Mönchengladbach: Lkw-Verbot: Anwohner zeigen Fahrer an

Mönchengladbach : Lkw-Verbot: Anwohner zeigen Fahrer an

103,50 Euro Strafe und Gebühr, dazu ein Punkt in Flensburg – das droht Lkw-Fahrern, die das Durchfahrtverbot an der Aachener Straße missachten. Die Anwohner wehren sich: Die Stadt bearbeitet derzeit wöchentlich rund 70 Anzeigen.

103,50 Euro Strafe und Gebühr, dazu ein Punkt in Flensburg — das droht Lkw-Fahrern, die das Durchfahrtverbot an der Aachener Straße missachten. Die Anwohner wehren sich: Die Stadt bearbeitet derzeit wöchentlich rund 70 Anzeigen.

Wochenlang haben sie auf die Einsicht der Lkw-Fahrer vertraut und darauf gehofft, dass sie die Aachener Straße umfahren. Als sich am hohen Lastwagen-Verkehr nichts änderte, ergriffen Thomas Klein (67) und Reimund von der Forst (51) die Initiative: Die Anwohner der Aachener Straße notieren seitdem akribisch täglich und zu unterschiedlichen Zeiten jeden Lkw, der stadtein- und stadtauswärts fährt — und zwar gegenüber der Holter Kirche, in der ein Lkw-Durchfahrtverbot besteht.

Klein und von der Forst haben anfangs die Listen Polizei und städtischem Ordnungsamt präsentiert. Auch in der Hoffnung, dass sie Schritte ergreifen, damit die Lkw diesen Bereich meiden. Als sich aus ihrer Sicht nichts tat, perfektionierten sie ihre Arbeit: Sie entwickelten Vordrucke mit allen Details, die für eine Anzeige ausreichen. Und die legen sie seitdem dem städtischen Ordnungsamt vor.

"Wir notieren die Lkw nicht, die Geschäfte an der Aachener Straße beliefern. Aber wir sind es leid, diesen Zustand noch länger hinzunehmen. Hier herrscht das Durchfahrtverbot, und das muss beachtet werden", sagt Klein, ein pensionierter Lehrer. Wer an seinem Fenster steht und den über die Aachener Straße fließenden Verkehr beobachtet, kann ihren Ärger verstehen. Fast ununterbrochen rumpeln kleinere und große Lastwagen über die Straße — so als würde das Durchfahrtverbot für sie nicht existieren. Dabei gibt es im Umfeld Schilder, die Lkw-Fahrer auf das Verbot hinweisen. Die Fahrer werden über die Straßen "Am Nordpark" und "Waldnieler Straße" in die Innenstadt gelenkt.

Seit Klein und von der Forst mit Rückendeckung ihrer Nachbarn gegen Lkw mobil machen, füllen sich beim städtischen Ordnungsamt die Aktenordner. Rund 60 bis 70 Anzeigen von Anwohnern der Aachener Straße erreichen wöchentlich die Behörde. Und die stellt auf Anfrage sofort klar: "Ja, wir verfolgen sie alle." Für die Lkw-Fahrer und ihre Firmen wird das teuer: Wer das Lkw-Durchfahrtverbot missachtet, zahlt 75 Euro Bußgeld, dazu noch 28,50 Euro Verwaltungsgebühr und bekommt noch einen Punkt in der Verkehrssünderkartei. Für Stadtkämmerer Bernd Kuckels ist das ein gutes Geschäft: Bußgelder aus der Verkehrsüberwachung fließen immer an die Stadt.

Für Klein und von der Forst ist ihr Vorgehen eine Art Ventil, damit ihre Verärgerung endlich wahrgenommen wird. Als die Aachener Straße vor einigen Jahren im Umfeld der Holter Kirche verkehrsberuhigt wurde, hatten sie bereits darauf gehofft, dass sich der Lärm endlich reduzieren würde. Daraus wurde nichts, mehr als 20 000 Fahrzeuge nutzen täglich diese Verbindung. Mit dem Lkw-Durchfahrtverbot hatten die Anwohner endlich ein Handhabe, gegen die Fahrer vorzugehen, die es missachten.

Die Zahlen, die Klein und von der Forst vorlegen, sind bestürzend: So zählten sie zum Beispiel am 2. Dezember fast 60 Lkw, die von 9 bis 11 Uhr stadtein- und stadtauswärts auf der Aachener Straße unterwegs waren. Am 5. Dezember waren es in einer Stunde mehr als 30, am 6. Dezember ebenfalls in einer Stunde gar mehr als 40. Ihre Initiative wird bei der Stadt nach der anfänglichen Zurückhaltung mittlerweile akzeptiert: Denn personell ist das städtische Ordnungsamt nicht in der Lage, das Lkw-Durchfahrtverbot konsequent zu überprüfen. Und auch die Polizei greift nur dann ein, wenn sie bei ihren Kontrollen Lkw anhält, die in den Verbotsbereichen nicht fahren dürfen.

Die Anwohner der Aachener Straße hoffen darauf, dass ihr rigoroses Vorgehen die Lkw-Fahrer umdenken lässt. Sie wollen nicht nur den Lärm reduziert wird. Auch die Stickstoffdioxid-Belastung ist zu hoch. Die Messstation an der Aachener Straße wies im Vorjahr zu hohe Werte aus — und sie werden trotz Luftreinhalteplan und Lkw-Durchfahrtverbot vermutlich in diesem Jahr nicht wesentlich geringer ausfallen.

(RP)