Serie Denkanstoss: " Lott jonn!"

Serie Denkanstoss : " Lott jonn!"

Der Preis, den der Rheindahlener Bürgerverein auch in diesem Jahr wieder an Menschen vergibt, die sich "aus Überzeugung mit Herz und Seele für andere engagiert haben" heißt: "Lott jonn!"

Es ist ein Spruch, der von vielen Rheindahlenern, jung und alt, arm und reich immer sehr gerne genutzt wird, wenn man sich gegenseitig auffordert, nicht nach hinten, sondern immer nach vorne zu blicken. Ganz so, wie die Preisträger es vorgemacht haben", erklärt Charly Jansen, der "Baas" (Vorsitzende) des Bürgervereins Rheindahlen.

"Lott jonn!" - nicht nach hinten, sondern nach vorne blicken: Das ist ein wegweisendes Motto, das für viele Bereiche unseres Lebens gilt. Wir haben es immer in der Ökumene praktiziert und uns vorgenommen, nicht auf das zu blicken, was uns in der Vergangenheit trennte, sondern auf das, was wir in Zukunft gemeinsam unternehmen können. "Lott jonn!" - charakterisiert auch die segensreiche Arbeit der diesjährigen Preisträger, die sich in vorbildlicher Weise für andere Menschen eingesetzt und ihnen Hilfen für ihre Zukunft mit auf den Weg gegeben haben: so das Ehepaar Gisela und Michael Hüske in ihrem unermüdlichen Einsatz für Asylanten und Heinz Lenzen mit seinem stets bürgernahen, sachkundigen und für viele Bürgerinnen und Bürger hilfreichen Dienst als Berater in Renten- und Versicherungsfragen.

Der "Ökumenische Arbeitskreis für Asylfragen", dem das Ehepaar Hüske seit 1992 angehört, hat eine segensreiche Arbeit für die in Rheindahlen untergebrachten Flüchtlinge geleistet: Er hat geholfen und dazu beigetragen, Vorurteile abzubauen. Es ging stets darum, Brücken zu bauen statt Mauern zu errichten. Weshalb Gisela Hüske 2011 stellvertretend für den Arbeitskreis mit der Ehrennadel der Stadt ausgezeichnet wurde. Gerade in diesen Tagen, da viel darüber diskutiert wird, wie die große Zahl der Flüchtlinge, die in unser Land kommen, bewältigt werden kann, ist die Verleihung des "Lott-jonn"- Preises an Menschen wie das Ehepaar Hüske wegweisend: Wir sollen nach vorne blicken und überlegen, wie wir den Menschen, die aus schrecklichen Kriegs-und Terrorländern zu uns kommen, eine neue Heimat geben können. "Lott jonn!" heißt: Nicht kleckern, sondern klotzen! Vorläufige Maßnahmen dürfen nicht zur Dauerlösung werden, sondern man muss konkret darüber nachdenken, wie es möglich wird, dass Menschen sich bei uns auf- und angenommen fühlen.

"Lott jonn!" heißt auch, sich nicht dauernd gegenseitig Vorwürfe über das machen, was schief gelaufen ist - sei es in konfessionellen Auseinandersetzungen oder bei politischen Fehlentscheidungen. Niemandem hilft es, wenn man den Balken im Auge des anderen sucht und anklagend darauf zeigt. "Lott jonn!" heißt: Vergiss, was war und was nicht zu ändern ist, klammere dich nicht an Fehler von gestern, sondern lerne aus ihnen und versuche, es in Zukunft gemeinsam mit anderen besser zu machen. Das steckt auch in "Lott jonn!": Wir sind keine Einzelkämpfer, wir packen gemeinsam an. In diesem Sinne: "Lott jonn!"

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(RP)