Mensch Gladbach: Liegt das JHQ im Bermuda-Dreieck? Könnte sein!

Mensch Gladbach: Liegt das JHQ im Bermuda-Dreieck? Könnte sein!

Wir Niederrheiner wundern uns, warum der Berliner Flughafen nicht fertig wird. Und wir spotten über die nicht enden wollene Pannenserie in der Hauptstadt. Aber wir haben Klein-Berlin vor der Tür: Warum dauert es drei Jahre, bis im JHQ eine Einrichtung für Flüchtlinge fertig ist? Und warum lässt man die Niederrheinkaserne verrotten, wenn die Not so groß ist?

Ich stelle Ihnen heute eine Aufgabe: Was eint Frau Schmitz aus Bettrath, Herrn Müller aus Gerkerath, die Familie Maier aus Wickrathhahn und das Ehepaar Esser aus Schelsen? Richtig! Alle besitzen ein Häuschen. Sie pflegen es, achten darauf, dass alles in Ordnung ist und mähen auch regelmäßig den Rasen. Und natürlich: Sie zahlen pünktlich ihre Grundsteuer B und sorgen auf diese Weise mit dafür, dass die Stadt nicht tiefer im Schuldensumpf versinkt. Eigentum verpflichtet - das wissen Mönchengladbachs Hausbesitzer, und daran halten sie sich. Jedenfalls das Gros.

So - und jetzt gucken wir uns einen Gebäudekomplex an, der auch Frau Schmitz, Herrn Müller, der Familie Maier und dem Ehepaar Esser gehört. Und Ihnen und mir ebenfalls. Wir schauen uns die Niederrheinkaserne an der Kaldenkirchener Straße an. Das ist ein fast zehn Hektar großes Gelände, das entspricht der Größe von rund 15 Fußballfeldern. Darauf stehen zahlreiche Gebäude. Die Dienststelle des Heeresunterstützungskommandos wurde 2000 verlegt, und seit 2004 rottet die Kaserne vor sich hin.

Diese Kaserne gehört jetzt dem Bund - also uns allen. Und sie wird vermarktet - was neudeutsch verkauft heißt - von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Jetzt klingelt's bei Ihnen. Ja, das ist die Bima, die auch das JHQ an den Mann bringen will und die uns immer damit beeindruckt hat, dass sie eine geradezu buddhistische Gelassenheit an den Tag legt. Konkret: Da scheinen einige der Meinung zu sein, dass der verliert, der sich bewegt. Denn obwohl die Niederrheinkaserne mit ihrer Nähe zur Autobahn 52 geradezu prädestiniert ist, hier zum Beispiel Unternehmen anzusiedeln, gammelt sie weiter vor sich hin.

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Und da es keinerlei Anzeichen gibt, dass sich an diesem Zustand etwas ändert, einmal eine ganz diskrete Frage: Hat man mal untersucht, ob hier Asylbewerber unterkommen können? Oh, oh - ich sehe schon die Lawine der Bedenkenträger auf mich zurollen, die mir jetzt alle erklären, warum das an dieser Stelle nicht geht oder nicht mehr funktionieren kann. Eben weil der Verrottungsgrad dermaßen groß ist, dass alles nur noch baufällig ist. Oder weil das Gelände so weit weg von der Stadt in der freien Natur liegt. Oder eben das Gegenteil: Die Autobahn mit ihrem Dauerlärm ist zu nah. Doch mal ehrlich: Können die Gebäude der Niederrheinkaserne noch schlimmer sein als die fürchterlichen Baracken, in denen Flüchtlinge am Bockersend und im Luisental wohnen?

Doch wir haben zum Glück das JHQ. Ja, haben wir. Und wir alle, die wir jeden Tag arbeiten und ein Produkt auf den Markt bringen müssen, wundern uns, warum es fast drei Jahre dauert, bis der Komplex für rund 800 bis 1400 Flüchtlinge fertig wird. Richtig gelesen: Es war Ende 2013, als die Pläne geschmiedet wurden. Und es wird Mitte 2016 sein, bis der Bau- und Liegenschaftsbetrieb die Häuser, in denen 2013 noch britische Soldaten lebten, übergeben wird. Und diese wohnten nicht in Bruchbuden. Doch die meiste Zeit zwischen Ende 2013 und Mitte 2016 wurde im Bermuda-Dreieck von Bima, Land und BLB verplempert. Weil dies eine Landeseinrichtung wird, ist die Stadt außen vor und trägt keine Schuld. Das beruhigt uns. Beunruhigend ist das Ganze dennoch.

(RP)
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