Mönchengladbach: 32 Jahre vertrat Dieter Kalesse die Stiftung Hephata

Wandel im Behindertenverständnis: 32 Jahre vertrat Dieter Kalesse die Stiftung Hephata

1986 hatte das digitale Zeitalter noch nicht begonnen. Im Büro des neuen Öffentlichkeitsarbeiters der Ev. Stiftung Hephata Dieter Kalesse gab es kein Fax und auch keinen PC. Die Pressetexte entstanden auf einer elektrischen Schreibmaschine, und der Schwerpunkt der Öffentlichkeitsarbeit lag auf Besuchergruppen.

Auch das Selbstverständnis der Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Mönchengladbach war noch ein gänzlich anderes. „Hephata hatte einen ausgeprägten Anstaltscharakter“, erinnert sich Kalesse.

Eine Leitungskrise zu Beginn der 1990er Jahre führte zu einem grundlegenden Wandel: Betreuung wurde zur Assistenz, die Einrichtungen auf dem Zentralgelände durch dezentral gelegene Wohngruppen ergänzt und auch ersetzt. „Vorher hat ein Koch bestimmt, was 500 Leute essen, danach wurde in den Wohngruppen selbst gekocht, Wünsche und eigenen Vorstellungen konnte berücksichtigt und umgesetzt werden“, nennt Kalesse ein Beispiel. Für die Öffentlichkeitsarbeit änderte sich mit dem neuen Ansatz ebenfalls viel. „Es kamen Besucher aus Einrichtungen in ganz Deutschland, um sich über das Konzept der Dezentralisierung zu informieren“, sagt der Leiter Kommunikation.

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Auch neue Formate wurden nötig: Vom Dialog zwischen Mitarbeitern und den Angehörigen der Behinderten wurde ein Trialog, in den auch die Betroffenen eingebunden wurden. „Der Freiheitsgedanke rückte in den Mittelpunkt der Arbeit“, sagt Kalesse. „Die Menschen mit Behinderung nicht nur betreut, sondern ernst genommen. Die Bevormundung endete.“

Auch in den Werkstätten änderte sich einiges: Neben der klassischen Werkstattarbeit wurden betriebsintegrierte Arbeitsplätze eingeführt, so dass heute Hephata-Mitarbeiter in verschiedenen Unternehmen des 1. Arbeitsmarktes arbeiten. Daneben brachte die Dezentralisierung neue Aufgaben: Hephata war nicht mehr nur in Mönchengladbach und Mettmann vertreten, sondern ging dazu über, die Angebote dort zu machen, wo die Menschen mit Behinderung ihre Wurzeln haben. Heute ist Hephata an 34 Orten in NRW vertreten.

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