Mehr Obdachlose in Mönchengladbach: Wie man im Winter helfen kann

Mehr Betroffene in Mönchengladbach : Wie Obdachlosen im Winter geholfen werden kann

In Notschlafstellen und Tagescafés finden Obdachlose auch im Winter Schutz vor der Kälte. Doch die Diakonie warnt: Die Zahl der Wohnungslosen steigt. Und nicht alle nehmen die Hilfsangebote an.

Die Zahl der Obdachlosen in Mönchengladbach ist gestiegen: Während 2017 insgesamt 541 wohnungslose Männer in städtischen Stellen beraten wurden, waren es 2018 bereits 573. Zahlen zu obdachlosen Frauen lagen der Stadt noch nicht vor, allerdings berichten viele Initiativen und Anlaufpunkte in Mönchengladbach, dass es immer mehr Menschen ohne festen Wohnsitz in der Stadt gibt.

Auch die Diakonie bemerkt das. „Im Moment ist es einfach sehr schwierig, bezahlbaren Wohnraum zu finden“, sagt Brigitte Bloschak. Die Fachbereichsleiterin Wohnungshilfe beim Diakonischen Werk geht davon aus, dass die Dunkelziffer der Wohnungslosen sehr hoch ist. „Viele, die keine eigene Wohnung haben, kommen zeitweise bei Freunden und Familie unter.“ Sie tauchen kaum in Statistiken auf.

Besonders in der kalten Jahreszeit sind Institutionen und Ehrenamtler gefordert, die sich um Wohnungslose in der Stadt kümmern. Wegen der derzeit kalten Temperaturen schlafen immer mehr Obdachlose in den Notunterkünften der Stadt. Männer etwa kommen an der Jenaer Straße unter, wo es 30 Schlafplätze gibt – am Wochenende waren bereits 24 Betten belegt. „Wenn es 25 sind, melden wir das bei der Stadt, die dann eine ehemalige Flüchtlingsunterkunft öffnet“, erklärt Bloschak. Allerdings habe es bisher noch nie eine Überbelegung in der Notschlafstelle gegeben.

Nicht alle Obdachlosen nehmen die Hilfsangebote an – aus verschiedenen Gründen. Oft habe das mit Alkohol- oder Drogensucht zu tun, sagt Bloschak. Denn in den Notunterkünften sei Drogenkonsum streng untersagt. „Aber bei manchen ist die Sucht so massiv, dass sie es nicht so lange in der Unterkunft aushalten würden.“ Es gebe aber auch Menschen, die sich einfach nicht an die Regeln in der Unterkünften halten wollen würden. Allerdings: „Draußen zu schlafen ist bei den Temperaturen im Moment sehr gefährlich“, sagt Bloschak.

Dabei gibt es in der Stadt zahlreiche Initiativen, um Obdachlosen zu helfen. So bieten etwa die „Suppentanten und -onkels“ am Platz der Republik oder die „Straßenkämpfer“ am Rheydter Stadttheater den Obdachlosen samstags warmes Essen, Obst, Süßigkeiten und selbstgebackenen Kuchen an. Auch für den Verein Wohlfahrt beginnt bei sinkenden Temperaturen „business as usual“, sagt Geschäftsführer Martin Dalz. Der Verein betreibt an der Erzbergerstraße einen Tagestreff im Bruno-Lelieveld-Haus. Jetzt im Winter ist der Treff tagsüber gut besucht: „Täglich kommen im Moment 60 bis 80 Menschen zu uns.“ Im Bruno-Lelieveld-Haus können sich Obdachlose aufwärmen und für kleines Geld dreimal in der Woche eine warme Mahlzeit erstehen. Dalz beobachtet die Obdachlosigkeit in Mönchengladbach bereits seit Jahren und auch er ist sich sicher: Sie hat zugenommen.

Ein ähnliches Konzept hat die Diakonie, die das „Café Pflaster“ an der Brucknerallee und der Kapuzinerstraße betreibt. Beide Cafés bieten obdachlosen und hilfebedürftigen Menschen täglich ein preiswertes Frühstück. Außerdem haben Besucher die Möglichkeit, zu duschen oder ihre Wäsche zu waschen.

Doch Hilfe kann es nicht genug geben. Wer gerade im Winter helfen will, für den haben die Institutionen und Ehrenamtler Tipps. Die Diakonie bittet darum, gerade in der Dämmerung genau hinzuschauen: Wer jemanden sieht, der am Straßenrand sitzt oder liegt und nicht mehr ansprechbar ist, sollte Polizei oder Ordnungsamt hinzurufen. Tina Richter vom Verein „Wir für MG – Obdachlosenhilfe Mönchengladbach“ verteilt regelmäßig Spenden an Obdachlose und sagt: „Man kann mit einem freundlichen Wort und mit der Frage helfen, ob man ihnen mit einem Heißgetränk eine Freude machen könnte. Bitte nicht einfach einen Kaffee kaufen und ihnen wortlos in die Hand drücken.“ Denn: „Ein freundliches Gespräch und wahrgenommen zu werden wärmt immer auch von innen.“