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Serie Theaterkarrieren: Matthias Brandts schwierigster Auftritt

Serie Theaterkarrieren : Matthias Brandts schwierigster Auftritt

Der jüngste Sohn von Willy Brandt gehörte 1991/92 zum Ensemble des Gemeinschaftstheaters. In der Zeit starb sein Vater.

Ein Mann, der komplizierte Frauen besser versteht als sich selbst. Einer, der mit Mut und Herz um sein Kind kämpft, das ihm die Behörden weggenommen haben, weil sie ihm die geistige Reife für die Erziehung absprechen. Ein Bundeswehr-Oberst, der in Afghanistan 2009 die folgenschwere Entscheidung trifft, zwei von den Taliban entführte Tanklastzüge bombardieren zu lassen – was 142 Menschen das Leben kostet. Oder ein melancholischer Kommissar, der vor allem durch die millimeterweise Preisgabe innerer Tiefe ein Serienpublikum fesseln kann.

Wer solche Rollen im deutschen Fernsehen zu besetzen hat, der klingelt bei Matthias Brandt an. Der 52-Jährige ist auf den Bildschirmen so präsent wie einst die Riemann oder nun die Neubauer. Sein Vorteil: Er besticht mit Qualität und Wandlungsfähigkeit. Matthias Brandt weckt niemals den Eindruck, sich selbst zu spielen. Soeben ist er mit dem Deutschen Fernsehpreis als bester Schauspieler geehrt worden.

"Er war ungemein begabt – und wahnsinnig nett", erinnert sich Helga Hummel, fast drei Jahrzehnte lang die rechte Hand der Intendanten am Theater Krefeld/Mönchengladbach, an Matthias Brandt. 1991/92 hatte er als Jungschauspieler zum Ensemble des Theaters am Niederrhein gehört. Vor allem als "Ein Jedermann" in der Erstaufführung des Stücks von Felix Mitterer ist er vielen in Erinnerung geblieben.

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Es waren die ganz frühen Schauspieljahre. Der 1961 in Bonn geborene jüngste Sohn von Rut und Willy Brandt hatte nach dem Abitur und einem "schleunigst wieder abgebrochenen Versuch eines Jurastudiums" an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover vorgesprochen. Er war einer von 800 und gehörte zu den neun, die genommen wurden. Das erste Festengagement 1989 war am Staatstheater Oldenburg. Dann kamen bereits erste Arbeiten für Funk und Fernsehen.

Das Theater Krefeld/Mönchengladbach bleibt in Matthias Brandts künstlerischen Lebensläufen fast immer unerwähnt. Die Erinnerung an diese Zeit möchte er nicht gerne öffentlich teilen, sagt er. Für den damals 31-Jährigen war der Niederrhein nicht nur verbunden mit Bühnenerfolgen und künstlerischer Entwicklung. Als Sohn des vierten Bundeskanzlers stand er nicht nur unter Beobachtung der Feuilletons. Als im Oktober 1992 Willy Brandt starb, kamen Vertreter der Boulevardblätter ins Krefelder Theater. Am Vorabend der Beerdigung seines Vaters stand der Sohn in dem Stück "Geschätzte Freunde" von Stephen Jeffreys auf der Bühne. Die Bild-Zeitung konstatierte damals: "Matthias Brandt (31/1,82m) machte während der Vorstellung einen lockeren, gelösten Eindruck." Der Reporter schildert dann, wie Brandt "doch ein klein wenig in sich zusammensackte". Als Brandt den Satz zu sagen hatte "Es gibt schreckliche Momente im Leben, wenn sich alles ändert", beobachtete der Reporter: "Er schwieg danach einen Moment, wie es schien, wurde nachdenklich, fasste sich dann aber rasch wieder." Manchmal ist die Bühne auch ein Präsentierteller.

Zu den Proben und Auftritten am Krefelder Haus kam Brandt meist mit dem Hollandrad. Wäre er länger hier geblieben, hätte er sich sicher für die Ehrung "Radfahrer des Jahres" qualifiziert. Der Preis läse sich gut zwischen "Bambi", Grimme- und Deutschem Fernsehpreis.

Den großen Sprung machte Matthias Brandts Karriere vor rund zehn Jahren: In der Regie von Oliver Storz spielte er 2003 in dem Film "Im Schatten der Macht" den Spion Günter Guillaume, dessen Enttarnung 1974 zum Rücktritt Willy Brandts als Bundeskanzler geführt hatte. Die Pikanterie dieser Besetzung sorgte seinerzeit für Schlagzeilen. Für Matthias Brandt war sie nicht relevant. Er hat immer betont, dass der Beruf des Schauspieler vor allem eines bedeute: Figuren zu verkörpern.

(RP)