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Mönchengladbach: Warum es kaum Laufevents gibt - Aus des Volksbadlaufs

Auch der Volksbadlauf findet nicht mehr statt : Warum es kaum Laufevents in Mönchengladbach gibt

In den vergangenen Jahren sind viele Laufevents in Mönchengladbach aufgegeben worden – der Herbstlauf in Holt, der Volksbadlauf oder der Santander-Marathon. In anderen Regionen ist das Angebot deutlich größer. Warum ist das so?

Der Leichtathletik-Verband Nordrhein (LVN) führt einen Laufkalender auf seiner Homepage. Über 200 Läufe im Verbandsgebiet von Kleve im Norden bis nach Aachen sowie Köln und Leverkusen im Süden sind darin geführt. Aus Mönchengladbach ist nur ein Lauf dabei: der Hardter Karnevalslauf – und dieser fiel im Februar coronabedingt aus. De facto findet in diesem Jahr also keine Laufveranstaltung in Mönchengladbach statt – mit einer Ausnahme. Dazu aber später mehr.

Dass der Lauf in Hardt, organisiert von der LG Mönchengladbach, aufgrund der Pandemie erneut ausfällt, damit steht die Veranstaltung in diesem Frühjahr nicht alleine da. Doch schaut man in die Städte rund um Mönchengladbach, ist das Angebot an Laufwettbewerben deutlich größer: Die Städte Krefeld und Neuss sind mit je fünf Events im LVN-Kalender gelistet, die Stadt Viersen mit zwei und selbst Hückelhoven im Kreis Heinsberg ist mit drei Wettbewerben dabei. Wieso gibt es in Mönchengladbach nicht mehr Laufveranstaltungen?

„Die Events sind hier sukzessive gestorben“, sagt Johannes Gathen, Geschäftsführer des Stadtsportbundes (SSB), „mit dem ganzen Aufwand und den Auflagen ist das für viele Vereine zu viel geworden. Das war mit Ehrenamt nicht zu stemmen.“ Zuletzt wurde der von der NEW Sportgemeinschaft ehrenamtlich organisierte Volksbadlauf nach mer als zehn Jahren aufgegeben. „Aufgrund eines über die Jahre immer größer werdenden Aufwandes hat die Sportgemeinschaft entschieden, den Volksbadlauf nicht mehr durchzuführen“, teilte die NEW auf Anfrage mit. Die letzte Austragung war 2019.

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Bereits 2016 fand zum letzten Mal nach 40 Jahren der Herbstlauf des Vereins TV Holt statt. Auch hier waren es organisatorische Gründe. „Wir brauchten immer mehr Personal, der Aufwand wurde immer größer. Das war nur noch bedingt zu leisten“, sagt Susanne Meurer, Vorsitzende des TV Holt. Zusätzlich habe es immer weniger Toleranz im Umfeld für das Laufevent gegeben. „Die Aggression von Leuten, die nicht am Lauf beteiligt waren, hat über die Jahre mehr zugenommen. Da gab es immer wieder Ärger mit Radfahrern, Autofahrern und Fußgängern, die die Straßensperrungen nicht interessiert haben“, sagt Meurer weiter.

Die größte Hürde scheint jedoch das Fehlen von ehrenamtlichen Helfern zu sein. Es ist ein generelles Problem im Amateursport, das aber insbesondere bei Veranstaltungen ins Gewicht fällt. Richard Mayer, Vorsitzender der LG Mönchengladbach, fasst den Aufwand zusammen: „Man braucht ein großes Organisationsteam und viele Helfer für die Streckensperrungen, den Zieleinlauf, für das Wettkampfbüro oder die Cafeteria. Da kommen 40 bis 50 Leute zusammen.“ Externe Helfer sind aus finanzieller Sicht für die ehrenamtlich geführten Vereine kaum eine Option – bei Stundenlöhnen ab 10 Euro aufwärts. Die Anzahl an Vereinen mit einer Leichtathletik-Abteilung ist im Stadtgebiet ebenfalls seit 2002 von 20 auf 14 gefallen – von denen laut Aussage des SSB nur noch sechs Wettkampfsport betreiben. „Die Laufszene ist in Mönchengladbach nicht ganz so ausgeprägt, es fehlt an handelnden Personen, die sich engagieren – beispielsweise auch bei Lauftreffs“, sagt Mayer. Gathen vom SSB fügt an: „Außerdem ist die Konkurrenz an weiteren Angeboten in der Region groß. Viele fragen sich dann: Hat der Aufwand Sinn für einen Lauf, an dem dann 150 Leute teilnehmen?“ Für Gathen geht es aber auch um den Ruf der Stadt: „Der Marathon ist Köln hat keine schöne Strecke, aber die Stadt zieht. Wenn Köln einen Marathon macht, kommen 50.000 Leute. Aus dem weiteren Umfeld kommt aber niemand, nur um in Mönchengladbach einen Marathon zu laufen.“

Diese Erfahrung musste Michael Hilgers ab 2016 mit dem Santander-Marathon machen. Der Lauf, der verschiedene Distanzen im Angebot hatte, war als Großevent angelegt, als Musikmarathon, mit Party-Hotspots am Schillerplatz, am Alten Markt und am Sonnenhausplatz, an denen DJs auflegten. „Der Aufwand war schon sehr groß“, sagt Hilgers rückblickend. Für die Premiere 2016 seien die Anmeldezahlen gut gewesen, doch ein Unwetter führte kurzfristig zur Absage. „Im zweiten Jahr fand der Lauf erfolgreich statt. Im dritten Jahr haben wir gehofft, dass das Interesse weiter steigt. Das hat sich dann aber nicht so entwickelt. Der Bedarf war offenbar nicht da“, sagt Hilgers. 2019 fand die Laufveranstaltung ein letztes Mal statt. „Aufgrund der Lage muss man in Mönchengladbach mehr investieren als in Köln und Düsseldorf, gerade wenn man bei null anfängt. Wir hätten es gerne hier gemacht. Wenn man Glück hat, kommt so ein Event in einen Fluss. Das war aber nicht der Fall“, sagt Hilgers.

Dafür funktioniert ein anderes Event in Mönchengladbach: Der „Run & Fun“, der seit 2012 von Josie Hilgers organisiert wird. Zuletzt nahmen 2019 mehr als 5000 Läufer teil. Es ist das einzige Lauf-Event, das in diesem Jahr im September wieder stattfindet. Es ist jedoch keine klassische Laufveranstaltung, sondern ein Firmenlauf über fünf Kilometer, für den sich ein Großteil der Teilnehmer sogar verkleidet. „Wir wollen jeden zum Laufen bringen, auch verkleidet, alles ist möglich und erlaubt. Das macht es so schön. Man läuft in Teams, auch das macht etwas aus“, sagt Josie Hilgers. Es ist eine Mischung aus ambitionierten Läufern und Leuten, die es als Spaßevent sehen. Dadurch hebt sich der Lauf von vielen anderen in der Region ab – und ist womöglich deshalb so gefragt.

Wer ansonsten in diesem Jahr an Laufevents teilnehmen möchte, muss sich für Wettbewerbe in den Nachbarstädten anmelden. 2023 soll dann zumindest der Hardter Karnevalslauf im Februar wieder stattfinden, bekräftigt Mayer von der LG Mönchengladbach. Und er betont: „Wir existieren noch.“