Mönchengladbach: 330 Besucher bei Langer Nacht der Industrie

Mönchengladbach: Gladbacher erkunden ihre Unternehmen

330 Besucher blickten zur „Langen Nacht der Industrie“ hinter die Kulisse von sieben Betrieben, darunter erstmals auch Coca-Cola und Cewe.

Mit dem legendären und natürlich geheimen  Coca-Cola-Rezept lockt Betriebsleiter Dieter Lennackers die Besucher zu Beginn der Führung durch die Produktion des Getränkeherstellers in Güdderath. Aber das Rezept liegt natürlich sicher im Safe im amerikanischen Atlanta und bleibt auch dort. Stattdessen können die Teilnehmer, die im Rahmen der Veranstaltung „Lange Nacht der Industrie“  hinter die Kulissen der heimischen Produktionsbetriebe blicken, faszinierende Einblicke in die Herstellung des berühmtesten Erfrischungsgetränks der Welt nehmen.

Zwei Grundsubstanzen, die für den unverkennbaren Coca-Cola-Geschmack sorgen, zeigt Lennackers den Besuchern in Reagenzgläsern. Daraus entsteht unter Zugabe von Wasser ein Sirup, der entweder direkt an Großkunden wie McDonald`s geliefert wird oder unter Hinzufügung von weiterem Wasser, Zucker und Kohlensäure zu echter Coca Cola mutiert, die in Flaschen abgefüllt wird. Vier Produktionslinien stehen in Güdderath. Der Produktionsprozess läuft hochautomatisiert ab. Fasziniert können die Besucher die Roboter bei der Arbeit beobachten, die sich drehende Paletten voller Colaflaschen in Folie wickeln. Eindrucksvoll sind die Zahlen, die Lennackers nennt: Täglich werden 120 Tonnen Zucker verarbeitet. 205 Millionen Liter Erfrischungsgetränke werden jährlich in Güdderath produziert, im kommenden Jahr sollen es sogar 300 Millionen Liter sein. 42.000 PET-Einwegflaschen können pro Stunde in einer der Produktionslinien abgefüllt werden. 

In Mönchengladbach konnten die Besucher bei der Langen Nacht der Industrie unter anderem bei der Cewe hinter die Kulissen schauen. Foto: IHK/Andreas Baum/IHK

Mit dem Foto- und Online-Druckservice Cewe hatten die Teilnehmer zuvor schon einen weiteren Betrieb mit einer langen Mönchengladbacher Geschichte besucht, der aber wie Coca Cola  zum ersten Mal an der  von der IHK  Mittlerer Niederrhein getragenen Veranstaltungsreihe „Lange Nacht der Industrie“ teilnahm. Seit 1986 ist Cewe in Mönchengladbach ansässig und hat in den vergangenen 15 Jahren mit großem Erfolg geschafft, woran viele in der Branche gescheitert sind. „Wir haben die digitale Transformation erfolgreich bewältigt“, sagt Geschäftsführer Matthias Meß. Maßgeblich dazu beigetragen hat die Einführung des Fotobuchs, mit dem die Firma aus der Anonymität des Dienstleisters heraustrat und eine Marke entwickelte. Heute produziert Cewe sechs Millionen Fotobücher im Jahr und druckt 2,2 Milliarden Fotos. Die Herstellung der Fotobücher können die Besucher dann live erleben, als sie  die Produktion besichtigen. „Wir haben gerade eine neue Veredlungstechnik für die Cover eingeführt“, erklärt Lydia Metzen, die durch den Betrieb führt und reicht ein Cover herum, das sich wie Holz anfühlt. Die Besucher können sehen, wie die Seiten lackiert werden und blicken in das Innere einer Druckmaschine. „Die Farben werden nacheinander in rasender Geschwindigkeit aufgetragen“, sagt Metzen. Zu Weihnachten sind Fotokalender und -bücher besonders begehrt. Dann wird rund um die Uhr produziert, verpackt und versandt. Ist der Einblick hinter die Kulissen der Industrie spannend für die Besucher? „Absolut“, meint Stephan Rath, der Gesundheitswesen studiert. „Ich bin schon zum zweiten Mal dabei. Es ist toll, mal ganz andere Branchen kennenzulernen.“ Rund 330 Besucher haben in diesem Jahr in Mönchengladbach diese Gelegenheit wahrgenommen und besuchten sieben Unternehmen. Neben Coca-Cola und Cewe waren Aunde, Mühlhäuser, Rhenus Lub, Trützschler  und Zalando aus Gladbach dabei. 

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Wer die Tour 22 gewählt hatte, konnte zwei völlig unterschiedliche Unternehmen kennenlernen. Auf der einen Seite das Traditionsunternehmen Trüztschler, dass in diesem Jahr sein 130. Bestehen feierte auf der anderen Seite der Online Händler Zalando, seit 5 Jahren mit seinem Logistikzentrum in der Stadt. Trützschler ist Weltmarktführer für Textilmaschinen in der Faservorbereitung. Die Maschinen behandeln den Rohstoff soweit, dass er gesponnen werden kann. Aber nicht nur Baumwolle ist gefragt, sondern auch immer mehr Mischgewebe und Synthetik wollen die Kunden verarbeiten. „Das hängt auch mit der Höhe des Baumwollpreises zusammen“, erklärt Günter Königs den Besuchern im Technikum. Hier können die Besucher den Weg der Baumwolle bis zum Faden nachverfolgen. Durch die Halle verlaufen Rohre mit Fenstern. Immer wieder sieht man die Baumwolle hindurch in die Maschinen verschwinden. Die Baumwolle wird von groben Fremdstoffen befreit und gereinigt. Die Karde führt die Fasern soweit zusammen, dass ein erster Faden entsteht. Ingenieur Lars Klöther zeigt, wie die Maschinen bei Trützschler gefertigt werden.

Bei Zalando mit rund 7.800 Mitarbeitern aus 84 Nationen, geht es um das Endprodukt: T-Shirts, Hosen, Schuhe und mehr. „Ich finde es spannend, zu sehen wie das dort abläuft“, sagt Besucher Daniel Krapohl. Wer die großen Hallen, insgesamt fünf mit 130.000 Quadratmetern, betritt, die Laufbänder schwirren hört und die vielen Kartons und Kisten auf den Laufbändern sieht, der kann die vielen Menschen an den Smartphones förmlich spüren. „75 Prozent der Bestellungen kommen über mobile Endgeräte.“, sagt Abteilungsleiter Matthias Füsser. Nichts ist bei der Lieferkette dem Zufall überlassen. Auch wenn es bei der Bestückung der Regale für Außenstehende chaotisch scheint: „Die Pakete kommen dort ins Regal, wo Platz ist. Das Warenwirtschaftssystem ist so eingestellt, dass der Picker genau weiß, wo er die Ware findet und es wird stets der kürzeste Weg angezeigt“, erklärt Operationsmanager Markus Kittner.

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