Mönchengladbach : Manege leer

Insgesamt vier Vorstellungen mussten beim Zirkus "Hot Afrika" mangels Zuschauern ausfallen. Dadurch sind 16 000 Euro Schaden für den Veranstalter entstanden. Die letzten vier Veranstaltungen sollen nun auf jeden Fall statt finden – die Künstler wollen endlich wieder in die Manege.

Die Künstler waren schon geschminkt, die Artisten hatten sich für ihre waghalsigen Nummern bereits aufgewärmt und gedehnt – das Rampenlicht war an. Mit der gewohnten Portion Lampenfieber standen sie alle hinter dem Vorhang. 18 Künstler, die auf ihren großen Auftritt warteten. Doch dann ging das Rampenlicht plötzlich wieder aus. "Und dann musste ich denen mitteilen, dass leider nur zehn Besucher vor der Tür stehen und wir die Vorstellung ausfallen lassen müssen", erzählt Frank Schiffermann vom Zirkus "Hot Afrika", der momentan auf dem Gelände von Möbel Roller an der Lürriper Straße gastiert.

Dieses Szenario wiederholte sich noch an drei weiteren Abenden. "Sie können sich gar nicht vorstellen, wie meine Künstler geguckt haben", erinnert sich der Geschäftsführer und ergänzt: "Die Künstler brauchen nicht nur ihre Gage, sondern auch das Publikum und den Applaus zum Überleben – wenn dann das Interesse an ihrem Können in dieser Stadt fehlt, ist das für uns doppelt schlimm."

Der logistische Kraftakt für eine solche Show ist ebenfalls nicht zu unterschätzen: Während die Artisten aus Äthiopien, Kenia und Simbabwe angereist sind, haben 16 Zugmaschinen die Ausrüstung nach Mönchengladbach gebracht. Versicherungen, Reklamekolonne, Künstler und Artisten – sie alle wollen bezahlt werden. Den finanziellen Verlust durch vier ausgefallene Vorstellungen beziffert Frank Schiffermann bisher auf insgesamt 16 000 Euro. "Wir haben schon von Kollegen, die mit ihrem Zirkus in den vergangenen Jahren hier waren gehört, dass Mönchengladbach kein gutes Pflaster für diese Branche ist", sagt der Geschäftsführer von "Hot Afrika", der das Ausbleiben der Zuschauer so gar nicht nachvollziehen kann. Die Werbetrommel wurde fleißig gerührt, der Standort bewusst gewählt sowie das Programm um viele Attraktionen erweitert. "Wir mussten noch nie Veranstaltungen absagen, wir sind wirklich erschrocken", so Schiffermann fassungslos und fügt hinzu: "Wir versuchen den Fehler zu finden, aber wir wissen einfach nicht, was wir falsch gemacht haben. Das wird uns auf jeden Fall eine Lehre sein." Ob er mit seinem Zirkus noch einmal seine Zelte in Mönchengladbach aufschlagen wird, weiß Schiffermann noch nicht genau.

"Hot Afrika" ist kein normaler Zirkus mit Clowns, Dresseuren und Schlappseil – das afrikanische Spektakel setzt sich aus vielseitigen Performern, Akrobaten, Jongleuren, Perkussionisten, Tänzern und Sängern aus Afrika zusammen. In atemberaubender Geschwindigkeit jonglieren die Artisten schwere Tongefäße und Tische auf den Füßen und lassen sie durch die Luft wirbeln. Mit dabei ist auch Dickson Oppong, der so genannte "Waterman" aus der RTL-Sendung "Das Supertalent". Er schafft es, innerhalb von zwei Minuten fünf Liter Wasser zu trinken und anschließend mit seinem Mund meterhohe Wasserfontänen zu produzieren. Am Wochenende findet das afrikanische Spektakel wie geplant statt. "Die Künstler wollen endlich wieder auftreten", so Schiffermann.

(RP)