Mönchengladbach: 100 Aussteller bei Recruiting-Messe "MG zieht an" an Hochschule

Messe „MG zieht an“ in Mönchengladbach : Wo Studium und Job aufeinander treffen

Bei der Messe „MG zieht an“ schauen sich 7000 Studenten und Schüler gut an, welche Firmen aus der Textil-Branche für sie infrage kommen.

Alina Gersken weiß genau, was an diesem Morgen von ihr verlangt wird. Die 22-Jährige ist Werksstudentin bei Willy Schmitz Tuchfabrik, und sie wird neugierigen Studenten auf dem Campus der Hochschule Niederrhein viel Fragen beantworten: Wie wird man Werksstudent? Was genau ist eigentlich die Willy Schmitz Tuchfabrik? Und was genau macht sie dort eigentlich? Sie ist Spezialisitin für Recycling von Polyester und schreibt darüber gerade ihre Bachelorarbeit. Sie studiert „Textile and Clothing Management“, also den internationalen Studiengang im Textil- und Bekleidungswesen, an der Hochschule Niederrhein. Insofern ist sie genau die richtige, künftigen Fachkräften den Übergang von der Hochschule in den Job zu erklären. Gemeinsam mit Lena Schmolinski, ebenfalls Werksstudentin, und der Auszubildenden Anina Bleyhl, erklärt sie bei der Messe „MG zieht an“ Studenten und Schülern den ersten Karriereschritt ins Unternehmen.

Tausende neugierige angehende Fachkräfte sind es an diesem Donnerstag, die am ersten Tag der Rekrutierungsmesse „MG zieht an“ durch die Hochschule schlendern. Unternehmen werben für sich, und die jungen Leute schauen sich genau an, welcher Betrieb für sie interessant sein könnte. „Früher haben die Unternehmen in die vielen Bewerbungen reingeschaut und überlegt: Wer nehmen wir?“, sagt Schückhaus. „Das aber hat sich radikal geändert.“ Heute schauen sich die jungen Fachkräfte gut an, wo sie sich überhaupt bewerben wollen.

Gesundes Essen: Hier gibt’s Äpfel mit Messelogo. Foto: Andreas Gruhn

Und so sind an diesem ersten Messetag viele junge Menschen mit Bewerbungsmappen unterwegs, top vorbereitet. So treffen sie alle aufeinander: Junge Männer mit top gepflegten Hipster-Bärten und knöchelfreien Hosen, burschikose Frauen mit streng gebunden Krawatten, Studentinnen in aufwendig bestickten Hosen, lässige Personalchefs mit hochgeschobenen Sakko-Ärmeln und Sneakern zur Jeans, smarte Manager in schicken Anzügen, Human-Ressource-Manager in Lederjacken, Designer in engen und knielangen Strickpullis. Viele Messebesucher könnten mit ihrem stylischen Outfit auch direkt für eines der Modelabels werben. „Die jungen Leute sind sehr gut vorbereitet“, sagt etwa Julia Moik, Rekrutiererin bei s.Oliver, selbst erst 25. „Sie wollen wissen: Was bietet mir das Unternehmen?“ Die meisten an diesem Tag haben Stellen dabei, auffällig viele bieten Äpfel und Smoothies zur Erfrischung. Jung, gesund, selbstbewusst.

„Ich lege Wert darauf, dass Studierende sich früh anschauen, wo sie arbeiten können“, sagt Professor Lutz Vossebein, Dekan des Fachbereichs Textil- und Bekleidungstechnik. 2000 junge Männer und Frauen studieren am Fachbereich Textil- und Bekleidungswesen am Morgen bei der Eröffnung der Rekrutierungsmesse. „Wir machen Wissenschaft nicht um die Erkenntnis zu suchen, sondern um ein Nutzen für die Wirtschaft zu sein“, sagt Hochschul-Präsident Prof. Hans-Hennig von Grünberg. „Die Messe bringt dieses Wesen zum Ausdruck: Wir holen die Industrie ins Haus und machen sich ihre Sorgen zu eigen.“ Und Wirtschaftsförderer Schückhaus bekennt: „Wir müssen uns im Wettbewerb um die kreativen Köpfe profilieren und sie motivieren, in die Stadt zu kommen.“

Julia Moik von s.Oliver beantwortet die Fragen von Studenten und möglichen Bewerbern. Foto: Bauch, Jana (jaba)

Die meisten Aussteller lassen aktuelle oder ehemalige Studenten an den Messeständen für sich sprechen, auch Azubis und sogar Praktikanten geben Auskunft. Rekrutierung auf Augenhöhe. Viele Gladbacher Betriebe sind dabei. Da ist Gardeur, das an diesem Tag vor allem Trainees und Praktikanten such. „Daraus ergibt sich meistens der Einstieg in das Unternehmen“, sagt Melanie Mysliwczyk, Personalerin bei Gardeur. Der Textilmaschinenbauer Trützschler zeigt auf Videos und Modellen seine Maschinen. „Wir haben Leute im Unternehmen, die haben Trützschler erst hier auf der Messe kennengelernt haben“, sagt Michael van den Dolder, Marketing Manager bei Trützschler. Junkers und Müllers sucht Laboranten und Entwickler. „Zwei haben schon am Morgen fertige Bewerbungsmappen abgegeben“, sagt Personalerin Heike Dreeßen. Solche Kontakte, sagt Roger Brandts von Fynch-Hatton, sind wertvoll: „Wir befinden uns in einem Kampf um die Talente, die das Unternehmen fortentwickeln können“, sagt er.

Bis zu 7000 davon schlendern an beiden Messetagen durch die Ausstellungsflächen der Hochschule Niederrhein. Und die fast 100 Aussteller aus halb Deutschland buhlen um sie. Nicht umgekehrt.

Mehr von RP ONLINE