Lebensmitteleinkauf im Internet: Online-Supermärkte Picnic, Rewe und Real im Test

Online-Supermärkte im Test: So klappt der Lebensmitteleinkauf im Internet

Seit dieser Woche liefert der Online-Supermarkt Picnic auch in Gladbach aus. Unsere Redaktion hat den Service des Neusser Start-ups und zwei weitere Lieferdienste von Rewe und Real getestet.

Der Online-Handel wächst rasant, und er krempelt als nächstes den Lebensmitteleinzelhandel um. Gladbacher können bereits bei mehr als einer Handvoll Online-Lieferdiensten ihren Einkauf bestellen. In dieser Woche hat mit viel Bohei etwa der Dienst „Picnic“ erste Bestellungen in Mönchengladbach ausgeliefert. Das ist besonders, weil es sich um einen reinen Online-Supermarkt handelt. Wir haben den Dienst getestet und mit den Online-Lieferdiensten der Ketten Rewe und Real verglichen (siehe Einkaufsliste in der Box). Dies ist das Ergebnis:

  • Picnic

Bestellvorgang In der eigenen App können gewünschte Waren herausgesucht und in den Warenkorb abgelegt werden. Vorher aber müssen sich Nutzer registrieren lassen und für die Lieferung freigeschaltet werden. Auffällig ist, dass nicht in jedem Fall die identischen Produkte wie in der Konkurrenz von Rewe und Real verfügbar waren. Bei Eigenmarken ist das logisch (Picnic etwa wird zum Teil von Edeka beliefert, Rewe und Real haben andere Eigenmarken), bei Markenprodukten aber ungewöhnlich. Immerhin fordert Picnic in der App stets dazu auf, Produktwünsche zu melden.

Bestellzeitpunkt Mittwoch, 19.10 Uhr

Lieferung Angekündigt wurde die Lieferung durch den eigenen Fahrer für Donnerstag, zwischen 18.15 und 19.15 Uhr. Am Donnerstagmorgen kommt die Benachrichtigung via App, dass der Fahrer zwischen 18.18 und 18.38 Uhr an der Haustür eintreffen wird. Nachdem der Fahrer losgefahren ist, aktualisiert die App permanent den Standort. Tatsächlich klingelt es um 18.27 Uhr.

Ware An der Qualität der Produkte ist nichts auszusetzen. Frische Ware holt der Fahrer aus einer Styropor-Box mit Kühlung. Bananen und Kopfsalat haben den Transport ohne Probleme überstanden. Das gilt aber auch für alle Lieferanten. Ein Pluspunkt ist das Brot: Es wird von Büsch gebacken und speziell verpackt.

Der Warenkorb von Rewe: Für diesen
Der Warenkorb von Rewe: Für diesen Einkauf waren 52,15 Euro fällig. Die erste Lieferung war frei Haus. Sonst kommen 3,90 bis 5,90 Euro Liefergebühr hinzu. Ab 120 Euro Einkaufswert werden 0 bis 1,90 Euro für die Lieferung berechnet. Foto: Andreas Gruhn

Fazit Der Einkauf bei Picnic lief reibungslos und auch schneller als bei der Konkurrenz. Warum die Ware in Plastiktüten geliefert wird (der Fahrer betont extra, man kann sie ja noch als Mülltüten verwenden), obwohl das Unternehmen Umweltfreundlichkeit betont und via E-Fahrzeuge ausliefert, erschließt sich nicht. Außerdem ist die Bezahlung ausschließlich über Abbuchung vom Konto möglich. Kreditkarte oder Online-Zahl-Dienst Paypal wird nicht akzeptiert (was der Kundenservice auf Nachfrage sehr schnell antwortet). Das ist nicht zeitgemäß.

  • Rewe

Bestellvorgang Online auf der Webseite über den Browser, auch hier ist das Prinzip identisch: Waren aussuchen und in den Warenkorb ablegen.Auch bei Rewe muss sich der Nutzer vorab registrieren mit seiner Adresse. Dann wird geprüft, ob und wann man überhaupt als nächstes beliefert werden kann.

