Redaktionsgespräch: "Mehr Interesse an Kunst wecken"

Redaktionsgespräch: "Mehr Interesse an Kunst wecken"

Eva Caroline Eick und Felicitas Fritsche-Reyrink sind die Gründerinnen von MG_Artfriends. Ein Gespräch über Gelegenheiten und Räume, um sich mit Kunst zu befassen, und die sehr entspannte Stadt am Niederrhein.

Sie haben die MG_Artfriends als Gruppe innerhalb des Museumsvereins gegründet, um jüngere Menschen für das Museum Abteiberg anzusprechen. Wie funktioniert das?

Eick Es geht darum, Möglichkeiten, Gelegenheiten und Räume zu schaffen, um sich mit Kunst zu befassen. Wir sind Teil einer Bewegung, die in der ganzen Stadt zu spüren ist, wo an vielen Stellen etwas passiert. Wir sind nur ein Mosaikstein.

Fritsche-Reyrink Wir wollen vor allem Hemmschwellen abbauen, das Museum als Räumlichkeit öffnen.

Sie haben inzwischen Ihre erste Veranstaltung im Alten Museum an der Bismarckstraße durchgeführt. Wie war die Resonanz?

Eick Es war eine richtig schöne Veranstaltung. Wir waren zu Anfang um die 30. Für die Führung waren dann 20 dabei, die wir in Gruppen zu je zehn aufgeteilt haben. Mehr dürfen dort ja nicht gleichzeitig über die baufälligen Treppen. Hinterher sind wir dann ins Gespräch gekommen.

Fritsche-Reyrink Markim Pause und Ruth Zadow waren auch mit dabei: Markim Pause hat seine Texte vorgetragen, Ruth Zadow dazu live Zeichnungen gemacht. Das war sehr faszinierend zu sehen und es hat sich eine sehr spannende Dynamik entwickelt.

Wissen Sie, warum die Teilnehmer zu Ihrer Veranstaltung gekommen sind?

Eick Viele waren einfach neugierig. Etliche haben gesagt, sie kennen das Museum, waren aber noch nie drin.

Sie haben dann Führungen angeboten. Was haben Sie anders gemacht?

Fritsche-Reyrink Wir haben uns in zwei Gruppen aufgeteilt. Wegen des Themas war der dialogische Ansatz schwierig, aber es ist wichtig, auf Augenhöhe zu reden.

EICK Man muss sehen, wie die Gruppe reagiert. Über Fragen und Rückfragen kann man ins Gespräch kommen. Es gibt eine Hemmschwelle, die man überwinden muss.

Wie ist Ihre Liebe zur Kunst entstanden? Wo liegen Ihre Vorlieben?

Fritsche-Reyrink Bei mir spielt schon der familiäre Hintergrund eine Rolle. Kunst war und ist bei uns in der Familie wichtig. Der eine hat seinen Schwerpunkt auf die Musik gelegt, der andere auf die Literatur oder eben auf die bildende Kunst. Ich bin früh mit ins Museum gegangen und habe auch an den Ferienkursen teilgenommen - besonders im Herbst, wenn das Wetter schlecht war. Mein Lieblingswerk im Museum Abteiberg war damals Victoire de Samothrace von Yves Klein, auch weil es trotz des hervorstechenden Blaus einen narrativen Aspekt für mich hatte. Heute fasziniert mich die zeitgenössische Kunst, auch durch den damit verbundenen philosophischen Ansatz.

EICK Bei mir hat sich das entwickelt. Es gab keine klare Stoßrichtung. Ja, ich habe gezeichnet und gemalt und wir sind auch ins Museum gegangen. Aber dass es nicht Hobby, sondern Beruf wurde, hängt mit den Erfahrungen zusammen, die ich durch Praktika gesammelt habe.

Was haben Sie studiert beziehungsweise studieren Sie?

Fritsche-Reyrink Ich bin auch Niederländerin und habe in Groningen meinen Bachelor in Kunst, Kultur und Medien gemacht. In München an der Ludwig-Maximilians-Universität habe ich anschließend meinen Master in Medienkulturwissenschaft gemacht, auch mit Schwerpunkt auf zeitgenössischer Kunst. Dieser Bereich ist sehr spannend.

EICK Ich mache gerade meinen Master in Kunstvermittlung und Kulturmanagement in Düsseldorf. Das ist ein interdisziplinär aufgestellter Studiengang, in dem Kunstgeschichte, Kunstvermittlung und BWL zusammenkommen.

Sind Sie mit Ihrem Interesse für Kunst Exotinnen in Ihrer Altersgruppe?

Eick Es zur Profession zu machen, wie wir es tun, ist schon selten, aber das Interesse ist bei vielen da. Es richtet sich eher auf zeitgenössische Kunst abseits des Etablierten.

Bekommen Sie Unterstützung des Museumsvereins oder gibt es auch Widerstand gegen Ihre Aktivitäten?

