Mönchengladbach: Leinwandhochzeit im Kinosaal gefeiert

Mönchengladbach : Leinwandhochzeit im Kinosaal gefeiert

Seit 35 Jahren gibt es die Remember Band. Die Mönchengladbacher Kapelle feierte diesen Anlass mit einem ambitionierten Projekt: Sie bot live eine audiovisuelle Collage mit populären Soundtracks im Comet Cine Center.

Der größte Kinosaal in der Stadt reichte mit seinen 320 Sitzplätzen gerade so hin, derart stark war der Andrang zur Show "Live at the Movies". Vor vollem Haus also feierte die vor 35 Jahren in Mönchengladbach gegründete Remember Band, wie ihr Sprecher und Keyboarder Michael Sommer ulkte, sozusagen ihre "Leinwandhochzeit". Dieser für 35 Jahre Ehe stehende Begriff passt im doppelten Sinne: Denn für ihre beiden Geburtstags-Ständchen gingen die Remember-Musiker ins Kino, ins Comet Cine Center. Der anwesende Hausherr Hans-Jürgen Brandtner stellte im Saal 5 seines Multiplex-Kinos für drei Tage den regulären Betrieb ein, dafür durfte die Band die 160 Quadratmeter große Leinwand nutzen.

Die Musiker um die Frontsänger Martin Heybeck und Sandra Wolters hatten sich von Dennis Vander und weiteren Technikexperten (Licht, Ton) eine imposante audiovisuelle Collage aus 50 Jahren Filmgeschichte basteln lassen. Großes Kino, wenn auch nur fragmentarisch und in künstlerischer Umarbeitung von Szenen aus 27 Filmen, gab nun den Rahmen für 34 Songs und andere Stücke aus den entsprechenden Soundtracks.

Da die gängige Rock-Pop-Besetzung hier zusätzliche Klangfarben gut gebrauchen kann, hatten die Remember-Leute drei Mitglieder der "Horny Horny Horns" mit Christian Koxholt (Trompete), Christian Schmidt (Altsaxofon) und Martin Ferl (Posaune) "zugebucht". Die sorgten für die unerlässlichen Riffs in der Titelmelodie der James-Bond-Filme und auch für dezentere Farbakzente ("Flashdance", "Pulp Fiction", "Top Gun"). "Take my Breath away", sangen Martin Heybeck im grauen Satinanzug und Sandra Wolters im kurzen Pailletten-Schwarzen im Duett, nicht weniger empfindsam als Terri Nunn von der Band Berlin im Originaltrack.

Die Band entschied sich, zugunsten der Live-Unterstützung die Showelemente auf der extrabreiten Bühne voll auszureizen – was vor allem die ständig bewegten Lichtscanner betraf. Dadurch verblassten Details der im Hintergrund, oft abgedunkelt und nicht immer in Farbe, ablaufenden Filmsequenzen.

Um so mehr gefielen die zahlreichen Ohrwürmer, die mit bestechender Qualität interpretiert wurden: Elton Johns "Can you feel the love tonight" aus "Der König der Löwen" mit Heybeck faszinierte das Publikum ebenso wie die famose, ausdrucksgewaltige Coverversion von Adeles Bond-Song "Skyfall", die Sandra Wolters gelang. Da donnerte der Applaus durch den Kinosaal hinunter auf die Bühne. Die Tribünen-Architektur bewirkte, dass die Band ihr Publikum oberhalb der Aktionsfläche anspielen musste. "Das war auch für uns ganz neu", erzählte Michael Sommer nach der Show.

Zwei Stunden Filmhits ohne Pause – das forderte Zuschauern wie Musikern viel ab. Daher unterbrach Martin Heybeck nach gut einer Stunde die Show, um mit Besuchern ein kleines Filmmusik-Quiz zu veranstalten. Ein Mann erriet schon aus einer Zwei-Sekunden-Anspielung, dass die Melodie des Songs "My Heart will gon on" aus "Titanic" gemeint war. Silvia Schmidt erkannte aus einem dunklen Keyboard-Knurren, dass sich so "Der weiße Hai" ankündigte. Und auch "Fluch der Karibik" wurde erkannt.

Am Ende schmetterte das Publikum fröhlich den Ohrwurm "Always look on the bright side of life" aus "Das Leben des Brian" mit. "Sie dürfen auch mitpfeifen", lockte Gitarrist Bernd Liffers. Einige pfiffen danach weiter, um Zugaben zu fordern. Die gab es dann auch.

(RP)
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