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Mönchengladbach: Lachgas als Schmerzmittel bei Geburten

Mönchengladbach : Lachgas als Schmerzmittel bei Geburten

Am Krankenhaus Neuwerk wird das Narkosemittel in der Geburtshilfe eingesetzt. Mit Erfolg. Eine junge Mutter berichtet: "Lachgas entspannt und mildert die heftigsten Schmerzen". Chefarzt Dr. Dürselen erläutert die Wirkung.

"Wehen veratmen" - das klingt sanft und nach einer leichten Übung: Jede Mutter weiß allerdings, mit welchen teils extremen Schmerzen das Gebären verbunden ist. Deswegen sucht die Medizin stetig nach schmerzlindernden Mitteln, die eine Geburt erleichtern.

Lachgas wird seit langem in der Zahnmedizin als Schmerzmittel und Narkosemittel erfolgreich eingesetzt. Seit kurzem hält es auch wieder in der Geburtsmedizin Einzug. Dr. Ralf Dürselen, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Krankenhaus Neuwerk, bietet in der Klinik diese Variante zur Schmerzlinderung werdenden Müttern seit rund zwei Monaten an. Etwa 30 Geburten sind mit der Methode durchgeführt worden.

Julia Pavlik ist eine Mutter, die unter Zugabe von Lachgas ihren Sohn Henri entbunden hat. "Es entspannt und mildert die heftigsten Schmerzen", erinnert sie sich. Dr. Dürselen erklärt, warum die Handhabung effektiv und unbedenklich ist: "Es wird ein Gasgemisch aus 50 Prozent Lachgas und 50 Prozent Sauerstoff verwendet. Eine Überdosierung ist ausgeschlossen. Alle Schutzreflexe bleiben erhalten." Außerdem halte sich die Gebärende die Atemmaske selbst vors Gesicht und bestimme so die Dosierung. Nach zwei Atemzügen wirkt das Gas. Mit einer hohen Atemfrequenz könne die Wirkung erhöht werden. Ebenso schnell sei das Gas aus dem Körper wieder rausgeatmet. "Das Lachgas ergänzt die Palette der Schmerzmittel", so Dürselen. Eine Periduralanästhesie könne hinausgezögert oder überflüssig werden.

Für den Chefarzt ist aber auch von besonderer Bedeutung, dass die Gebärende bei der Verwendung von Lachgas ein echtes, unbeeinträchtigtes Geburtserlebnis hat. Es sei eben keine Betäubung wie bei der PDA. Viele Hormone werden in der Geburtsphase produziert, die wichtig für die Phasen nach der Geburt sind, etwa das Stillen. Dürselen: "Eine Endorphinausschüttung bewirkt, dass die Mütter das positive Erlebnis in Erinnerung behalten und den Schmerz vergessen." Julia Pavlik bestätigt diese Aussage. "Ich habe mich während der Geburt für das Lachgas entschieden. Mit hat sehr geholfen, dass man sich ganz auf das Atmen konzentriert und den Schmerz vergisst", erzählt Julia Pavlik.

Werdende Mütter und Väter bekommen ab sofort auch bei den Kreißsaalführungen, die das Eltern-Kind-Zentrum am Krankenhaus Neuwerk regelmäßig anbietet, die spezielle Lachgassedierung vorgestellt. Zwei mobile Geräte sind vorhanden, die je nach Bedarf in einen der vier Kreißsäle gefahren werden können. "Bei drei bis vier Geburten pro Tag können wir die Nachfrage decken", bemerkt Chefarzt Dr. Ralf Dürselen.

(apo)