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Mönchengladbach: Messerstecher-Prozess: Mediziner sagen aus

Mönchengladbach : Messerstecher-Prozess: Mediziner sagen aus

Im Prozess vor dem Mönchengladbacher Schwurgericht, in dem sich ein 26-Jähriger unter anderem wegen versuchten Totschlags verantworten muss, hatten gestern die Mediziner das Wort.

Der Angeklagte hatte bereits zu Prozessbeginn zugegeben, am 11. Februar in Rheydt an der Hauptstraße mit einem Klappmesser auf einen 40-jährigen Mann eingestochen zu haben.

Der Stich, der das Opfer damals traf, soll nach Ansicht eines Arztes eine Länge von insgesamt 15 cm bis 20 cm gehabt haben. Der 40-Jährige habe damals einen hohen Blutverlust erlitten. "Drei bis vier Zentimeter näher zum Herzbeutel, dann wäre das sehr kritisch geworden", meinte der Mediziner.

Die schwere Verletzung, die das Opfer damals im linken Oberbauch erlitt, bezeichnete gestern auch ein Rechtsmediziner als lebensbedrohlich. Von dem Messerstich wurde eine Rippe des 40-Jährigen durchtrennt, die Leber verletzt und das Bauchfell eröffnet. Der Rechtsmediziner war überzeugt, dass der Täter ein zweischneidiges Messer verwendet hat. Tatsächlich hatte der Angeklagte im Februar auf der Flucht ein Messer in einem Gebüsch an der Wilhelm-Strater-Straße versteckt.

Dort war auf einer Aufzeichnung einer Überwachungskamera der Angeklagte zu sehen gewesen, als er sich über ein dort befindliches Gebüsch beugte, so das Ergebnis des Ermittlungsverfahrens. Trotzdem konnte später das Tatwerkzeug weder im Gebüsch noch in der Wohnung des Mönchengladbachers gefunden werden.

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Aus einer schnell eingerichteten Telefonüberwachung wusste die Polizei, dass der Angeklagte sofort nach der Tat an der Hauptstraße weggelaufen und schließlich mit dem Zug nach Krefeld geflohen war. Aus den Telefonaten erfuhren die Beamten aber auch, dass der 26-Jährige am nächsten Tag zurückkommen und am Rheydter Bahnhof aussteigen wollte. Die Polizeibeamten postierten sich am Rheydter Bahnhof und warteten schließlich vergeblich auf den Mönchengladbacher.

Der Verdächtige war im Zug geblieben und nach Wickrath weitergefahren. Hier war die Flucht allerdings zu Ende. Der 26-Jährige wurde festgenommen und kam in Untersuchungshaft.

Der Prozess wird mit dem Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen fortgesetzt. Möglicherweise gibt es danach Hinweise auf ein Tatmotiv des Angeklagten, das bisher unklar geblieben ist. Über einen Handykauf waren der Angeklagte und das Opfer in Streit geraten. Als der Käufer das fehlende Ladegerät forderte, habe der Verkäufer unwirsch reagiert, aber dann dem 40-Jährigen das Ladegerät vor die Füße geworfen. Danach habe er zugestochen, berichtete der Angeklagte.

(RP/rl)