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Demos in Mönchengladbach: Lehrerin bietet Salafisten die Stirn

Demos in Mönchengladbach : Lehrerin bietet Salafisten die Stirn

Rund 250 Menschen unterschiedlicher Parteien und Gruppierungen haben am Samstag gegen die Kundgebung der Salafisten auf dem Alten Markt demonstriert. 150 Störer, darunter viele Hooligans, konnte die Polizei abdrängen.

So viel Polizei in der Innenstadt hat es in Mönchengladbach bislang nur bei Hochrisikospielen im Fußball gegeben. Mehr als 500 Beamte sicherten am Samstag die Kundgebung der Salafisten rund um den deutschen Konvertiten Pierre Vogel sowie den gebürtigen Mönchengladbacher und selbst ernannten Prediger Sven Lau. Der Alte Markt war komplett abgeriegelt von Polizeikräften. Auf der Hindenburgstraße konnten einige Bushaltestellen nicht mehr angefahren werden.

180 Anhänger der islamistischen Strömung der Salafisten waren gekommen, um bei der Open-Air-Veranstaltung unter dem Titel "Islamophobie in Mönchengladbach" teilzunehmen. Viel weniger als von den Veranstaltern angemeldet worden waren. Trotzdem sollte Pierre Vogel die Veranstaltung später wieder als großen Erfolg werten.

Gleichzeitig nahmen rund 250 Menschen an Gegendemonstrationen teil. Vom Mönchengladbacher Bündnis "Aufstehen für Menschenwürde" waren laut Polizeiangaben 140 Personen gekommen, von der Eickener Bürgerinitiative um Wilfried Schultz 40 und von "Die Partei" 25 Teilnehmer. Die rechtspopulistische Gruppierung Pro NRW blieb mit ihren 25 Anhängern relativ unbemerkt.

Alles wäre wohl absolut friedlich verlaufen, wenn sich nicht eine Gruppe von 150 Störern, viele darunter aus der rechten Szene, unter die Gegendemonstranten gemischt hätte. Sie versuchten sich durch die Polizei-Reihen zu drängen, warfen mit Flaschen in Richtung der Salafisten und zündeten vor der Sparkasse am Alten Markt bengalische Raketen. Den Einsatzkräften gelang es, die Schar in Richtung Waldhausener Straße abzudrängen. Dort wurden die Personalien der Randalierer aufgenommen. Die Straße blieb dafür stundenlang gesperrt. Gegen alle Störer, darunter laut Polizei etliche Hooligans, wurden Platzverweise erteilt. Einige wurden vorläufig festgenommen.

Auf dem Alten Markt wurden die Reden der Salafisten mit Buh-Rufen, Trillerpfeifen, Rasseln und Pfiffen begleitet. Dies und die vorausgegangenen Flaschenwürfe waren für Sven Lau ein erneut klares Zeichen für die Hetze der Mönchengladbacher gegen Muslime. "Wäre hier ein Zuhälter auf der Bühne oder eine nackte Frau, die zur Pornografie aufrufen würde, würdet ihr nichts machen", rief er. Und: "Ist das euer Niveau?" Auch wenn er seine Anhänger aufrief, ruhig zu bleiben, sparte er selber nicht mit Provokationen wie "In Kirchen werden seit Jahren Kinder geschändet" und "Ihr seid ein ungläubiges verräterisches Volk".

Währenddessen machten Oberbürgermeister Norbert Bude, Ferdinand Hoeren und Wolfgang Funke vom Mönchengladbacher Bündnis auf dem Kapuzinerplatz deutlich, dass der "interreligiöse Dialog" zwischen Christen und Muslimen in Mönchengladbach eine lange Tradition habe. Der Vorwurf Pierre Vogels und seiner fundamentalistischen Anhänger, die Bürger Mönchengladbachs hätten neurotische Ängste vor dem Islam, sei eine böswillige Unterstellung. Bude wies in einer Ansprache darauf hin, dass in Mönchengladbach Menschen aus mehr als 150 Nationen mit unterschiedlichen Sprachen, Kulturen, Religionen und Erfahrungen zusammenleben. "Gemeinsamkeiten führen uns zusammen, Unterschiede führen uns weiter", sagte Bude. Wer behaupte, es gebe eine Islamophobie in der Stadt, der sage nicht die Wahrheit und sei hier auch nicht willkommen.

Auf der Bühne der Salafisten bot derweil eine Lehrerin Sven Lau die Stirn. Kerstin Krügel (37) trat dem ehemaligen Vorsitzenden des mittlerweile aufgelösten islamistischen Vereins "Einladung zum Paradies" mutig und unaufgeregt gegenüber. "Ich wollte, dass hier einmal eine Frau steht", sagte sie ganz einfach und spielte darauf an, dass bei den Salafisten die Frauen eine völlig untergeordnete, ganz und gar nicht gleichberechtigte Rolle spielen. Dass Sven Lau daraufhin seine vollverschleierte Frau auf die Bühne holte, konnte den Vorwurf nicht entkräften. Im Gegenteil.

Kerstin Krügel, rhetorisch um Längen überlegen, gelang es, Lau abfällige Worte wie "Homos" und krude Thesen über die Evolutionstheorie zu entlocken, die "ja längst widerlegt" sei.

In seiner über einstündigen Rede griff Pierre Vogel noch einmal die Ereignisse in Mönchengladbach vor mehr als drei Jahren auf, als die Pläne der Salafisten, in Eicken eine Islamschule aufzumachen, scheiterten. Vogel, der zuvor im Internet Sätze verbreitet hatte wie "der Muslim muss den Triumph der Kuffar (Ungläubigen, Anm. d. Redaktion) über die Muslime hassen" schob wieder einmal den Medien und deren angebliche Hetze gegenüber den Muslimen die Schuld zu. Er sprach von Schlägertrupps, die auf die Muslime gejagt worden seien, und über Hundekot auf dem Moscheegelände. Kein Wort verlor er über die Übergriffe von Salafisten. Unterbrochen wurde der Auftritt des islamistischen Predigers durch einige Hisbollah-Anhänger. Sie riefen: "Salafisten sind Terroristen."

Nach 18 Uhr beendeten die Salafisten ihre Kundgebung mit einem Gebet auf dem Alten Markt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Februar 2014: Salafistenkundgebung und Gegendemos in Mönchengladbach

(RP)