Mönchengladbach: 300 Tonnen schwerer Trafo rollt durch die Stadt

300 Tonnen unterwegs: Rollt ein Riesentrafo durch Mönchengladbach

Experten haben in der Nacht zu Donnerstag einen 300 Tonnen schweren Transformator durch Mönchengladbach transportiert. Gefertigt wurde er von General Electric. Die Zukunft des Gladbacher Werks bleibt unklar.

Das Bangen der 370 Mitarbeiter des Transformatoren-Werks von General Electric Grid um ihre Arbeitsplätze geht weiter. Auch die Sitzung des europäischen Betriebsrats in Brüssel über die Karnevalstage brachte noch keine Erkenntnisse, wie es mit dem traditionsreichen Mönchengladbacher Werk weitergeht. "Es wird wohl noch einige Wochen dauern, bis wir wissen, wohin die Reise geht", sagte der Mönchengladbacher Betriebsratschef Falk Hoinkis am Donnerstag, der an der Sitzung teilgenommen hat. Die jüngste Entwicklung des US-amerikanischen Mischkonzerns, der Ende Januar erneut eine Milliarden-Mehrbelastung einräumte und erstmals eine Aufspaltung nicht mehr ausschloss, ist in Europa schnell angekommen. Dabei muss es für die Mönchengladbacher noch nicht einmal eine schlechte Nachricht sein. Möglicherweise findet sich für die Kraftwerksparte ein Käufer – für die Mönchengladbacher Mitarbeiter die Wunschvorstellung.

General Electric hatte Anfang Dezember angekündigt, das Gladbacher Werk an der Rheinstraße im kommenden Jahr aufgeben zu wollen, obwohl es profitabel arbeitet und die Auftragsbücher gut gefüllt sind. Werkleiter Jochen Schwarz erklärte unlängst, das Werk sei bis August ausgelastet, weitere Aufträge seien zu erwarten. Seitdem kämpfen Mitarbeiter, Gewerkschaften und Politiker darum, dass der Betrieb auch darüber hinaus weiterlaufen kann.

"Made in Mönchengladbach"

Dass die Transformatoren-Produktion weiter brummt, dafür gab es in der Nacht zu Donnerstag einen rund 300 Tonnen schweren Beweis auf den Gladbacher Straßen. Gegen 22 Uhr am Mittwochabend verließ ein gigantischer Schwertransport das Werk. Geladen hatte das etwa 80 Meter lange Gefährt einen riesigen 50-Hertz-Transformator, der für den Bau eines neuen Umspannwerks in Ludmin (Mecklenburg-Vorpommern) bestimmt ist. Der Transporter verließ das Werk im langsamen Tempo in Richtung Krefelder Hafen, wo der Trafo "made in Mönchengladbach" auf ein Schiff verladen und dann an die Ostsee in die Nähe von Rostock verschifft wird. Dort wird er am 1. März erwartet.

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Rund 20 bis 30 solcher riesigen Transformatoren verlassen das Werk im Jahr, aber meistens geht es aber über die Schienen. Für den Schwertransport über die Straße musste ein Tross Mitarbeiter des Transport-Unternehmens vornewegfahren und Ampeln umhängen oder Brücken mit Platten verstärken. Sobald der Trafo vorbeigefahren war, wurden die provisorischen Umbauten wieder rückgängig gemacht. Wenn der Trafo in Bentwisch angekommen ist, werden GE-Monteure aus Gladbach noch einige Wochen mit der Montage verbringen. "Kühlanlagen, Dehngefäße und andere Teile müssen montiert und der Trafo mit Öl gefüllt werden", erklärt Frank Peeters, der diesen Trafo genau nach den Wünschen des Kunden konstruiert hat. Die entsprechenden Anbauteile werden separat per Spedition geliefert. "Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn so ein fertiger Trafo den Hof verlässt, bei dem man mit einem leeren Blatt Papier begonnen hat", sagt Peeters.

Das hatten Werkleiter Schwarz, Betriebsrat Hoinkis und Peeters selbst neulich auch dem NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) bei dessen Besuch im Werk erklärt. Laumann schimpfte: "Es ist nicht zu verstehen, dass eine Firma mit einem so guten Produkt, mit einer klasse Mannschaft und diesen Zahlen Angst haben muss, dass es sie in einem Jahr nicht mehr geben wird."

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(angr)