem mit diesem Mittel einen sehr spannungsreichen Baukörper entwickelt, dessen innere und äußere Gestalt sich in einer harmonischen Übereinstimmung befinden. Positiv wird außerdem die Einheitlichkeit der Fassadengliederung einschließlich der dem Schwimmhallenboden vorgelagerten Terrasse bewertet, die etwas über das Terrain erhoben, einen guten Übergang zum Gelände bildet.“

Der zehn Meter hohe Sprungturm ist auch im Zuge der Sanierung erhalten geblieben. Foto: Stadtarchiv MG

Die Konstruktion des Gebäudes, „nach Ansicht der Fachleute schönstes Stadtbad in der Bundesrepublik“, war gewöhnungsbedürftig. Das gesamte Gebäude steht auf 64 Ortbetonpfählen in der Erde mit einer Belastung von je 80 bis 120 Tonnen. Die beiden 58 Meter langen außen liegenden und den Bau optisch dominierenden Spannbetonbinder (Abstand von 2,50 Meter) galten Ende der 1960er Jahre als die längsten ihrer Art in der Bundesrepublik. Verschiedene Vorbehalte gegenüber der gewagten Spannbetonkonstruktion (sogenannte Zweigelenkrahmen) wurden durch eine zusätzliche statische Prüfung im Vorfeld ausgeräumt. Die gesamte Schwimmhalle lagert lediglich auf vier außen liegenden Pfeilern. Auch nach 50 Jahren ist dies noch eine geniale Lösung: Damit wurde erreicht, dass die eigentliche Schwimmhalle an drei Seiten voll verglast werden konnte. Nach Meinung von Marco Kieser vom Landschaftsverband Rheinland ist diese „gläserne Haut“ in ihrer Dominanz und Konsequenz ansonsten nur im Hochhausbau zu finden.

Emil Pahlke war von 1877 bis 1893 Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister von Rheydt. Foto: Stadtarchiv MG

Errichtet wurden ein 25-Meter-Schwimmbecken und ein Lehrschwimmbecken. Die Wassertiefe unter dem vorhandenen Zehn-Meter-Sprungturm betrug fünf Meter, angeblich im Jahr 1969 das einzige Sprungbecken Deutschlands mit einer solchen Tiefe. Die Sprunganlage ist nach wie vor ein prägender Bestandteil des Bades.

Der Architekt Roddewig (Studium an der TH Stuttgart) äußerte sich zu seiner Konstruktion des Gebäudes am 19. Juli 1965 wie folgt: „Hierdurch ergibt sich die Möglichkeit, die äußeren, niedrigeren Dachplatten an den beiden Spannbetonträgern aufzuhängen, während das Dach des höheren Teils auf die Konstruktion aufgelegt wird. Zu dieser Bauweise muss festgestellt werden, dass sie technisch möglich und wirtschaftlicher ist als eine Stützenbauweise, da einmal Kältebrücken nicht vorhanden sind und zum anderen der Innenraum der Halle nicht durch Pfeiler eingeengt wird.“

Während der Grundsanierung war das Pahlke-Bad 2011 eine große Baustelle. Foto: Detlef (ilg)/Ilgner,Detlef (ilg)

Das Pahlke-Bad gilt heute als ein wichtiges Zeugnis der Sport- und Bädergeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Bad ist aufgrund seiner Vorbildlichkeit in Handbüchern und Fachzeitschriften zu finden. 1970 galt es weltweit als eines von 180 Vorbildbauten. Dennoch gab es im Jahr 2007 Überlegungen das gesamte Pahlke-Bad abzubrechen. Dies hatten die damaligen Koalitionäre CDU und FPD schon am 21. Mai 2007 beschlossen, unter anderem mit dem Hinweis auf eine angebliche Gefährdung der Standsicherheit. Zunächst wurde dann das Bad Anfang des Jahres 2008 geschlossen.

Nach anfänglicher Zurückhaltung organisierte sich starker öffentlicher Protest und zum Teil heftiger Widerstand gegen den Abriss. Insbesondere Grüne, SPD und FWG stemmten sich vehement mit Erfolg dagegen. Nach Beschluss einer denkmalrechtlichen Prüfung wurde das Stadtbad Rheydt am 7. April 2008 in die Denkmalliste der Stadt Mönchengladbach eingetragen. Es erfolgten nunmehr nach erneuter statischer Prüfung, die keine Beanstandungen ergab, ein Umbau und die Renovierung. Diese konnten am 30. März 2012 erfolgreich abgeschlossen und so das Stadtbad Rheydt wieder eröffnet und den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Mönchengladbach übergeben werden.

Heute ist das Pahlke-Bad ein bedeutendes Baudenkmal der Stadt und als ausdrucksstarkes Gebäude aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Die realisierte Konstruktionsart wäre ohne das Bauhaus, dessen Gründung vor 100 Jahren in diesem Jahr gedacht wird, vermutlich nicht denkbar. Es bestehen durchaus Parallelen zum sogenannten „Internationalen Stil“, der von Mies van der Rohe, dem letzten Direktor des legendären Bauhauses, mitgeprägt wurde. Mehr als deutlich stehen die funktionalen tragenden Bauteile (Rahmen) im Vordergrund, ohne jedoch die Ästhetik zu vernachlässigen. So wie beim Bauhaus-Gebäude in Dessau von 1926 wurden statische Konstruktion und Fassade konsequent getrennt, Prinzipien des Bauhauses nach Licht und Transparenz konsequent realisiert. Letztlich: eines der wenigen noch erhaltenen spektakulären vorzeigbaren Gebäude modernen Bauens der Nachkriegszeit in Mönchengladbach.