Bestellzeitpunkt Dienstag, 16 Uhr

  • Unterwegs mit dem modernen Milchmann von Picnic

Lieferung Vor Abschluss der Bestellung ist die Rede davon, dass das nächste mögliche Lieferfenster am Mittwoch zwischen 14 und 16 Uhr wäre. Als die Bestellung fertig ist, kommt plötzlich als nächster Termin der Donnerstag infrage. Wir wählen das Zeitfenster 19 bis 21 Uhr. Am Donnerstagmorgen schickt Rewe eine SMS und erinnert noch einmal an die Lieferzeit. Am Abend dann die Überraschung: Es ist kein eigener Fahrer, der kommt, sondern ein Fahrer der Posttochter DHL steht vor der Tür.

Der Warenkorb  von Real: Die Kette
Der Warenkorb von Real: Die Kette berechnete für diesen Einkauf insgesamt 57,12 Euro. Darin enthalten waren Gebühren für die Lieferung in Höhe von 3,95 Euro. Geliefert wird ab einem Bestellwert von 40 Euro. Foto: Andreas Gruhn

Ware Auch bei Rewe gibt es keine Kritik an der gelieferten Ware. Die Kühlung in den Boxen mit Kühlakkus funktioniert, die Ware ist frisch. Aber die Lieferung ist nicht identisch mit der Bestellung: Statt Bitburger 0,0% Alkoholfrei wird Jever Fun Alkoholfrei geliefert. Das hatte Rewe in einer E-Mail am Nachmittag auch etwas versteckt angekündigt. Das ist zwar 50 Cent günstiger, aber es gibt ein Problem: Jever Fun enthält weniger als 0,5 Prozent Alkohol. Es darf sich alkoholfrei nennen, ist es aber nicht. Die Möglichkeit, diesen Teil des Einkaufs abzulehnen, räumt Rewe zumindest erkennbar nicht ein. Anders als Picnic liefert Rewe in Papiertüten aus.

Fazit Im Grunde war in unserem Test abgesehen vom Austausch der nicht lieferbaren Waren alles in Ordnung. Die Bezahlung ist variabler als bei Picnic, dafür die Lieferzeit in diesem Fall um einen Tag länger. Abgesehen vom Preisunterschied zu Picnic gibt es einen Minuspunkt: Der Mindestbestellwert in Höhe von 50 Euro stellt Single-Haushalte vor eine hohe Hürde. Überdies kommen Lieferkosten hinzu.

  • Real

Bestellvorgang Funktioniert nahezu identisch wie bei Rewe über den Internet-Browser und die Webseite des Unternehmens. Der Vorgang ist identisch. Wie bei Rewe auch wirkt die Auswahl etwas größer, was auch wenig verwundert: Schließlich steckt ein ganzer Warenhauskonzern dahinter.

Bestellzeitpunkt Dienstag, 16.35 Uhr

Lieferung Auch bei Real ist der nächste Lieferzeitpunkt erst am Donnerstag, auch in diesem Fall entscheiden wir uns für 19 bis 21 Uhr. Hier ist von Anfang an klar, dass der Einkauf per DHL-Kurier ausgeliefert wird. Am Donnerstag kommt um 18.53 Uhr eine SMS im Auftrag von Real, dass der DHL-Kurier in zehn Minuten da sein wird. Das stimmte auch: Es ist übrigens derselbe DHL-Fahrer wie bei Rewe.

Ware Wie gehabt: Nichts auszusetzen. Am Donnerstagvormittag, gegen 11.54 Uhr, teilt Real per E-Mail mit, dass das Gerolsteiner Minieralwasser nicht in 0,5-Liter-Flaschen, sondern nur in 0,75-Liter-Flaschen, dass die Chips nicht im 175-Gramm-Beutel, sondern im 250-Gramm-Beutel, und dass nicht Melitta Auslese, sondern Jacobs Krönung geliefert wird. Das alles ohne Aufpreis und mit der Möglichkeit verbunden, bei Auslieferung die Alternativartikel abzulehnen. Diese Posten würden bei der Bezahlung von der Rechnung abgezogen. Das ist guter Kundendienst.

Fazit Keine Probleme bei Real, bei der Lieferung ist alles in Ordnung. Der Mindestbestellwert in Höhe von 40 Euro ist der zweithöchste. Real war in diesem Fall der teuerste Lieferdienst. An der Höhe von Mindestbestellwert und Liefergebühr, aber auch an der Auswahl der Produkte, merkt man bei Real und Rewe, dass es sich um bestehende stationäre Händler handelt, für die der Online-Dienst ein Service nebenbei ist. Für Picnic hingegen, das keine eigenen Supermärkte betreibt, ist Online das Kerngeschäft.