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Mönchengladbach: Kunstwerke sind wieder da

Mönchengladbach : Kunstwerke sind wieder da

Zwölf der 14 Werke, die Unbekannte aus der Ausstellung von Rosa Gabriel in der Citykirche gestohlen hatten, sind wieder aufgetaucht. Elf davon wurden anonym im Gotteshaus abgegeben – in Plastiktüten verpackt.

Zwölf der 14 Werke, die Unbekannte aus der Ausstellung von Rosa Gabriel in der Citykirche gestohlen hatten, sind wieder aufgetaucht. Elf davon wurden anonym im Gotteshaus abgegeben — in Plastiktüten verpackt.

Stadtmitte Drei Tage lang ist Rosa Gabriel durch die Stadt gestreift. In Parks, Gebüschen und Mülleimern suchte die Künstlerin nach Spuren ihrer Kunstwerke, die Vandalen in der Nacht zum 1. Oktober aus ihrer Ausstellung in der Citykirche am Alten Markt gestohlen hatten.

Sie verteilte Zettel mit ihrer Telefonnummer, bat um Hinweise. Der Aufwand hat sich anscheinend gelohnt: Zwölf der 14 verschwundenen Kunstwerke sind im Laufe dieser Woche wieder aufgetaucht. Rosa Gabriel will nicht genau erzählen, wie das abgelaufen ist.

Sie verrät nur so viel: "Immer mal wieder, wenn ich in der Citykirche war, kam jemand auf mich zu und gab mir eine Plastiktüte." Darin fand die Künstlerin die vermissten Schriftrollen, Bücher und Druckplatten. Fragmente einer Schriftrolle hatte sie selbst in einem Park in einem Mülleimer entdeckt. Ein Buch und eine Druckplatte fehlen immer noch.

"Ob ich die Werke irgendwann wieder ausstelle, weiß ich noch nicht", sagt Rosa Gabriel. Manch eine der zurückgebrachten Arbeiten hat Risse oder ist verdreckt. Derzeit könne sie sich mit ihnen noch nicht auseinandersetzen, erzählt die Künstlerin — das sei einfach noch zu schmerzhaft. "Das sind irgendwie nicht mehr meine Werke, ihnen hängt eine andere Aura an", sagt sie. Doch sie sei sehr froh, dass die Exponate wieder aufgetaucht sind. Schließlich steckt ein Jahrzehnt Arbeit dahinter.

"Am Anfang war das Wort" heißt Rosa Gabriels Ausstellung, die seit dem 9. September in der Citykirche läuft. 35 Objekte und Installationen waren es, die sie ursprünglich zeigte — neben selbst aus Papier gewebten Schriftrollen, Gebetsteppichen und Büchern sind auch ein paar Gewänder aus Papier darunter. Mit ihren Werken will die Künstlerin eine Verbindung zwischen dem jüdischen, christlichen und muslimischen Glauben herstellen. Deshalb verarbeitet sie unter anderem Seiten aus Büchern mit religiösem Inhalt. Als in der Nacht zum 1. Oktober Unbekannte in das Gotteshaus eindrangen und randalierten, wurden dabei vier ihrer Werke zerstört. Eine Gebetsfahne wurde beschädigt, 14 Exponate verschwanden. Gemeindereferent Wolfgang Funke erzählte Rosa Gabriel am Telefon davon. "Ich habe erstmal geweint", sagt sie. "Und es geht mir immer noch schlecht."

Geholfen haben der Künstlerin die rund 50 E-Mails und Briefe, in denen ihr teils völlig Fremde ihr Mitgefühl aussprechen. Auch in der Redaktion der Rheinischen Post gingen einige Anrufe von Lesern ein, die Rosa Gabriel beistehen wollten. "Dieser positive Zuspruch hat mich über Wasser gehalten", sagt sie. "Sonst hätte ich das nicht gepackt." Die Täter wollten nicht sie persönlich treffen, und die Aktion hatte keinen religiösen Hintergrund — davon ist die Künstlerin überzeugt. "Aber trotzdem haben sie mich sehr verletzt", sagt Rosa Gabriel. Dass jetzt ein Großteil der Werke wieder aufgetaucht ist, sieht sie als ein Zeichen dafür, dass die Täter das begriffen haben. Es sei irgendwie ein Dialog entstanden, sagt sie — genau das ist es übrigens auch, was sie sonst mit ihrer Kunst erreichen will.

(naf)