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Mönchengladbach: Mehl, Sprit und röhrende Motoren

Mönchengladbach : Mehl, Sprit und röhrende Motoren

Knapp 200 Jahre betrieben Müller die Schriefersmühle. Etwa seit den 1930er Jahren steht der Turm an der Bundesstraße 57 leer, umgeben von einer Tankstelle und einem Bikertreff. Die Anwohner denken darüber nach, einen Förderverein zu gründen und die Mühle zu restaurieren.

Es ist lange her, dass ein Müller einen Sack Mehl aus der Schriefersmühle getragen hat: Vor etwa 75 Jahren wurde die 1747 erbaute Anlage stillgelegt, ihre Flügel verschwanden aus der Landschaft. Wenn heute jemand etwas aus der Mühle trägt, ist das Holz oder vielleicht auch mal ein Autoreifen — denn das Gebäude an der Bundesstraße 57 dient längst als Lager für die angrenzende Tankstelle mit Kfz-Werkstatt.

1926 eröffnete Hermann Pillen die Zapfstation, bis heute gehört sie zum Familienbesitz. Ebenso wie die Mühle und die Gaststätte "Schriefersmühle" gleich nebenan. Seit sieben Jahren führt Pächterin Elly Valckxs darin "Ellys Bikertreff", der regelmäßig ganze Scharen von Motorrad- und Rollerfahrern an den Fuß des Mühlenturms lockt. Allzu nah dürfen dem maroden denkmalgeschützten Gebäude derzeit jedoch weder Biker noch Ortsansässige kommen: Weil mehrmals Steinfelder aus der Außenhaut gebrochen seien, habe die Stadt die Zufahrt sperren lassen, erzählt eine Anwohnerin.

"Da muss jetzt etwas passieren, der Turm muss restauriert werden", findet die Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte. Die Anwohner seien gerade dabei, einen Förderverein zu gründen und so Geld für die Restaurierung zusammen zu bekommen, ergänzt sie. Mindestens einmal musste die Schriefersmühle bereits renoviert werden: Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam sie ein neues Dach, die Mauern wurden in Stand gesetzt. Das Gebäude war im Krieg abgebrannt, drei Tage lang sollen die Flammen gelodert haben — so heißt es in der Honschaft Schriefersmühle.

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Deutsche Truppen hätten den Turm als Aussichtspunkt genutzt und angezündet, bevor die Amerikaner kamen, erzählen sich die Anwohner. Damals wurde die Innenausstattung wohl komplett zerstört. Nach dem Krieg verirrten sich höchstens noch ein paar Schleiereulen, Turmfalken und Kinder hinein: Der Nachwuchs der Honschaft nutzte die Mühle im Sommer gerne dazu, sich umgeben von den dicken Mauern abzukühlen. Die alten Mahlsteine wurden draußen vor der Türe verstreut, dort liegen sie noch heute.

Mittlerweile steht die Mühle versteckt zwischen der Tankstelle und dem Bikertreff, Vor rund 75 Jahren war das noch anders: Damals befand sich nur eine kleine Tankstation auf dem Gelände, gezapft wurde direkt vor dem Turm. Weil der erste Tankstellenbesitzer, dem ja auch die Mühle gehörte, Pillen hieß, nannten die Anwohner das alte Mahlwerk auch Pillenmühle. Laut einer Quelle im Stadtarchiv leitet sich der eigentliche Name Schriefersmühle vermutlich vom nahe gelegenen Hof Schriffers oder Schrievers ab.

Über einer Nische in der Außenfassade, die eine Marienstatue beherbergt, ist die Jahreszahl 1747 zu lesen — mehr Schmuck gibt es nicht rund um die Schriefersmühle. Dafür ist aus einigen ihrer alten Eichenbalken ein Kunstwerk entstanden, das es noch heute regelmäßig in der Kirche St. Helena Rheindahlen zu sehen gibt: Der Günhovener Schreiner Will Sommer fertigte daraus in seiner eigens dafür eingerichteten Werkstatt in der Turnhalle am Südwall eine Krippe. Beim Weihnachtsfest 1939 konnte die katholische Gemeinde sie zum ersten Mal im Kirchraum bewundern.

(RP)