Länderspiel in Mönchengladbach: Getrübte Freude und kaum Interesse bei Fans

Länderspiel in Mönchengladbach : Getrübte Freude und nur wenig Fan-Interesse

Die Stadt und der Klub sind froh, Gastgeber des DFB-Teams zu sein. Doch sie wären gern auch mal bei großen Turnieren dabei. Gegen Weißrussland droht ein Zuschauer-Minusrekord.

Borussia und Mönchengladbach haben ein zwiespältiges Verhältnis zu den Spielen der Deutschen Nationalmannschaft im Borussia-Park. Man freut sich über die Spiele, doch ist die Freude auch getrübt. „Für Borussia ist es immer ein Highlight, Gastgeber eines Länderspiels im Borussia-Park zu sein. Wenn Deutschland das Spiel gegen Weißrussland gewinnt, ist die Qualifikation für die Europameisterschaft endgültig in trockenen Tüchern. Das DFB-Team wird hochmotiviert sein. Daher erwarte ich eine großartige Unterstützung und ein positives Ergebnis. Und dann darf das DFB-Team gern wiederkommen“, sagt Borussias Vizepräsident Rainer Bonhof, 1974 Weltmeister mit dem DFB-Team.

Sportdirektor Max Eberl schränkt aber ein: „Wir freuen uns sehr, Gastgeber für Länderspiele sein. Aber, und da soll mir keiner böse sein, ich finde es schade, dass wir, bisher bei großen Turnieren wie der WM 2006 oder der EM 2024 nicht berücksichtigt wurden“, sagt Eber vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Weißrussland am Samstag (20.45 Uhr).

Einzig 2011 bei der Frauen-WM wurden Spiele eines großen Turniers im Borussia-Park ausgetragen, unter anderem das Halbfinale Frankreich gegen die USA. „Natürlich kommt in dem Zusammenhang eines Länderspiels die Erinnerung immer wieder hoch, dass unsere Bewerbungen bei den Turnieren keinen Erfolg hatten. Trotzdem freue ich mich, dass der DFB uns immer wieder bei Länderspielen berücksichtigt. Und jetzt geht es um die EM-Qualifikation, da will ich nicht klagen“, sagt Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners.

Jenseits des eigentlichen Spiels ist der DFB in Mönchengladbach nicht präsent. Die Trainingseinheiten des deutschen Teams in der Arena und auch die Pressekonferenzen zum Spiel fanden in einem Hotel nahe des Team-Quartiers statt. „Ich kenne die Hintergründe nicht, warum es so gehandhabt wird. Aber ich denke, wir könnten auch hier die Voraussetzungen dafür schaffen. Gerade ein öffentliches Training der Nationalmannschaft im Borussia-Park würde sicher ein paar Leute mobilisieren“, sagt Reiners. Trotzdem habe ein Länderspiel im Borussia-Park einen hohen Werbewert für die Stadt. Mönchengladbach könne sich auf dem Wege als Sport- und Fußballstadt präsentieren, ganz dem eigenen Selbstverständnis entsprechend.

Das Zuschauerinteresse ist jedoch gering. Noch keine 30.000 Tickets waren bis Freitag verkauft, es droht ein Minusrekord bei Länderspielen im Gladbacher Stadion. Sieben Spiele des A-Teams gab es bisher, die wenigsten Menschen waren beim 2:0 gegen Finnland 2016 dabei (30.121), nur wenige mehr waren es 2011 gegen Australien (30.152). Geringere Zuschauerzahlen gab es im Borussia-Park nur bei Gladbacher zwei Zweitliga-Spielen. 2007 kamen gegen den FC Augsburg 26.010 Fans und gegen Carl-Zeiss Jena 28.759. In der Bundesliga liegt der Schnitt in dieser Saison bei 49.460.

Borussias einziger deutscher Nationalspieler Matthias Ginter ist Hauptdarsteller in einem Werbe-Clip für das Spiel. „Bei Heimspielen haben wir immer eine gute Stimmung und sind fast immer ausverkauft“, sagt Ginter. Und fügt an: „Ich hoffe, dass viele Fans den Weg ins Stadion finden.“ Es ist ein frommer Wunsch. Der Gegner ist nicht der attraktivste und die Ticketpreise nicht gerade niedrig. 25 Euro kosten sie in der Kurve, auf der Haupttribüne 60 bis 80. Kinder dürfen für 10 Euro ins Stadion, doch ist die späte Anstoßzeit eher ein Problem. Es ist indes kein reines Gladbach-Problem. Auch für das letzte Qualifikationsspiel gegen Nordirland in Frankfurt sind bislang nur 36.000 Karten verkauft. Sowohl die Fans in Mönchengladbach als auch in Frankfurt hatten zuletzt reichlich Gelegenheit, Fußball zu schauen, beide Teams sind in der Europa League unterwegs. Das zusätzliche Länderspiel „sparen“ sich die Fans da möglicherweise.

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