Eick Es gibt keinen Gegenwind, sondern ganz viel Rückenwind. Schließlich wollen ja alle dieses Museum unterstützen.

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Fritsche-Reyrink Wir wollen zwar jüngere Menschen ansprechen, aber wir sind ganz bewusst Teil des Museumsvereins. Es kommt nicht aufs Alter an, wir können alle voneinander profitieren.

Welche Ziele verfolgen Sie mit MG_Artfriends? Welches Konzept steckt dahinter?

Eick Wir sind kein Dienstleister, sondern ein Verein, das heißt, wir wollen Mitglieder gewinnen, die sich auch einbringen. Wir verstehen uns als Plattform und wollen Impulse der Mitglieder aufnehmen.

Fritsche-Reyrink Wir freuen uns auf Unterstützung und wollen viele Interessen aufgreifen. Wir wenden uns sowohl an Kulturinteressierte als auch an Neulinge. Es soll für niemanden langweilig werden.

Werden Sie auch Fahrten zu Ausstellungen und in andere Museen anbieten? Oder auch genreübergreifend mit Gruppen und Institutionen zusammenarbeiten?

Eick Ja, wir können uns eine Zusammenarbeit zum Beispiel mit dem Jugendtheaterclub gut vorstellen. Es liegt nahe, sich auszutauschen. Aber wir möchten nicht in Richtung Spektakel gehen. Ich wünsche mir, dass die Teilnehmer aus Interesse an der Kunst kommen und den Ort hier verstehen.

Fritsche-Reyrink Dieses Museum ist ein Ort, an den man immer wieder kommen kann. Es müssen nicht drei Stunden sein, man bleibt eine Weile und geht wieder. Man kann es als Raum für sich selbst entdecken. Als Mitglied bei MG_Artfriends und damit im Museumsverein hat man freien Eintritt, man kann immer wieder kommen.

Eick Teaser sind gut, aber eine langfristige Bindung funktioniert anders. Die Werke hier im Museum sprechen für sich. Wir wollen den Austausch, das offene Gespräch unter Freunden.

Sie leben in Mönchengladbach. Welchen Blick haben Sie auf diese Stadt?

Eick Ich bin wegen meines Bachelorstudiums der Kulturpädagogik an der Hochschule Niederrhein hergezogen und dann erst einmal aus dem banalen Grund geblieben, dass die Mieten hier im Vergleich zu Düsseldorf so günstig sind. Aber ich finde sehr schön, wie viel sich hier bewegt. Und das Museum ist wahnsinnig toll. Mönchengladbach gilt als graue Stadt am Niederrhein, aber sie hat auch schöne Seiten und ist sehr entspannt. Die Gründung von MG_Artfriends passt zur Aufbruchsstimmung in der Stadt. Wir schwimmen auf dieser Welle.

Fritsche-Reyrink Ich bin in Gladbach geboren und aufgewachsen, zweimal wegen meines Studiums weggezogen und hatte jedes Mal das Gefühl: Immer wenn ich weggehe, tut sich was. Wenn man sich engagiert, kann man hier etwas bewegen.

Wie sehen Ihre Planungen für die nächste Zeit aus?

Eick Am 15. Februar um 18 Uhr findet das nächste Treffen hier im Museum statt, der Schwerpunkt wird dann auf der Ausstellung liegen. Es geht um die Begegnung mit dem neuen Haus. Die Wiederaufführung innovativer Werke aus den 1970er Jahren von heute vielfach international renommierten Künstlern wie Richard Long, Braco Dimitrijević und Ulrich Rückriem und die damals aktive avantgardistische Bewegung in Mönchengladbach bieten sich als Thema unseres Kunstgesprächs besonders an. Gerne gehen wir auf Wunschwerke ein. Abschließend freuen wir uns auf einen gemütlichen Stammtisch. Am 15. März ist ein Künstlergespräch mit Henrike Naumann geplant.

Wie gut sind Sie vernetzt?

Eick Wir machen das nebenberuflich und brauchen schon ein bisschen Zeit. Aber wir sind zum Beispiel vernetzt mit der Bundesinitiative Junge Freunde Kunstmuseum.

Wird es in der Zusammenarbeit mit dem Museum auch Vorschläge Ihrerseits geben?

Eick Die Wechselausstellungen und die Sammlung bieten enorm viel, wir müssen keinen Input einbringen.

Wo sehen Sie die MG_Artfriends in einem Jahr?

Eick Wir wünschen uns, dass es dann eine feste Gruppe gibt, die sich selbst organisiert und trägt und Spaß hat. Wir wollen nur das Rahmenwerk vorgeben, das die Mitglieder befüllen.

DAS GESPRÄCH FÜHRTEN INGE SCHNETTLER, DENISA RICHTERS UND ANGELA RIETDORF.

(dr)
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