Mönchengladbach: Lohengrin-Probe im Theater war eine Heerschau mit dem Chor

Mönchengladbach : Lohengrin-Probe im Theater war eine Heerschau mit dem Chor

Das Muster der Tapete, welche die drei Wände des Guckkastens auf der Theaterbühne schmückt, mag manchem der rund 50 Zuschauer bekannt vorkommen. Nach dem Durchgang der ersten Teilprobe -mit dem 2. Akt von Richard Wagners Musikdrama "Lohengrin" - erfahren die Besucher im Theatercafé Linol von Regisseur Robert Lehmeier, was es damit auf sich hat: "Die Tapete haben wir in Anlehnung an die Deko des Uno-Sicherheitsrates entwickelt", sagt der Regisseur. Auch der hufeisenförmige Tisch sei von dort inspiriert.

Auch wenn die Sängerinnen und Sänger bei der Bühnen-Orchester-Probe (BOP) noch nicht die Kostüme tragen, die sie erstmals Samstag bei der Premiere in ihren Rollen kennzeichnen werden, wird den Gästen, die zu "Lohengrin #szenisch" gekommen sind, schnell klar: Diese Inszenierung versetzt uns nicht, wie von Wagner gemeint, zurück ins 10. Jahrhundert, sondern sucht die Nähe zur Gegenwart. "Wir verbinden die Ebene des Märchens und die ganz konkrete politische Ebene", erklärt Lehmeier, der schon in den 1990er Jahren als Assistent von Harry Kupfer in Bayreuth den "Ring des Nibelungen" betreute. Der Bezug auf gesellschaftliche Konflikte sei ihm bei seiner Inszenierung wichtig. Wagner modern also: Da muss auch die Erwartung auf den Schwan als Begleiter des Gralsritters Lohengrin schweigen.

Auch wenn also die Kostüme fehlen, erkennen die Zuschauer rasch, dass der stark besetzte Theaterchor, der in einem bestuhlten Saal mit rotem Teppich Platz genommen hat, dort zu einer Heerschau angetreten ist. Das zeigt der wiederholte militärische Gruß der Männer in dieser dritten Szene des zweiten Aufzugs der 1850 uraufgeführten Oper. Operndirektor Andreas Wendholz und Regisseur Lehmeier erläutern dem Publikum in der Pause, dass sie sich die Damen in Hochzeitskleidern und die Herren in Uniformen vorzustellen haben. Stolz ist Wendholz, "dass wir die Solisten aus unserem Haus bestreiten können". Einzig Jürgen Linn, der den in Südamerika weilenden Johannes Schwärsky als Friedrich von Telramund vertritt, agiert mit lebhaftem Mienen- und Gebärdenspiel auf der Bühne.

Zum Schmunzeln lädt es ein, wenn Michael Siemon in der Titelrolle seiner Elsa im legeren beigen Hoodie entgegentritt und auf ihre Frage nach seiner Herkunft singt: "Aus Glanz und Wonne komm' ich her." Dabei krönt ein Kranz aus weißen und roten Kunstrosen sein Haupt.

Generalmusikdirektor Mihkel Kütson leitet die Probe mit großem körperlichen Einsatz. Hin und wieder unterbricht er und lässt das Orchester oder den glänzend aufgelegten Chor eine Passage wiederholen. Die Solisten - das trübt den Hörgenuss der Gäste - schonen hörbar ihre Stimmbänder. Besonders Izabela Matula als Elsa von Brabant, die noch bis vor kurzem krank war. Ab Samstag wollen dann alle stimmlich ihr Bestes geben.

(RP)
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