Mönchengladbach: Kunstwerke geben Verborgenes preis

Mönchengladbach: Kunstwerke geben Verborgenes preis

Im Arbeitslosenzentrum werden Bilder und Objekte von Karlheinz Koch und Wati Wartmann gezeigt. Sie sollen auch Menschen ins Haus bringen, die es bisher nicht kennen. Heute ist Ausstellungseröffnung.

Alles so schön bunt hier. Die beiden Künstler Karlheinz Koch und Wati Wartmann lieben das große Format - und ganz viel Farbe. Und sie sind echte Tüftler. In ihrer Ateliergemeinschaft auf dem Kühlenhof in Hardt erproben sie diverse Techniken. Tatsächlich kommt Verblüffendes heraus. Das darf ab heute im Arbeitslosenzentrum an der Lüpertz-ender Straße 69 erforscht und bewundert werden. Die Ausstellungseröffnung beginnt um 19 Uhr. Bernhard Jansen spricht erläuternde Worte. "Das ist in diesem Fall nicht schwer", sagt der Kunsthistoriker. "Die beiden machen es mir leicht, weil ihre Werke allein schon von der Art, wie sie entstehen, unfassbar spannend sind." Jansen wird die Entstehungsprozesse erklären. "Das vermittelt schon ganz viel vom Wesen der Werke, die die beiden hier zeigen."

Der Werkstoff von Karlheinz Koch ist Packpapier. Das knüllt er zusammen, besprüht es, um es dann wieder zu glätten und zu bearbeiten. "Es hat lange gedauert, bis ich das beherrschte", sagt der Künstler. Anfangs habe er die Bögen auf Gestellen in der Sonne getrocknet. "Das ging aber nicht, das Papier ist immer wieder gerissen." Irgendwann hatte er den Dreh raus. "Ich glätte die Pappe mit Wasser." Mehr verrät er aber nicht.

Die Wirkung ist verblüffend. Von weitem meint der Betrachter, zusammengeknülltes Weihnachtsgeschenkpapier zu sehen. Je näher er den großformatigen Bildern kommt, um so mehr glättet sich die Oberfläche. Die scheinbare Dreidimensionalität verflacht. Die Oberfläche wirkt edel, und dann entdeckt man Köpfe, Körper, einen Mund - immer mehr. Der Blick wird förmlich angezogen, die Augen gehen auf Entdeckungsreise. Es lohnt sich.

Wati Wartmann arbeitet mit einer Siebdrucktechnik, die er im Laufe der Jahre perfektioniert hat. Er trägt die Farbe üppig auf. "Dann rakel ich immer wieder darüber", sagt der Künstler. Interessanterweise benutzt er als Träger keine Leinwand, sondern Folie. "Die ist wesentlich glatter." Und das, was der Betrachter sieht, ist eigentlich die Rückseite des Werks. "Das Ergebnis ist auch für mich manchmal sehr überraschend." Gelegentlich auch erschreckend. Wartmann gesteht: "Manchmal verlasse ich abends total glücklich und zufrieden mein Atelier, gehe ins Bett, und dann schaue ich mir nach dem Frühstück das Ergebnis des Vortags an - bin entsetzt und denke ,was hast du denn da für 'nen Mist fabriziert?'" Dann beginnt er aufs Neue.

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Neben viel Abstraktem zeigt Wati Wartmann im Arbeitslosenzentrum auch Figürliches. Etwa vier nackte nebeneinandersitzende Damen, von der eine Romy Schneider verblüffend ähnelt. "Sie ist es aber nicht." Ein anderes zeigt aber tatsächlich Brigitte Bardot, die ihre Gummistiefel in den Händen trägt und sie ausgelassen zu schwenken scheint. Diese Motive sind im Digitaldruck entstanden. Durch sie hindurch scheint die dahinterliegende Folie mit der abstrakten Farbgebung. Tolle Wirkung.

Die Ausstellung trägt den Titel "Verborgen". "Ich finde es sehr schön, dass wir Koch und Wartmann mal aus dem Verborgenen geholt haben und sie hier gemeinsam ausstellen", sagt der Leiter des Arbeitslosenzentrums, Karl Sasserath. Und auch die Werke halten Verborgenes bereit, das sie dem Wissbegierigen gerne preisgeben. Mit dieser Präsentation startet das Projekt "Willkommen im Quartier- Kunst im Zentrum".

Das heißt: Fortsetzung folgt.

(isch)