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Redaktionsgespräch: Maria-Hilf-Gelände: Ein neuer Standort für Kräne

Redaktionsgespräch : Maria-Hilf-Gelände: Ein neuer Standort für Kräne

Einkaufszentrum, City-Ost, Masterplan - Gladbach ist im Aufschwung. Es scheint, als ob diese Entwicklung die Stadt überrollt und überfordert hat. Denn es gibt viel Kritik am Bau- und Planungsbereich. Norbert Bude (SPD) und Hans Wilhelm Reiners (CDU) stellten sich den Fragen der Architektenschaft.

In Mönchengladbach drehen sich die Kräne: Neue Baugebiete entstehen, Gewerbeareale laufen langsam zu, ein Masterplan gibt eine Leitlinie vor. Aber es gibt im Bau- und Planungsbereich auch Mängel und einige offene Flanken. Über die unterhielten sich die Architekten Stephan Brings, Markus Sillmanns, Odilo Joeken, Jürgen Spinnen und Annette Bonin mit Oberbürgermeister Norbert Bude und CDU-Oberbürgermeisterkandidat Hans Wilhelm Reiners. Sie wollten wissen, wie sich die Stadt in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird. Kann der Masterplan umgesetzt werden? Bekommt die Bauverwaltung ihre Aufgaben in den Griff? Warum gibt es immer noch keinen Verkehrsentwicklungsplan? RP-Redaktionsleiter Ralf Jüngermann moderierte das Gespräch.

Sind Sie glücklich mit der Performance des städtischen Baubereichs?

Norbert Bude (lacht) Performance ist gut. Zwei Dinge erschweren die Arbeit in diesem Fachbereich. Erstens ist die Anzahl der Bauanträge exorbitant gestiegen, was natürlich gut ist, zweitens haben wir in der Verwaltung leider einen höheren Krankenstand, so auch dort. Wir haben aber dafür gesorgt, dass bald alle 46 Stellen wieder besetzt sein werden. Damit haben wir die Gefahr gebannt, dass die Bearbeitungszeiten noch länger werden und gehen davon aus, dass wir sie wieder beschleunigen.

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Hans Wilhelm Reiners Fakt ist, dass ich immer wieder Klagen über Bearbeitungszeiten für Bauanträgen von teilweise mehr als einem halben Jahr höre und das nicht erst seit gestern. Das ist nicht akzeptabel, denn die Antragsteller wollen Geld in unserer Stadt investieren.

Es dauert also viel zu lange, bis man als Bauwilliger überhaupt Antwort von der Stadt bekommt.

Bude Ich widerspreche. Wir werden sogar besonders gelobt für die Geschwindigkeit, in der Sonderbauvorhaben durchgezogen werden - beispielsweise für Zalando, Mfi oder andere.

Das hört sich so an, als stecke viel Personal im Bereich Sonderbebauung. Dafür wartet der Häuslebauer fünf bis sechs Monate auf seine Genehmigung. Finden Sie das gerecht?

Reiners Das ist nicht nur eine Frage der personellen Besetzung einer Abteilung. Die Häuslebauer sind unzufrieden, weil immer wieder nachgefordert wird. Die Stadt sollte dem Kunden einmal sagen, was er vorlegen muss - fertig. Im Übrigen stimmt es nicht, dass die Stadt im Sonderbaubereich so toll ist.

Der Masterplan ist eine schöne Leitplanke. Viele wollen investieren. Was machen Sie, wenn der berühmte weiße Ritter kommt und sagt: Ich baue Ihnen den Gladbach-Tower?

Bude Dann würde ich sagen: Das kriegen wir hin. Nein, im Ernst: Der Masterplan ist eine gute Grundlage. Verein, Stadt und Politik sind bei der Umsetzung gemeinsam gefordert. Dafür haben wir einen Beirat, in dem ich auch mitarbeite. Wir werden den Masterplan nicht ruckzuck und in Gänze umsetzen können. Sicher ist, dass wir uns als nächstes um die Hochschulachse mit Polizeipräsidium kümmern werden. Das Gebäude an der Theodor-Heuss-Straße wird ab 2017 frei sein. Wir werden alles daran setzen, dass wir den Masterplan an dieser Stelle zügig umsetzen.

