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Mönchengladbach: Mit dem Startknopf auf der Trabrennbahn

Mönchengladbach : Mit dem Startknopf auf der Trabrennbahn

Das Geläuf wässern, Gäste bewirten und Zielfotos machen: Was vor, während und nach den Rennen auf der Trabrennbahn in Mönchengladbach so alles zu tun ist.

In wenigen Sekunden haben die Pferde den Startpunkt erreicht, jetzt muss sich Ludmilla Fichtner konzentrieren. Die 30-Jährige sitzt auf ihrem Schreibtischstuhl im Zielturm und blickt zum Geläuf der Trabrennbahn hinunter. Das zweite von elf Rennen, die für diesen Sonntag angesetzt sind, steht an. Während die Besucher auf den Tribünen sitzen oder an der Bahn stehen, arbeiten hinter den Kulissen Dutzende Helfer wie Ludmilla Fichtner.

In der rechten Hand hält sie einen schwarzen Apparat, etwa so groß wie ihr kleiner Finger. Sobald die Pferde am Start ankommen, drückt sie mit dem Daumen oben darauf — die Zeit läuft, auf dem Bildschirm ihres Computers erscheint ein Foto von der Bahn. Rund zwei Minuten und 40 Sekunden später greift sie nach dem Zielknopf, drückt — die Zeit stoppt, der Bildschirm zeigt den Zieleinlauf.

Start- und Zielknopf sind mit einer Kamera verbunden, "sie macht mehr als 1000 Bilder pro Sekunde", erzählt die Studentin für Sozialwissenschaften. Seit fünf Jahren arbeitet sie auf der Mönchengladbacher Trabrennbahn als Zielfotografin. Mit Zielrichter Karl-Heinz Schröder vom Hauptverband für Traberzucht teilt sie sich eine winzige Kabine im Turm. Er achtet zum Beispiel darauf, ob die Pferde auch wirklich im Trab unterwegs sind. Der Rennverlauf ist für ihn zweitrangig, "von mir aus könnten da auch Kühe oder Hunde laufen", sagt er. "Hauptsache, die Gangart stimmt."

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Schröder arbeitet mit der Rennleitung zusammen: Die Kollegen fahren während des Rennens in einem blauen Kleinbus innen neben der Bahn her und beobachten es aus ihrer Perspektive. Der Zielrichter gibt ihnen später die Platzierungen der Starter durch. Und er ruft bei Norbert Potofski an, der eine Etage über ihm an einem grünen Schreibtisch vor zwei Mikrofonen sitzt. Der Sprecher sagt das Ergebnis durch, seine Stimme ist fast überall auf dem Gelände zu hören. Auch Fernseher sind allgegenwärtig — zumindest hinter den Kulissen. In beinahe jedem Büro steht eine alte Röhre, auf der die Rennen zu sehen sind.

Zwei Kameras fangen die Bilder ein, der Regisseur sitzt ebenfalls im Zielturm. Die übrigen Helfer, die den Rennbetrieb stemmen, verteilen sich über das Gelände: An den Wettkassen, im Catering, in der Meldestelle und im Stall packen sie an. Eine Sekretärin dokumentiert die Rennen, eine Dopingbeauftragte ist da, eine Bahnärztin und ein Tierarzt. Ein Bahntechniker fährt vor jedem Start mit dem Wasserwagen über das Geläuf und wässert den Sand, damit der unter den Pferdehufen nicht so staubt.

Das klingt nach viel Aufwand — der für nicht allzu viele Besucher betrieben wird. "In den 80er Jahren, war es hier jeden Dienstag brechend voll", erinnert sich Holger Schallenburger, der sich für den Verein zur Förderung des Rheinischen Trabrennsportes um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Davon können die Pächter mittlerweile nur noch träumen. "Es gibt eben für jeden Sport seine Zeit", sagt Schallenburger — und hofft, dass bald wieder eine Hochzeit für den Trabrennsport anbricht. Damit Ludmilla Fichtner im Zielturm noch oft auf den Startknopf drücken kann.

(naf)