Mönchengladbach: Mein Vater, der Karnevalsprinz

Mönchengladbach : Mein Vater, der Karnevalsprinz

Guido Ferfers und meine Stiefmutter Monika Ferfers sind das Prinzenpaar der Stadt. Ein 1,94 großer Mann in weißen Strumpfhosen ist allerdings ein Anblick, an den man sich als Sohn nur langsam gewöhnen kann, erzählt der 15-jährige Steffen Ferfers, derzeit Praktikant bei der RP.

Es war der 23.Juni 2010 als mein Vater mir eröffnete, dass es im nächsten Jahr bei uns ziemlich jeck zugehen wird. Ganz unerwartet kam das nicht, schließlich ist der Karneval eine echte Familienangelegenheit, und mein Vater hat sich gemeinsam mit meiner Stiefmutter Monika einen jahrelangen Traum erfüllt. Guido und Monika Ferfers — Prinzenpaar der Gladbacher Jecken 2011 — und ganz nebenbei meine Eltern.

Weise Entscheidung

Als erfahrener Karnevalist konnte ich die weise Entscheidung meines Vaters nur begrüßen. Schließlich war ich selber schon zwei Mal Kinderprinz in der Karnevalshochburg Pesch. Zwei Jahre nach meiner letzten Amtszeit schlafe ich also wieder in einem majestätischen Haushalt. Dumm nur, dass dieser rasante Aufstieg erst mal geheim bleiben musste.

Erst als in Südafrika Jogis Jungs gegen Argentinien gerade ihr bestes Spiel absolvierten, durfte die jecke Botschaft endlich publik werden. Auf dem Hoffest des Mönchengladbacher Karnevalvereins (MKV) wurden mein Vater, Prinz Guido I., und seine Prinzessin Niersia Monika offiziell vorgestellt. Seitdem können wir weder in Rheydt noch in Mönchengladbach ungestört durch die Straßen gehen. Völlig fremde Menschen stürmen nun auf mich zu und fragen "Bist Du es wirklich, der Prinzensohn?"

Am 7. Januar wurde mein Vater gekrönt. In den Wochen zuvor war er so aufgeregt wie ich vor einer Klassenarbeit. Beim bloßen Anblick der Kaiser-Friedrich-Halle bekam er feuchte Hände. Endgültig die Beherrschung verlor er am Festabend. Dementsprechend fiel es ihm und meiner Stiefmutter auch schwer, ihre Gefühle in Worte zu fassen — unbeschreiblich. Anfangs konnte ich darüber nur den Kopf schütteln. Dies änderte sich allerdings schlagartig, als Hofmarschall ,,Heinz Heinz" auch mich auf die Bühne holte. Die 700 Karnevalsjecken hätte ich ja noch verkraftet. Aber plötzlich stand Thorsten Knippertz alias Knippi vor mir. Jener Mann also, der mir jeden zweiten Samstag den Spielstand von Borussia zuruft, wenn ich in der Nordkurve stehe. Knippi war an diesem Abend mein Sitznachbar. Ich konnte den Neid meiner Freunde förmlich riechen.

Es hat also schon seine Vorteile, der Sohn des Karnevalsprinzen zu sein. An den Anblick meines Vaters — Stockmaß 1,94 Meter — in weißen Strumpfhosen muss ich mich allerdings noch gewöhnen. Bis zu 380 Auftritte haben mein Vater und Monika diese Session. Und ich werde bei dem ein oder anderen dabei sein. Allerdings ist selbst in unserem Mercedes akuter Platzmangel, wenn die beiden in vollem Ornat anreisen. Ein Highlight werde ich mir aber nicht entgehen lassen: Den Auftritt auf dem Rasen im Borussia-Stadion. Wenn ich abends mit meinem Vater telefoniere, und frage wie der Tag war, kommt übrigens jeden Tag die gleiche Antwort: "sehr stressig, aber schön."

(RP)