Mönchengladbach: Lohengrin mit sexy Hüftschwung

Mönchengladbach: Lohengrin mit sexy Hüftschwung

Wahrscheinlich wurde im Theater selten so herzhaft gelacht wie an diesem Abend. Zwei Lohengrin-Parodien standen auf dem Programm. Die Schauspieler und Sänger hatten mindestens so viel Spaß an dem Klamauk wie das Publikum.

James Park kann nun mit Fug und Recht behaupten und in seiner Vita vermerken, dass er den Lohengrin gespielt hat. Und was für einen. Dieser sympathische und schöne Sänger hat im Studio des Theaters einen Schwanenritter hingelegt, den es so wahrscheinlich nie zuvor gab. Im langen hellen Gewand trat er auf, den obligatorischen Blumenkranz auf dem Kopf und ein überdimensioniertes Schwert in der Hand. Tata tata - rief er - lüftete lasziv sein Gewand, und dann lieferte er den most sexy Hüftschwung aller Zeiten. Tata tata. Hinreißend, wie dieser Lohengrin als professioneller Retter verzweifelter Mädchen Elsa umwirbt. Und natürlich kriegt er sie. Letztlich muss er dann aber wieder in den Gral zurück, weil sie ihm seinen Namen entlockt hat.

"Lohengrin #parodistisch" hieß die Veranstaltung im Rahmenprogramm der Lohengrin-Oper, die derzeit auf der Gladbacher Bühne zurecht frenetisch gefeiert wird. Der sexy Lohengrin tauchte im zweiten Teil des Abends auf - in der mutmaßlichen Erstaufführung von Victor Herberts Burleske "The Magic Knight". Da brillierten neben James Park die Stipendiaten des Opernstudios, Alexander Kalina und Alexander Liu. Und Panagiota Sofroniadou (Elsa), deren Stimme so gewaltig durch die Decke ging, dass Ortrud (Lisa Kaltenmeier) sich kurzerhand Tempotücher in die Ohren stopfte.

James Park Foto: Matthias Stutte

Lohengrin hantierte mit dem viel zu großen Schwert, das er zwischenzeitlich auch schon mal als Gitarre benutzte. Mit unverhohlener Freude zelebrierten die Akteure den herrlichen Klamauk, hämmerte der Temperamentsbolzen Yorgos Ziavras in die Klaviertasten, und das Publikum lachte sich kaputt. Selten hat man so eine ausgelassene Stimmung im Theaterstudio erlebt. Tolle Inszenierung von Katja Bening.

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Keine andere Oper Richard Wagners wurde so oft auf die Schippe genommen wie "Lohengrin". Johann Nestroy hat es in vier Bildern getan. Seine musikalisch-dramatische Parodie wurde nur wenige Monate nach der Uraufführung der Lohengrin-Oper erstmals gespielt. Unter der Regie von Sascha May brachten Michael Nowack (Hans der Gerechte), Philipp Sommer (Lohengrin), Anna Pircher (Elsa von Gragant), Paul Steinbach (Ritter Mordigal von Wetterschlund), Paula Emmrich (Gertrude) das saulustige Stück auf die Bühne. Sascha May selbst mimte den leicht verwirrten Hinundherrufer und Erzähler.

Panagiota Sofroniadou Foto: Matthias Stutte

Wenn in der "echten" Lohengrin-Oper im Gladbacher Theater eigens eingereiste Königstrompeten aus Bayreuth himmlische Klänge ertönen lassen, waren es in Sascha Mays Inszenierung Blockflöte und Melodica. Gelegentlich ließ May aber auch sein Handy intonieren. Die Akteure spielten den herrlichen Quatsch offensichtlich nur allzu gern mit, radebrechten in unterschiedlichen Dialekten, nahmen auch Kontakt zum Publikum auf.

Der hanebüchene Text wurde mit Spaß vorgetragen. Beispiel gefällig? Als Ritter Mordigal kapiert, dass seine Frau ihn angelogen hat, entwickelt sich folgender Dialog: "Du logst mir Elsas Tat, ob der ich mich geharnischt, und jetzt zeigt sich der ganze Brudermord als jar nischt. Nur Du bist schuld!" - "Laß mich in'n Ruh', lern' lieber besser fechten du! Ja, glotze mich nur an, du feiger Schatz, Dein Ritter-Renommee gehört der Katz'!"Der Abend bot wahrlich ein ungetrübtes Vergnügen.

Alexander Kalina Foto: Matthias Stutte
(isch)