Mönchengladbach: Mitgliederzuwachs bei den Liberalen

Mönchengladbach : Mitgliederzuwachs bei den Liberalen

Aus dem Bundestag, aus dem Sinn? Mitnichten. Seit der desaströsen Bundestagswahl sind etliche Gladbacher neu in die FDP eingetreten. Eine Spurensuche bei einem Neueinsteiger, einem Aufsteiger und einem Wiedereinsteiger.

Der Hohn und der Spott im Bekanntenkreis nach der verlorenen Bundestagswahl gaben den Ausschlag. "Da war mir plötzlich klar: Ich muss etwas dagegenhalten", sagt Sebastian Thelen. Wenige Wochen nach dem Debakel tat er etwas sehr Antizyklisches: Er trat in die FDP ein. "Ich war schon immer ein liberal eingestellter Stammwähler", sagt der 31-Jährige, der als Steuerberater am Bunten Garten arbeitet. "Aber das war der Zeitpunkt, an dem ich wusste: Nun ist es so weit."

Rolf Heilmann (74) ist zur FDP zurückgekehrt. Foto: Hans-Peter Reichartz

Damit steht Thelen nicht alleine da. Während die Liberalen auf Bundesebene, ihres angestammten Platzes im Bundestag beraubt, nur noch auf Sparflamme köcheln, ist die Mitgliederentwicklung vor Ort sogar leicht positiv. "Ende 2011 hatten wir 176 Mitglieder, Ende 2013 waren es 178", sagt FDP-Geschäftsführer Hans-Joachim Stockschläger. Das ist zwar keine explosionsartige Vermehrung, aber im Bezirk Niederrhein sei man damit einer von nur zwei Kreisverbänden, die überhaupt Zuwächse verzeichnen. Und das hat paradoxerweise nicht nur, aber eben auch mit der desaströsen Bundestagswahl zu tun.

Sebastian Thelen (31) ist ganz neu in der FDP. Foto: Jungliberaler Felix Demandt (20) macht jetzt auch in der FDP mit.

Dafür ist auch Felix Demandt ein gutes Beispiel. Der 20-jährige Marketing-Student ist bereits seit fünf Jahren Mitglied der Jungen Liberalen. Im Wahlkampf vor der Bundestagswahl merkte er, "dass es nicht so gut läuft" für die FDP. Und wurde prompt Mitglied in der Mutterpartei. Wie auch Sebastian Thelen sieht er die Entwicklung, die die Partei bis zum großen Knall im September 2013 genommen hatte, kritisch. "Uns fehlten einerseits charismatische Politiker, die die liberalen Themen verkörperten — andererseits haben wir die klassischen Themen wie Freiheit des Individuums und Bürgerrechte gar nicht mehr besetzt", sagt Demandt. Thelen: "Der Wahlkampf der FDP war inhaltlich nicht nachhaltig genug, gerade was große Themen wie den NSA-Skandal angeht." Beide Neu-Liberalen sehen die Abstrafung durch den Wähler also durchaus als Chance auf einen Neubeginn, auf ein "Zurück zu den Wurzeln". "Christian Lindner wird dafür sorgen, dass es wieder mehr um Inhalte geht bei der FDP", sagt Sebastian Thelen.

Ob er selber einmal ein politisches Amt bekleiden möchte, "ist nicht auszuschließen", sagt er. "Ich war ein paarmal in den Fraktionssitzungen. Das macht schon Lust auf mehr." Felix Demandt ist da schon etwas weiter: Seine Partei hat ihn direkt als Ortskandidaten bei der Kommunalwahl für den Bereich Wickrath-Land aufgestellt.

Neu bei der Mönchengladbacher FDP ist auch Rolf Heilmann. Genauer gesagt: wieder dabei. Denn der heute 74-Jährige war schon einmal Mitglied, zu Zeiten von Rolf Kalthöfer und Hans-Joachim Schoor. Er vertrat die FDP sogar in mehreren Ausschüssen, gab aber sein Parteibuch ab, als die Bundespartei den ersten Irak-Krieg bejahte. Jetzt, kurz vor Weihnachten, kehrte er zurück. "Seit der Bundestagswahl gibt es in Berlin keine Partei der Mitte mehr. Die CDU und die SPD kann man doch nicht mehr auseinanderhalten", sagt Heilmann. In der Bevölkerung sei das liberale Gedankengut aber sehr wohl noch verankert. "Mit Leuten wie Lindner und Kubicki wird die FDP zurückkommen", sagt der Rentner, der seit drei Jahren an einer Rheydter Förderschule ehrenamtlich als "Lese-Opa" tätig ist und zwischen Wegberg und Mönchengladbach pendelt.

Dass die zwei anderen für diesen Artikel interviewten Neu-Mitglieder 20 und 31 Jahre jung sind, findet Heilmann übrigens sehr gut: "Das zeigt doch, dass es mittlerweile wieder in die richtige Richtung geht bei der FDP."

(RP)