Reiners Der Masterplan soll eine einheitliche Linie ins Stadtbild bringen. Bisher präsentiert es sich eher als bunter Flickenteppich. Für manche Bereiche gibt es einen Bebauungsplan, für andere nicht.

Bude Ich verweise auf 50 bis 60 Jahre CDU. Da ist doch der Flickenteppich entstanden. Das braucht sehr viel Zeit, um dies zu verändern.

Reineres Sie waren auch jetzt zehn Jahre Oberbürgermeister und hätten einiges ändern können. Aber ich möchte nach vorne sehen.

Wäre es nicht an der Zeit, sich mit dem Thema Maria Hilf zu beschäftigen?

Bude Die Konzentration am Standort Franziskushaus wird schneller erfolgen, daher bin ich schon seit einigen Monaten im intensiven Gespräch mit der Geschäftsführung des Maria Hilf. Bei der Lage und dem Zuschnitt des Grundstücks mache ich mir aber ehrlich gesagt um die Entwicklung keine Sorgen.

Reiners Das Maria-Hilf-Gelände ist eine ganz wichtige Fläche. Sie gehört der Stadt, liegt zentral in toller Lage. Hier sind viele Entwicklungen vorstellbar und machbar.

Noch mal zurück zum Flickenteppich. Wie kriegen wir die Leitlinien für die Bauplanung so hin, dass sich das Stadtbild positiv entwickelt?

Bude Es gibt solche Leitlinien in den Leitideen MG-2030, sie sind jedoch durch die Politik nicht verbindlich beschlossen worden.

Wollen Sie eine Gesellschaft gründen, die sich um das Gesicht der Stadt kümmert, oder schafft das die Verwaltung selbst?

Reiners Ich weiß nicht, ob es sinnvoll wäre, eine Projektgesellschaft zu gründen. Vielleicht ist der Bereich besser bei der Entwicklungsgesellschaft aufgehoben. Das Problem ist: Die Stadt kann nur auf eigenen Grundstücken planen. Beispiel - das Areal zwischen Berliner Platz, Lüpertzender- und Fliethstraße. Das alte Hallenbad gehört der Stadt, das Menge-Haus ist privat. Da wird eine homogene Planung schwierig. Ich empfehle aber dringend, den alten Hochbunker an der Erzbergerstraße zu kaufen. An der Stelle könnte später mal der Gladbach-Tower gebaut werden.

Stimmen Sie zu, Herr Bude?

Bude Ich gehe davon aus, dass wir das Vorkaufsrecht für den Bunker haben. Ich setze in den kommenden zehn Jahre die Prioritäten allerdings mehr auf die Hochschulachse mit dem Polizeipräsidium und die City-Ost. Der Masterplan ist eine Aufgabe für die nächsten 30 Jahre.

Thema City-Ost: Was geht hier auf keinen Fall? Wie sieht es hier in zehn Jahren aus?

Reiners An der Stelle entsteht ein hochwertiger Bürostandort. Wir müssen so schnell wie möglich einen privaten Investor finden, der den Start macht. Dann werden andere folgen.

Bude Baumarkt und Einzelhandel sind an dieser Stelle nicht mehr möglich. Die City-Ost wird Dienstleistungs- und Bürostandort.

Muss die Stadt Investoren finden?

Bude Es gibt bereits Interesse. Auch die Mönchengladbacher Architekten dürfen gern Investoren suchen und in die Stadt bringen.

Reiners Investoren sind immer gern gesehen, aber die Stadt muss Vorgaben machen, indem sie zum Beispiel an städtebaulich wichtigen Stellen Wettbewerbe fordert. Da muss ich auch mal unsere Architekten kritisieren. Sie suchen Investoren, wollen dann aber keinen Wettbewerb.

Müssen die Wohnungsbaugesellschaften so bleiben wie sie sind? Kann sich die Stadt leisten, mehrere zu haben?

Bude Es gibt historische Gründe, warum wir zwei haben. Eine Zusammenführung ist schwierig, da es sich in einem Fall um eine AG, im anderen um eine GmbH handelt.

