Mönchengladbach: Liedernarr auf der Opernbühne

Mönchengladbach: Liedernarr auf der Opernbühne

Der Bariton Tobias Scharfenberger, erst Gast und nun fest im Musiktheater-Ensemble, liebt besonders das Kunstlied. Das ist ungewöhnlich für einen Künstler des Musiktheaters. Als Graf Almaviva in "Die Hochzeit des Figaro" gewinnt der Sänger die Herzen des Publikums.

Man erlebt es recht selten, dass ein Opernsänger als seinen Favoriten das Kunstlied nennt. Dabei hat der 46-jährige Bariton Tobias Scharfenberger zumindest bisher vor allem auf der Opernbühne Karriere gemacht. Da allerdings unternahm er — neben dem gängigen Repertoire, das einem lyrischen Bariton (was er auch bleiben möchte) zu Gebote steht — auch Ausflüge in abgelegenes Terrain. Beim Düsseldorfer Altstadtherbst sang er in der erstmals wieder aufgeführten Vivaldi-Oper "Montezuma", er war der Teiresias in Agostino Steffanis "Niobe" bei den Schwetzinger Festspielen, und er wirkte mit in Monteverdis "Orfeo", wovon er begeistert schwärmt. "Fabulare in musica" — "durch die Musik erzählen", das ist dem gebürtigen Münchner ein besonderes Bedürfnis.

Durch die Musik erzählen

In diesem Zusammenhang berichtet der Sänger von den ersten Begegnungen mit Kobie van Rensburg, dem Regisseur des mit viel Jubel aufgenommenen "Figaro" im Mönchengladbacher Haus. Er, der sich mit Igor Gavrilov in der Rolle des Grafen Almaviva abwechselt, erzählt mit Hochachtung von den intensiven Rezitativproben, auf die van Rensburg, übrigens selbst Sänger, so großen Wert legte. Eben: durch die Musik erzählen!

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Scharfenberger zog schon im Babyalter mit seiner Familie von München nach Trier. Dort hatte er — nachdem er zunächst mehr dem Schauspiel zugeneigt war — in Vera Ilieva eine Impulse gebende Gesangslehrerin. Sein Studium absolvierte der Bariton danach bei Prof. Gerhard Faulstich in Hannover und bei Prof. Roland Hermann in Karlsruhe. Engagements in Bielefeld und Köln folgten zehn Jahre als freischaffender Sänger, und nun ist Scharfenberger festes Mitglied des Ensembles unseres Theaters, dessen "wohltuende Kollegialität" er nachdrücklich lobt.

Außer im Figaro ist er als Collin in "Comedian Harmonists", demnächst als Falke in der "Fledermaus" und als Hendrik in Carl Nielsens "Maskerade" zu erleben. Die Sopranistin Christina Clark, die vor elf Jahren beim Intendantensingen im hiesigen Theater entdeckt und sofort ans Aalto-Theater verpflichtet wurde (an dem sie heute noch singt) ist seit etwa dieser Zeit Frau Scharfenberger. Die fünfjährige Tochter Adriana ist ebenso der Stolz und die Freude des Ehepaars wie der 18-jährige Sohn Jonas aus der ersten Ehe des Sängers.

Gefragt nach Lieblingsrollen nennt der behutsam seine Stimme pflegende Vokalist "Pelléas" (Debussy), "Billy Budd" (Britten), "Die tote Stadt" (Korngold), "und vielleicht irgendwann mal den Wolfram" (Tannhäuser). Vor allem aber Lieder möchte er singen — notfalls auch in selbst arrangierten Konzerten. Morgen, 23. Oktober, 19.30 Uhr, ist Tobias Scharfenberger wieder der Graf im "Figaro."

(oeh)
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