Mönchengladbach Lkw-Verbot in der City?

Mönchengladbach · Im Bebauungsplan für die Mönchengladbach-Arcaden ist Sand im Getriebe. Die EU drängt auf die Einhaltung von Umweltstandards. Weil das Einkaufszentrum zu mehr Autoverkehr führt, drohen drastische Einschnitte.

 Bismarckstraße (

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Foto: Markus Rick

Die Stadt Viersen prüft rechtliche Schritte gegen die Mönchengladbach-Arcaden: In der Nachbarstadt hat die Größe des an der Hindenburgstraße geplanten Einkaufscenters für Unruhe gesorgt. In Mönchengladbach sehen Politiker, Bauexperten und Investor mfi diesem möglichen Rechtsstreit recht gelassen entgegen.

Bei ihnen sorgt jedoch eine andere Nachricht für Wirbel: Weil die EU künftig darauf drängen will, dass Toleranzwerte für Stickstoffdioxid und Feinstaub in Innenstädten strikt eingehalten werden, könnte der für Anfang 2012 geplante Baubeginn für die Einkaufsgalerie sich womöglich nach hinten verschieben.

Grenzen sind längst erreicht

Denn Fakt ist: Bismarckstraße und Steinmetzstraße sind bereits jetzt die mit am stärksten von Autoverkehr betroffenen Routen in der Stadt. Und wenn die Arcaden fertig sind, wird die Belastung eher noch weiter zunehmen. Die Grenzen wären dann erreicht, die Stadt müsste handeln.

Um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, will sie die Genehmigungsbehörden im Vorfeld mit einer Reihe von Maßnahmen gnädig stimmen. Eine davon, die auch sehr wahrscheinlich ist: Es gibt ein absolutes Lkw-Verbot für die Innenstadt. Nur der Anlieferverkehr wird dann in einer klar definierten Zeit noch erlaubt.

Nicht nur in Mönchengladbach sorgen die EU-Pläne für Aufregung. In dieser Woche treffen sich Vertreten zahlreicher NRW-Großstädte in Dortmund, um sich gezielt mit diesem Problem zu beschäftigten. Denn fast überall — Ausnahmen sind Münster und Aachen, die bereits seit Jahren den Autoverkehr aus großen Teilen ihrer City verbannten und die Auflagen kaum fürchten müssen — ist die Lage in den anderen Zentren sehr ähnlich. Gesucht werden Schritte, wie auf die neue Entwicklung angemessen reagiert wird.

"Wenn EU-Recht mit Druck in nationales Recht überführt werden soll, entstehen diese absurden Situationen. Wir haben doch hier bei uns kaum noch Möglichkeiten, den Autoverkehr im größeren Stil auf andere Routen zu verlegen", sagt der Technische Beigeordnete Andreas Wurff.

Doch auch er weiß: Wer da unbedingt mit dem Kopf durch die Wand will und so tut, als gäbe es das heikle Thema nicht, wird am Ende den Kürzeren ziehen. Und das könnte im schlimmsten Fall bis zu einem vorläufigen Baustopp für die Arcaden führen.

"Deswegen werden wir an mehreren Stellschrauben drehen, um die Mehrbelastung durch das Einkaufscenter zu drehen", sagt Wurff. Diese betreffen dann zwar das gesamte Verkehrssystem der Stadt, zu spüren bekommen werden es vermutlich Speditionsunternehmen, die ihre Fahrer auf Routen durch die Stadt schicken.

Dieses Problem schätzt Wurff wesentlich schwerwiegender ein als die Aufregung in Viersen und Willich. Denn dass die Arcaden in den Nachbarstädten zu einem Kaufkraftverlust führen, liegt auf der Hand.

"Wir werden uns mit den Gutachten der Nachbarn beschäftigen", sagt Wurff, der davon ausgeht, dass ein Ende der Einzelhandelsexpansion erreicht ist: "Und da stellt sich dann die Frage, wo überhaupt noch Kaufkraft generiert werden kann."

(RP)