Marktschwärmer in Mönchengladbach: Online einkaufen, beim Bauern abholen

Marktschwärmer in Mönchengladbach : Online einkaufen, beim Bauern abholen

Ein Start-up aus Berlin bringt eine neue Einkaufsform: Marktschwärmer. Online-Einkäufer treffen dabei auf den Erzeuger der Lebensmittel.

Der Online-Handel verändert immer stärker auch den Lebensmitteleinzelhandel. Das Ergebnis muss nicht immer ein Online-Supermarkt sein wie „Picnic“ oder „Getnow“. Neu ist jetzt der sogenannte „Marktschwärmer“ in Mönchengladbach. Lebensmittel aus der Region, die vorher online bestellt wurden, gibt es jeden Freitag von 16 bis 18 Uhr auf dem Finkenberger Hof in Wickrathberg. Gastgeber sind Landwirt Jörg Engels und seine Frau Kira. „Inspiriert hat uns der Besuch in der Marktschwärmerei Bonn“, erzählt Kira Engels. „Das Konzept dahinter hat uns so überzeugt, dass wir uns gleich bei der Berliner Zentrale der Marktschwärmerei angemeldet haben.“

Die Strategie umfasst drei Beteiligte: Ein junges Team mit Sitz in Berlin – die „Marktschwärmer“ – stellt die Online-Plattform zur Verfügung. Der Gastgeber der lokalen Marktschwärmerei organisiert die Abläufe vor Ort. Hinzu kommen dann die regionalen Erzeuger, die bei den Gastgebern ihre eigenen Produkte anbieten. Die Abnehmer der Produkte in der neuen Marktschwärmerei Wickrathberg ließen nicht lange auf sich warten.

„Der Zuspruch der Kunden beim Start Mitte März war überwältigend“ sagt Kira Engels. Schon fast 400 Mitglieder nutzen diese Art der Online-Direktvermarktung, bei der der Kunde mit dem Erzeuger direkt in Kontakt tritt. Die Idee stammt aus Frankreich und verbreitet sich auch in Deutschland schnell. Die Lebensmittel stammen ausschließlich von bäuerlichen Erzeugern, Lebensmittelhandwerkern und kleinen Manufakturen aus der Umgebung. Derzeit werden mehr als 190 verschiedene Produkte von 15 Erzeugern in dem ländlichen Stadtteil angeboten. Auch Charlotte Steinfarz ist dabei. „Unser Sojaöl verkaufen wir ausschließlich über Hofläden“, erzählt sie. Und weiter: „Irgendwann haben wir uns gefragt, warum Soja nur als Futtermittel für die Viehhaltung dienen soll. Dann ging alles sehr schnell und wir haben es zum Lebensmittel umfunktioniert. Hier auf dem Finkenberger Hof haben wir Zeit für den Kunden. Und sind wir einmal mit den Menschen im Gespräch, erzählen wir ihnen auch gerne die Geschichte hinter dem Produkt“, fügt sie hinzu.

Ob Sojaöl, frisches Brot, Joghurt oder Obst, die verschiedenen Erzeuger stehen nicht nur an ihren Ständen nebeneinander, sondern tauschen sich interessiert aus. Der persönliche Kontakt  ist wichtig – die Basis für eine gute Gemeinschaft. Landwirt Jörg Engels: „Wir haben so viel tolle Produkte in der Nachbarschaft.“ Ehefrau Kira ergänzt: „Am meisten schätzen die Mitglieder, dass sie die Herkunft ihrer Lebensmittel nachvollziehen können.“

Marktschwärmer auf dem Finkenberger Hof in Mönchengladbach. Foto: Marktschwärmer/Myriam Topel

Aus dem angrenzenden Stadtteil Beckrath ist Familie Oellers auf den Hof gekommen. „Wir schätzen es sehr, bequem von zu Hause aus unsere Bestellung aufgeben zu können“, sagt die Mutter der Familie. „Das regionale Angebot ist super, daher kaufen wir querbeet ein“, fährt sie fort und schaut dabei Tochter und Sohn an. Die beiden nicken zustimmend. Das Ehepaar Engels bietet noch einen weiteren Trend an: Auf Wunsch werden die Produkte mit dem hofeigenen E-Lasten-Bike geliefert.

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