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Mönchengladbach: Marienschule geht gegen Mobbing vor

Mönchengladbach : Marienschule geht gegen Mobbing vor

Unter dem Motto "KlaWir – Klasse sind wir" engagieren sich Zehntklässler in einem neuen Projekt. Regelmäßig leiten sie eine Schulstunde in den fünften Klassen, um zum Thema Streitigkeiten und Ausgrenzung Präventivarbeit zu leisten.

Unter dem Motto "KlaWir — Klasse sind wir" engagieren sich Zehntklässler in einem neuen Projekt. Regelmäßig leiten sie eine Schulstunde in den fünften Klassen, um zum Thema Streitigkeiten und Ausgrenzung Präventivarbeit zu leisten.

Lisa darf heute beschimpft werden. "Trottel — Dummkopf — Miststück": Jeder Schüler tritt vor und darf eine Beleidigung aussprechen. Lisa kann das wegstecken — sie ist eine Puppe. Mitgebracht haben sie Luca, Charlotte, Annika und Yannik. Das Quartett gestaltet mit der Klasse eine Stunde zum Thema Streitschlichtung. Während die Schimpfwörter gesammelt werden, ist es laut im Klassenraum. Doch als die Jugendlichen diskutieren, wie man solche Beleidigungen verhindern kann, um sein Gegenüber nicht zu verletzten, sind die Fünftklässler still. Sie hören auf ihre vier Mitschüler, die den Unterricht leiten — obwohl diese nur ein paar Jahre älter sind.

"Es war nicht einfach, die Diskussion zu moderieren. Aber ich denke, es hat ganz gut geklappt", sagt Annika nach der Stunde. Die 16-Jährige ist Teil eines Patenteams an der Bischöflichen Marienschule, die seit dem Beginn des Schuljahres mit den fünften Klassen an dem Projekt "KlaWir — Klasse sind wir" arbeiten. Alle zwei Wochen leiten die Zehntklässler ehrenamtlich eine Stunde, um präventiv gegen Streitigkeiten, Ausgrenzung und Mobbing in der Schule vorzugehen.

"Natürlich haben wir Lehrer diese Probleme auch schon im Unterricht thematisiert. Doch bei diesem Projekt war uns von Beginn an wichtig, dass die Paten an dem Konzept mitarbeiten. Sie sind viel näher dran an den Schülern, sie gestalten die KlaWir-Stunden", sagt Projektleiterin Barbara Boonen. Insgesamt 20 Schüler der Jahrgangsstufe zehn haben sich bereiterklärt, am Projekt mitzuwirken. "Ich glaube, dass es wichtiger geworden ist, über solche Dinge zu sprechen", sagt Luca (16).

Jeden Donnerstag in der ersten Unterrichtsstunde kümmern sich die Paten um "KlaWir", in der einen Woche bereiten sie die Schulstunde vor, in der anderen sind sie mit der Klasse aktiv, machen Rollenspiele oder Diskussionsrunden. Auch außerhalb der KlaWir-Stunden stehen die Paten den jungen Gymnasiasten als Ansprechpartner zur Verfügung. Zudem gibt es regelmäßige Sitzungen mit den Projektleitern.

"Wir erhoffen uns, dass sich das Miteinander an unserer Schule langfristig verbessert. Auch die Paten können aus den Stunden etwas mitnehmen. Streit und Ausgrenzung sind keine Probleme, die mit der Oberstufe einfach verschwinden", sagt Barbara Boonen. Dass der Erfolg ihrer Initiative nicht messbar ist, wissen die Lehrer, aber nach gut einem Jahr haben sie erste Erkenntnisse gesammelt. "Man kann schon sehen, dass sich in der Klasse eine gute Gemeinschaft gebildet hat. Und die jüngeren Schüler schauen genau darauf, wie sich ihre Paten verhalten", sagt Heiner Pastor. Der Mathelehrer der fünften Klasse unterstützt mit seiner Kollegin Nadine Rosen-Küppers das Projekt.

Auch die Paten ziehen ein positives Fazit. "Zunächst war es schwer, da wir nicht die Autorität eines Lehrers haben. Doch mit der Zeit sind wir voll akzeptiert worden", sagen Annika und Luca. In zwei Wochen werden sie erneut die Puppe Lisa mit in die Klasse nehmen. Dann soll sie von jedem Schüler jedoch nur aufmunternde Worte erhalten. Beleidigungen und Ausgrenzung sollen schließlich keinen Platz im Schulalltag haben.

(togr)