Reiners Die Aufgaben sind räumlich klar definiert. Die Kreisbau hat viele gute Neubauten erstellt. Die GWSG hat die Solarsiedlung in Eicken toll saniert, auch die Aktivitäten im Bereich der Waldhausener Straße gefallen mir. Allerdings unterhält die Wohnungsbaugesellschaft an anderen Stellen Häuser, für die es sich nicht mehr lohnt - beispielsweise an der Saumstraße.

Die CDU hat damals Oberbürgermeister Bude aus allen Gesellschafterversammlungen rausgeworfen. War das ein Fehler? Herr Reiners, würden Sie der CDU empfehlen, das wieder zu tun, falls Herr Bude gewinnt?

Reiners Darüber kann man lange diskutieren, aber damals wurde die Entscheidung so getroffen. Ich würde das so nicht wiederholen.

Wer ist schuld, dass es keinen Verkehrsentwicklungsplan gibt?

Bude Es gab einen Entwurf, der aber politisch nie beraten wurde. Der Verkehrsentwicklungsplan muss mit großer Mehrheit beschlossen werden.

Bricht der Verkehr nach der Eröffnung des Minto zusammen?

Reiners Nein. Die entsprechenden Beschlüsse zur Verbesserung der Verkehrssituation sind längst gefasst. Es ist schade, dass die Umsetzung so lange dauert. Ich erwarte nach der Eröffnung des Minto keine Katastrophen.

Bude Die Breitenbachstraße wird jetzt in Angriff genommen - etwas verspätet. Der Verkehr kann nicht immer reibungslos laufen. Das ist in anderen Städten in Spitzenzeiten auch nicht anders.

Werden der Lkw-Routenplan und der Verkehrsentwicklungsplan zusammen passen?

Reiners Die Daten für den Verkehrsentwicklungsplan sind teilweise mehr als zehn Jahre alt. Vielleicht sollten wir noch mal zurück auf Null stellen. Damals hatte man die Bürgerbeteiligung noch nicht auf dem Schirm. Die Stadt Bremen macht vor, wie ein solcher Plan mit starker Bürgerbeteiligung entwickelt wird.

Was geschieht mit dem Hauptquartier?

Bude Für die zukünftige Nutzung des Geländes gibt es ernstzunehmende Konzepte. Es wurde noch keine Entscheidung getroffen, aber die Dynamik hat zugenommen. Das macht Mut.

Reiners Man hält uns immer noch vor, dass die Skihalle in Neuss und nicht in Gladbach gebaut wurde. Wir werden, was das JHQ betrifft, keine Tür zuschlagen. Das Four-Seasons-Konzept der Saudis beispielsweise ist nicht uninteressant.

Ist es richtig, die Erstunterkünfte für Asylbewerber im JHQ einzurichten?

Reiners Die Vorteile für die Stadt sind gravierend, beispielsweise müssten wir keine neuen Unterkünfte bauen. Allerdings sollten wir achtsam sein, damit wir nicht die Tür öffnen für ein späteres Großlager.

Bude Die Größenordnung einer solchen Einrichtung ist klar definiert und nicht beliebig. Die Häuser, in denen die Asylsuchenden untergebracht werden sollen, stehen auf einer Fläche, die unter fünf Prozent des gesamten Areals ausmacht.

Was sind nach Ihrer Meinung die wichtigsten Projekte, die in den nächsten fünf Jahren in der Stadt realisiert oder auf den Weg gebracht werden sollen?

Bude In Stichworten: Minto, Rheydter Marktplatz, Hochschule Niederrhein, Polizeikaserne, City-Ost, Maria Hilf.

Reiners Einkaufszentrum und Rheydter Innenstadt sind so gut wie erledigt. Ansonsten unterscheidet sich meine Liste nicht sehr. Die Zukunft des Maria-Hilf-Geländes halte ich für besonders wichtig. An dieser Stelle ist einiges vorstellbar.

RALF JÜNGERMANN, INGE SCHNETTLER UND DIETER WEBER FÜHRTEN DAS GESPRÄCH.

(RP)