Mönchengladbach: Liebenswürdige Figuren holen sich nasse Füße auf der Bühne

Mönchengladbach : Liebenswürdige Figuren holen sich nasse Füße auf der Bühne

Schauspieldirektor Matthias Gehrt inszeniert Anton Tschechows Meisterwerk "Der Kirschgarten".

Gut 20 Jahre sind verstrichen, seit das Theater Krefeld/Mönchengladbach Anton Tschechows Meisterwerk und letztes Theaterstück auf die Bühne gebracht hat. Damals inszenierte Intendant Wolfgang Gropper die 1904 geschriebene Komödie "Der Kirschgarten".

Nun hat sich Schauspieldirektor Matthias Gehrt des Stücks angenommen, von dem einst der russische Schauspieltheoretiker Stanislawskij schwärmte: "Bin erschüttert. Kann nicht zur Besinnung kommen. (. . .) Halte das Stück für das Beste all des Schönen, das Sie geschrieben." Auch Gehrt ist beeindruckt "von diesem unsterblichen Stück Welttheater" und preist Tschechows "Raffinesse, seine feingewirkten Bezüge im Text und die genaueste Beobachtung von Menschen". Alle Figuren seien vom Autor "liebenswürdig" gezeichnet.

Was Gehrt an Tschechow fasziniert, ist "sein unparteiischer Blick auf die Menschen, er schildert genau, aber will damit nicht entscheiden, welche Figur Recht und welche Unrecht hat." Der russische Autor, der als Arzt sein Geld verdiente, schildert eine Gesellschaft am Rand einer bevorstehenden Umwälzung. 1903/04 war in Russland allenthalben der Vorschein der Revolution zu spüren. Das Stück schildert die Situation einer hochverschuldeten Gutsbesitzerfamilie, die ihr Land mit einem großen Bestand an Kirschbäumen nicht mehr auskömmlich bewirtschaften kann. Als Ausweg schlägt der Emporkömmling Lopachin der Gutsbesitzerin Ranjevskaja vor, den Kirschgarten abzuholzen, das Land zu parzellieren, mit Ferienhäusern für Sommergäste zu bebauen und diese zu vermieten. Im Hintergrund lauert die Insolvenz. Auch wenn der Regisseur die Geschichte in die Gegenwart holt, verzichtet Gehrt darauf, Anspielungen auf die europäische Finanzkrise aus dem Stück herauszufiltern. "Gezeigt wird eine Gesellschaft in instabilen Verhältnissen", fasst er zusammen. Aber auch die Aufbruchstimmung im Stück möchte er verdeutlichen. Wobei die Interessenvertreter im Stück meist aneinander vorbei reden. So schlägt der Geschäftsmann Lopachin der Eignerin vor, das Gut zu retten, indem sie es verkauft. Absurd.

Gabriele Trinczek, Gehrts Ehefrau, hat das Bühnenbild entworfen. Sie verrät vorab ein wichtiges Detail: "Unsere Bühne zeigt das Land in einer Situation des Übergangs. Dass die Lage bedroht ist, zeigt das Wasser. Wir haben 6,5 Tonnen Wasser auf die Bühne geschafft, auf einer Fläche von 130 Quadratmetern", berichtet Trinczek. Die Möbel stehen auf dieser Wasserfläche, ein Anblick mit melancholischer Note. Für die Kostüme ist Elisabeth Strauß zuständig. Zwölf Schauspielerinnen und Schauspiel treten auf.

Premiere ist am Samstag, 1. Dezember, 20 Uhr, im Theater.

(RP)