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Interview mit Hans Wilhelm Reiners: Mein Vater wäre sehr stolz: Er hat bestimmt im Himmel zugeguckt

Interview mit Hans Wilhelm Reiners : Mein Vater wäre sehr stolz: Er hat bestimmt im Himmel zugeguckt

Der neue Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners (CDU) sagt, wie er den Wahlabend erlebt hat, wie er die Stadtverwaltung führen will und dass er eine feste Kooperation in der Ratsarbeit bevorzugt.

Herr Reiners, herzlichen Glückwunsch zum Wahlsieg. Wie war die erste Reaktion, als das Ergebnis feststand?

Reiners Danke! Das war ja so ein enges Rennen. Ich war mir erst sicher, als nur noch ein Wahlbezirk ausstand und es hieß, das wäre einer in Bettrath. Da hatte ich am 25. Mai mehr 50 Prozent geholt. Dass es so eng wurde — unglaublich.

Haben Sie schon Kontakt zu Ihrer Familie gehabt? Was sagen Ehefrau und Kinder?

Reiners Meine Frau Sylvia war die ganze Zeit dabei. Das war so spannend, sie konnte zeitweise gar nicht mehr auf den Bildschirm gucken. Meine Tochter Pia, Enkel Paul und mein Schwiegersohn saßen irgendwo hinten im Ratskeller. Meine Tochter Inga ist seit Freitag aus den USA zurück, war im Rathaus und hat mir gleich gratuliert. Mein Vater wäre stolz gewesen, wenn er das noch miterlebt hätte. Dass ich als OB vorgeschlagen worden bin, hat er vor seinem Tod im November 2013 mitbekommen. Er hat vermutlich im Himmel zugeguckt.

Sie hatten am 25. Mai noch einen kleinen Rückstand. Was hat nach Ihrer Meinung den Ausschlag gegeben, dass sich dies geändert hat?

Reiners Die ganze Partei — und da vor allem die Junge Union — hat toll gearbeitet. Ich habe an den Info-Ständen mit vielen Leuten geredet und hatte oft das Gefühl: Die Menschen vertrauen dir und geben dieses Gefühl an andere weiter. Und auch die sozialen Netzwerke waren für mich sehr wichtig. Ich habe darüber viele Reaktionen bekommen. Vor allem von jüngeren Menschen. Klar, es ist nicht messbar, ob das zum Erfolg beigetragen hat. Aber ich glaube schon.

Sie haben ja noch keine Führungserfahrung in der Leitung eines so großen Unternehmens, wie es die Stadtverwaltung mit mehr als 3000 Mitarbeitern ist. Wie gut sind Sie auf die neue Aufgabe vorbereitet?

Reiners Da habe ich im Vorfeld viele Ratschläge bekommen. Einige haben gesagt, ich müsste mich dringend coachen lassen. Ganz ehrlich: Ich halte nicht so sehr viel davon. Führung ist zum großen Teil Teamarbeit. So verstehe ich auch meine Arbeit als OB der Stadtverwaltung. Ich gebe zu: Ich habe großen Respekt vor dem Amt. Aber Norbert Bude war vor zehn Jahren in einer ähnlichen Situation, und er ist da auch hineingewachsen.

Werden Sie sich gezielt Vertraute dazu holen, die Sie unterstützen? Zum Beispiel Referenten?

Reiners Ich weiß, jetzt wird aufmerksam beobachtet, wie ich da reagiere. Ich werde jetzt nicht hingehen und als erstes das OB-Büro aufblähen und mit eigenen Leuten besetzen. Vielleicht kann man über eine andere Struktur nachdenken. Auch dafür gibt es gute Beispiele. Ich werde mich mit vielen unterhalten. Und dann wird man sehen.

Wann treten Sie Ihr Amt an?

Reiners Man hat mir eben gesagt, dass Norbert Bude bis zum 22. Juni im Amt ist und ich am 23. Juni anfangen muss. Ich schätze, erst muss ich vereidigt werden. Mal abwarten. Aber das ist eines der kleineren Probleme, dies herauszubekommen.

Was werden Ihre ersten Amtshandlungen sein?

Reiners Wir werden die konstituierende Ratssitzung vorbereiten müssen. Da ist die Zahl der Ausschüsse festzulegen, auch die Ausschussbesetzung steht an. Und in der ersten Ratssitzung ist auch die Entscheidung zu fällen, welches Büro den Cityplatz vor dem Minto gestalten soll. Auch das muss vorbereitet werden. Und wir müssen die Ausschreibung für die Beigeordneten-Stelle von Dr. Schmitz machen. Seine Verabschiedung werde ich übernehmen, wenn ich am 23. Juni anfange.

Ihre Partei, die CDU, ist stärkste Fraktion im Rat. Welche Kooperation bevorzugen Sie?

Reiners Ich bin kein Freund von wechselnden Mehrheiten. Wir brauchen im Rat eine feste Kooperation, die auch für sechs Jahre hält.

Würden Sie dann wie Ihr Vorgänger sagen: Ich habe eine Mehrheit?

Reiners Nein, auf keinen Fall.

Ist Ihr Urlaub mit der Amtsübernahme in diesem Jahr gestrichen?

Reiners (lacht) Wir haben erst gar keinen geplant. Vielleicht mal ein paar Tage zwischendurch.

In sechs Jahren, wenn ein neuer OB gewählt wird, sind Sie 65 Jahre alt. Würden Sie noch einmal antreten?

Reiners Ich kann es mir vorstellen. So weit will ich jetzt nicht schauen.

Was soll man über den OB Hans Wilhelm Reiners einmal sagen?

Reiners Man soll sagen: Der hat es gepackt. Und ich möchte, dass die Bürger Mönchengladbach als tolle Stadt wahrnehmen. Denn das ist sie.

(RP)