Landesverdienstorden für Ehepaar Jansen-Winkeln aus Mönchengladbach

Von Armin Laschet geehrt : Landesorden für Glasmalerei-Bewahrer

Die Mönchengladbacher Annette und Ernst Jansen-Winkeln engagieren sich seit Jahrzehnten für die Fensterglaskunst. Dafür wurde das Ehepaar jetzt von Ministerpräsident Armin Laschet mit dem Verdienstorden des Landes NRW geehrt.

Es war dann doch fast so etwas wie eine Störung, diese Einladung vom Ministerpräsidenten, am Dienstag um 16 Uhr ins Präsidentenschlösschen zu kommen. Eine überraschende und angenehme immerhin. Schließlich erhalten Annette und Ernst Jansen-Winkeln den Verdienstorden des Landes, die höchste Auszeichnung, die NRW zu vergeben hat.

Eigentlich ist das Ehepaar nämlich gehörig im Brass, wie man im beschaulichen Stadtteil Winkeln sagen würde. Die promovierte Kunsthistorikerin Annette Jansen-Winkeln und ihr Gatte Ernst, Architekt und Sohn des renommierten Glasmalers Jansen-Winkeln, sind in diesen Wochen bei einer Arbeit, die so notwendig wie zeitraubend jeden Tag ausfüllt. Die Jansen-Winkeln schließen gerade ein Teilgebiet ihrer großen Dokumentation der Glasmalerei auf dem Gebiet der Alten Rheinlande ab.

Weit über 10.000 Kirchen, mehr als 100.000 Glasfenster haben sie in den vergangenen Jahrzehnten fotografiert, vermessen, in Grundrisse eingezeichnet, in eine riesige Datenbank überführt und online gestellt. Just sind sie mit dem Saarland (fast) fertig, das sie seit Herbst 2018 regelmäßig besuchen. Ernst Jansen-Winkeln: „Dieser einzigartige Überblick über die kirchliche Kultur des 19. und 20. Jahrhunderts wird nun in der europäischen Akademie auch wissenschaftlich aufgearbeitet.“ Dabei diene die Glasmalerei – als Zeugnis der großen Kulturleistungen der Bevölkerung – als Einstieg in eine neue Geschichtsschreibung unter sozial- und kulturhistorischen Aspekten; damit die Vorstellungen der Vorgenerationen erschlossen und der Nachwelt übermittelt werden könnten.

Der Verdienstorden würdigt Menschen, die sich – auf welchem Gebiet auch immer – ums Gemeinwohl im Land verdient gemacht haben. Noch vor der Verleihung gratulierte der Mönchengladbacher Bundestagsabgeordnete Günter Krings (CDU) seinen guten Bekannten. Er formulierte wohlgesetzt: „Mit Ihnen stehen zwei Persönlichkeiten im Rampenlicht, die sonst oft im Stillen und Verborgenen wirken. Der Blick fällt auf jemanden, der durch seinen passionierten Einsatz ein Stück der Menschheitsgeschichte vor dem Vergessen bewahrt“, so Krings. Ihre Verdienste reichten dabei über alle Maßen hinaus. „Sie erhalten der Gesellschaft damit einen Schatz, der unermesslich ist.“

Das Wirken des Ehepaares Jansen-Winkeln beschränkt sich aber nicht auf die (unendlich mühsame, nur von ihnen beiden durchgeführte) Dokumentation von Glasmalerei in Kirchen, Klöstern oder Rathäusern. Das ist nur ein Aspekt der 1993 gegründeten „Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts“, deren Dokumentationsarbeit 2004 mit dem Niederrhein und der niederländischen Provinz Limburg begann. Immer wieder drangen aus Kirchengemeinden, deren Gotteshäuser vom Abriss bedroht waren, Hilferufe nach Winkeln. Inzwischen lagern im Depot der Forschungsstelle 650 gerettete Kirchenfenster. Die meisten hat das Ehepaar auf eigene Kosten ausgebaut und transportiert. Der Deutsche Preis für Denkmalschutz 2017 war eine erste Würdigung dieses Tuns.

Die Empörung über den in ihren Augen skandalösen Umgang der Amtskirchen mit Kulturgütern – Kirchenfenster seien Ausdruck des Kunstwillens der Gemeindemitglieder, oft mit Spenden finanziert – bleibt aber ungebrochen. In der 2016 gestifteten Europäischen Akademie für Glasmalerei engagieren sich die beiden deshalb für einen gesetzlich verbrieften Schutz. 2018  versammelten sie dazu Fachleute und hochrangige Vertreter aus Politik und Kirchen in ihrem Haus zu einem Kongress, dessen Ergebnisse langsam Wirkung zeigen. Der Vatikan hat jüngst verbindliche Richtlinien für den Umgang mit Gotteshäusern verabschiedet. In Düsseldorf, Berlin und Brüssel liegt das Thema Kulturgutschutz auf dem Tisch. „Gerade die Nachkriegskirchenbauten, erste Zeugen des Aufbaus der Bundesrepublik, sind besonders von Stilllegung und Abriss bedroht“, sagt Annette Jansen-Winkeln. Sie stünden selten unter Denkmalschutz, „einen Schutz für unsere Kultur sehen unsere Gesetze nicht vor. Das muss sich ändern!

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