Mönchengladbach: Logistik-Jobs helfen beim Strukturwandel

Mönchengladbach : Logistik-Jobs helfen beim Strukturwandel

Bei der hohen Hartz-IV-Quote und der seit Generationen "vererbten" Arbeitslosigkeit tut sich Entscheidendes - weil Zalando & Co. immer mehr Stellen besetzen. Fast 1000 Menschen arbeiten dort bereits - der Großteil kommt aus Gladbach.

Bei der hohen Hartz-IV-Quote und der seit Generationen "vererbten" Arbeitslosigkeit tut sich Entscheidendes - weil Zalando & Co. immer mehr Stellen besetzen. Fast 1000 Menschen arbeiten dort bereits - der Großteil kommt aus Gladbach.

Bevor für heute der große Regen angekündigt wurde, hatte Verdi etwas angekündigt: eine Flugblatt-Aktion im Regiopark nämlich. Dabei wäre es mal nicht um zu niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen oder die Gründung von Betriebsräten bei Logistikfirmen wie Zalando & Co. gegangen. Auch wenn diese Themen nach wie vor akut seien und im Fokus blieben, sagt Gewerkschaftssekretär Frank Michael Munkler. Stattdessen sollte unter den Angestellten erfragt werden, wie sie die Busanbindung bewerten und welche Verbesserungen im Nahverkehr nötig wären. "Denn es gibt immer häufiger Mehrarbeit, die dann über das eigentliche Schichtende um 23.30 Uhr hinausgeht", sagt Munkler. Und dann kommen viele der Angestellten schlecht oder gar nicht mehr nach Hause.

Das zeigt exemplarisch, was auch die Agentur für Arbeit bestätigt: Der Regiopark boomt, speziell das Versandhaus Zalando fährt die Beschäftigenzahl sukzessive hoch. "Wir arbeiten sehr effektiv und gut mit der Geschäftsführung bei der Besetzung der freien Stellen zusammen. 980 Männer und Frauen haben wir von Beginn an bis Ende Juni vermittelt", sagt Agenturleiterin Angela Schoofs. Nach den Sommerferien wolle man die 1000er-Marke knacken, und auch die anderen Logistiker im näheren Umfeld profitierten vom Zalando-Aufschwung. Doch mehr noch. Schoofs' Zahlen weisen auf etwas hin, das seit Jahrzehnten niemand mehr zu hoffen wagte: Dank der Logistiker im Regiopark könnte es gelingen, die seit dem Niedergang der Textilindustrie oft über Generationen "vererbte" Arbeitslosigkeit aufzubrechen.

So wurden 61 Prozent der neuen Mitarbeiter aus dem in Mönchengladbach überdurchschnittlich vertretenen Rechtskreis SGB II (Hartz IV) vermittelt (39 Prozent aus dem Bereich der Arbeitslosenversicherung, SGB III). Unter den Vermittelten mit Wohnsitz Mönchengladbach waren es sogar zwei Drittel. Denn rund 65 Prozent aller an Zalando vermittelten Männer und Frauen kommen aus der Stadt Mönchengladbach, 18 Prozent aus dem Rhein-Kreis Neuss, der Rest aus den weiteren umliegenden Gemeinden und Kreisen. Der überwiegende Teil der neu Beschäftigten besteht überdies aus Geringqualifizierten.

Besonders erfreulich ist laut Schoofs folglich auch, "dass das Alter und die Ausbildung bei der Einstellung eine untergeordnete Rolle spielen. Es kommt auf das Engagement und den Einsatzwillen des Einzelnen an." Ob ältere Langzeitarbeitslose, Behinderte oder junge Menschen mit "gebrochener Erwerbsbiografie" - sie sei optimistisch, dass noch viele weitere arbeitslose Männer und Frauen im Regiopark eine neue Arbeitsstelle finden werden. Auch über das Thema Ausbildung diskutiere man mittlerweile mit Zalando.

Der Online-Versandhändler will im Regiopark mittelfristig bis zu 1700 Stellen schaffen. Das könnte tatsächlich dazu beitragen, dass die noch immer hohe Arbeitslosenquote von 11,5 Prozent - 15 308 Mönchengladbacher waren im Juni in der Statistik erfasst - sinkt. Und Gladbach den Strukturwandel endlich gewuppt bekommt. Zumal die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen in der Stadt seit Jahren steigt - 86 202 waren es 2013, 5000 mehr als zehn Jahre zuvor.

(RP)
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