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Mönchengladbach: Mehr als 10.000 Besucher feiern mit Horst

Mönchengladbach : Mehr als 10.000 Besucher feiern mit Horst

Das Horst-Festival strahlt mittlerweile über die Stadt hinaus. Neben Chartstürmern überzeugten auch die Geheimtipps. Natürlich werden nun alle von den Abenden mit den großen Bands sprechen, von Madsen und Prinz Pi und Slime und Jupiter Jones. Aber wer am Montag vom vergangenen Wochenende erzählt, sollte früher beginnen: mittags.

Etwa bei der Band Betrayers of Babylon, die sind zu sechst und blutjung - und sie sind technisch hochversiert, haben einen bombastischen Sound und das schwere Los, als allererste Band zu spielen. "Schön, dass ihr schon da seid", ruft Sänger Lukas Gaedtke denen zu, die gekommen sind, und sich vom Reggae der Neusser Band überwältigen lassen. Es ist kurz nach zwei, die Sonne schiebt sich durch die grauen Wolken. Und man weiß plötzlich, hier ist man goldrichtig - das ist einer der Momente, die vom Horst-Festival in Erinnerung bleiben.

32 Bands standen am vergangenen Wochenende auf den Bühnen am Platz der Republik. 3500 Besucher zählten die Veranstalter am Freitag, am Samstag waren es gar 4000. Gestern schloss der Reigen bei freiem Eintritt mit dem Sänger Flo Mega - und es wurde wieder voll.

Dass das Horst-Festival mittlerweile weit über die Grenzen der Stadt strahlt, verriet allein ein Blick auf die Autokennzeichen, die rund um das Festivalgelände parkten. Köln, Dortmund oder Münster - sie alle waren gekommen, um in Mönchengladbach neben Chartstürmern auch die kleinen, unbekannten Bands zu feiern.

Wer sich geschickt anstellte, pendelte zwischen den Bühnen "Da vorne" und "Da hinten", um möglichst wenig zu verpassen. So wanderten die Fans von den Indie-Rockern Neufundland zu den PopPunkern von Matula. Und zurück zu Honig, dem Liedermacher, der früher in einer Mönchengladbacher Metalband spielte, und nun mit Ukulele und kratzig-schönem Gesang durch die Lande zieht. Vor seinem letzten Song bedankt er sich ausdrücklich bei allen Helfern: "Das ist für alle, die mit dem Festival zu tun haben."

Eine von ihnen ist Aylin Karabulut. Die 21-jährige Studentin kommt aus Duisburg und ist eine der vielen Freiwilligen, die das Horst-Festival tatkräftig unterstützen. Um 2 Uhr nachts war Sie am Freitag im Bett, erzählt sie, um 10 Uhr stand sie Samstagmorgen wieder in der Küche. Kartoffeln schälen. Die wandern später ins Gratin, das sich die knapp 500 Helfer mit den Künstlern teilen. Jene sorgten zuweilen für besondere Aha-Effekte, erzählt Aylin Karabulut: Als sie am Freitagabend Bier und Cola im Backstage-Bereich ausschenkte, begegnete ihr ein bislang Unbekannter. Später sah sie ihn auf der Bühne wieder. Er gehörte zur Band des Headliners Prinz Pi.

Am Samstagmittag ist der Rapper mit seiner 17-köpfigen Entourage längst wieder abgereist, dafür sind nun die Musiker von Betrayers of Babylon zurück von der Bühne. "Es war super", erzählt der 20-jährige Bassist Lukas Kaminski. Normalerweise spiele die Band auf kleinen Bühnen in Jugendzentren und Musikkneipen. "Jetzt hatten wir plötzlich so viel Bewegungsfreiheit", sagt Sänger Lukas Gaedtke und lacht. "Ich wusste gar nicht, wohin ich zuerst gehen sollte."

Viel Raum fern der Musik gab es auch für die Besucher. Im Kulturzelt etwa spielte das Fußballtheater "Wie steht's" und entlarvte die WM-Folklore: "Also seitdem ich das Glückstrikot nicht mehr gewaschen habe, haben wir manchmal gewonnen." Und gleich neben dem Zelt schlossen die Kulturstände an. Die Ständemeile ist in diesem Jahr ganz neu, sie steht unter dem Motto "Print. Pop. Politics". Es gibt Klamotten und Infos gegen Rechts. Das Klamotten-Label "With heart" hat eine "Slomo Area" auf dem Boden markiert. Wer hier durchgeht, muss unter viel Beifall seinen Schritt auf Zeitlupentempo verlangsamen. "Die Atmosphäre war in diesem Jahr sehr gut", sagt Ulla Heinrich von der Festivalleitung am Sonntagabend.

Heinrich hat in den letzten Tagen nicht mehr als vier Stunden pro Nacht geschlafen. "Aber das ist in Ordnung", sagt sie. Am Samstag stand sie bei Madsen am Bühnenrand, erzählt Heinrich, und schaute in die Menge. "Das war ein Wahnsinnsmoment." Davon gab es bei Horst viele.

(RP)