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Mönchengladbach: Mönchengladbaaaaach!

Mönchengladbach : Mönchengladbaaaaach!

Fernweh, Liebe, die Angst vorm Tod - in seinen Songs setzt Philipp Poisel auf starke Emotionen. Sein Konzert im Sparkassenpark begeisterte die Fans.

Die Sonne scheint unverdrossen über dem Hockeystadion, auch wenn immer mal Wolken drohend auftauchen. Und darunter geht es fast wie auf einem Familienfest zu. Zu dem Open-Air-Konzert von Philipp Poisel sind alle Generationen eingetroffen: Vom Baby in der Trage über Krabbelkinder und junge Schulkinder bis zu den 60-plus-Menschen sind alle da. Verbunden in ihrer Begeisterung für die Lieder des gerade 34 Jahre alt gewordenen Liedermachers, der seit einigen Jahren die großen Hallen und Arenen erobert.

Foto: Reichartz Hans-Peter

Poisel singt von Liebe, der gewonnenen ebenso wie von der verlorenen, er singt von den Sehnsüchten nach Menschen, Ländern und Gefühlen, er singt von Ängsten, insbesondere der Angst vor dem Tod - und singt sich geradewegs in die Herzen vor allem der jungen Erwachsenen. Der Menschen, die seiner Generation angehören und nur zu gut wissen, wovon er singt. Aber die Jüngeren und die Älteren spricht er - siehe oben - ebenso an.

An diesem Samstagabend ist er also zu Gast im Sparkassenpark Mönchengladbach, wo er die Fans, die nicht nur aus der Mönchengladbach, sondern auch aus dem Ruhrgebiet, aus Köln und woher auch immer angereist sind, um ihn zu hören, mit einem lauten "Mönchengladbaaaaach" begrüßt.

Nicht nur er allein mit seiner Gitarre steht auf der Bühne, auf der stets geräumt und verändert wird, auch schon mal während der Songs. Poisel wird unterstützt von einer Gruppe Musiker, am Klavier, am Schlagzeug, am Bass, an den Streichinstrumenten, und hier und da auch von Sängerinnen.

Vier Alben hat Poisel bereits herausgebracht und von allen hatte er Lieder ausgewählt, die er in Mönchengladbach singt.

Mit "Ich will ein Roman sein" beschreibt Poisel eindringlich den Wunsch nach Bedeutung im Leben eines anderen, mit "Bis nach Toulouse" das Fernweh, mit "Froh, dabei zu sein" wagt er sich an ein Thema, das viele lieber totschweigen: der Angst vor dem Tod.

Poisel trifft mit seinen Songs, seinem Text, seiner leicht verwaschenen Aussprache und oft kratzigen Stimme ganz offenbar den Nerv einer ganzen Generation. Die Fans schwelgen in seinen Liedern, sie tanzen, sie lassen Seifenblasen aufsteigen, sie klatschen - und vor allem: Sie singen mit. Dass die Worte oft kaum zu verstehen sind, stört niemanden: Die Fans kennen die Songtexte eh auswendig. Und dass die Bässe oft unangenehm laut wummern, stört ebenfalls kaum einen: Die jüngsten Zuhörer tragen sowieso Ohrenschützer!

Mit "Wo fängt Dein Himmel an" lässt es Poisel langsam angehen und steigert sich immer mehr, so dass auch das Publikum sich "warm hören" kann. Spätestens bei "San Francisco" ist der Jubel perfekt, die Zuhörer hingerissen, vom Song, der Melodie, dem Bühnenbild: Ein gelber VW-Bus-Mini-Nachbau rollt auf die Bühne!

Ohne die obligatorischen Zugaben nach begeistertem Applaus lässt "Mönchengladbaaaaach" den Liedersänger natürlich nicht gehen!

(b-r)