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Mönchengladbach: Linke kritisieren Anti-Salafisten-Initiative

Mönchengladbach : Linke kritisieren Anti-Salafisten-Initiative

Bei einer Demo am Samstagnachmittag an der Theatergalerie fordern etwa 50 Mitglieder der Bürgerinitiative rund um Wilfried Schultz mehr Aufmerksamkeit seitens der Politik, was die "Bekämpfung" der Islamisten angeht.

Die Sprüche auf den Plakaten sind mehr als eindeutig: "Salafisten wollen Macht. Gewalt ist die Schwester der Macht", heißt es auf einem der Banner. Bei einer Demo am Samstagnachmittag an der Theatergalerie fordern etwa 50 Mitglieder der Bürgerinitiative rund um Wilfried Schultz mehr Aufmerksamkeit seitens der Politik, was die "Bekämpfung" der Islamisten angeht. Denn diese spucke lediglich im Zuge des Landtagswahlkampfs große Töne, ohne wirklich zu handeln. Dementsprechend hart fallen auch Schultz' Worte aus.

Vor allem gegenüber seiner früheren Partei, der SPD, äußert er sich kritisch. Sie bezeichnet er als "Möchtegern-Salafisten-Bekämpfer" und wirft ihr vor, der islamistischen Randgruppe zu viel Raum zu gewähren. Denn trotz der Auseinandersetzungen mit der Polizei in Bonn und Solingen gehe in Mönchengladbach alles seinen gewohnten Gang, so Schultz. "Wo bleibt das Vorgehen gegen die Salafisten? Wieder nur Wahlkampfgetöse?", fragt er in die Menge. Die Salafisten hätten noch am Vortag in aller Ruhe in Rheydt ihre "Propagandamittel" verteilen dürfen, kritisiert er die Koranverteilung vom Freitagnachmittag. Zu Recht? Torben Schultz, Kreisvorstandsmitglied der Linken, sieht das anders. Er verteilt während der Rede des Bürgerinitiativen-Sprechers kurzerhand Linken-Flyer mit der Aufschrift "Gleiches Recht für alle". Wohlgemerkt — wie er betont — "aus gegebenem Anlass". Dem 41-Jährigen sei das Welt- und Menschenbild der Salafisten zwar zuwider, trotzdem könne er die Vorgehensweise der Bürgerinitiative um Wilfried Schultz nicht tolerieren. "Ich halte das alles für eine sehr gefährliche Gratwanderung. Hier wird Hass geschürt — und ich habe den Verdacht, dass das alles in die rechtspopulistische Richtung gehen könnte", sagt er.

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Und auch die Vorwürfe gegen die Politik kann er nicht verstehen. "Wir als Linke beispielsweise haben zunächst das Gespräch mit den Salafisten gesucht. Das macht uns längst nicht zu ,Salafisten-Freunden'. Doch wir werben grundsätzlich für einen friedlichen Umgang", betont er. Seiner Ansicht nach müssten vor allem für Jugendliche Alternativen geschaffen werden, um so den Reiz, den der Salafismus ausstrahlt, zu verringern.

(RP)