Mönchengladbach: Kunst in geschlossener Gesellschaft

Mönchengladbach : Kunst in geschlossener Gesellschaft

Wegen finanziell unerfüllbarer Bauvorschriften ist das Ausstellungshaus des Mönchengladbacher Kulturzentrums BIS seit vier Jahren für Publikum gesperrt. In einer Protestaktion zeigen dort ab Samstag vier hiesige Kunstsammler zeitgenössische Kunst – unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Wegen finanziell unerfüllbarer Bauvorschriften ist das Ausstellungshaus des Mönchengladbacher Kulturzentrums BIS seit vier Jahren für Publikum gesperrt. In einer Protestaktion zeigen dort ab Samstag vier hiesige Kunstsammler zeitgenössische Kunst — unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Unterstützt von Künstlern vor Ort bestücken Kunstsammler als "Geschlossene Gesellschaft" vier Räume im BIS-Zentrum mit einer Auswahl ihrer Schätze. Denn in die Ausstellungsräume dürfen Besucher nicht. Weil die Statik des Alten Museums der Stadt nicht mehr in Ordnung ist. So befand 2008 die Bauordnung. Zum Trost gibt es für Kunstfreunde im Parterre des Hauses an der Bismarckstraße 97 jedoch eine "klassische Eröffnungsfeier". Ulrike Lua spricht zur Einführung, Martin Lersch und Gesine Lersch-van der Grinten bieten improvisierte Musik. Beginn: 19 Uhr.

Pfiffige Idee

Die Aktion ist nicht das skurrile Ideengespinst verschrobener Kunstsammler, sondern die pfiffige Idee einer Künstlergemeinschaft, um Problembewusstsein für die Schließung des amtlich verfügten Ausstellungs- und Galeriebetriebes im Haus zu wecken. Initiator Wolfgang Hahn fand bei der Durchführung in Christa Hahn, Kathrin Tillmanns, Christiane Behr, Ulle Krass, Soheyla B. Fahimi und Holzbildhauerpraktikantin Pia Berzins beherzte Mitstreiter.

"Für den Publikumsverkehr ist das Haus wegen neuer Bauvorschriften gesperrt, ohne dass bisherige Gespräche zu einem Ergebnis geführt haben. Darauf reagiert die Gemeinschaft von Künstlern und Sammlern, indem Kunst stattfindet unter definitivem Ausschluss der Öffentlichkeit", ereifert sich Hans-Jürgen Zarm. Den Spartensprecher Kunst im BIS-Verein ärgert, dass die Räume im alten Museumsbau seit vier Jahren ungenutzt bleiben.

Bei der Präsentation ist der Bezug zu Mönchengladbach vielfältig. Zu den Sammlern zählt Ex-Kulturdezernent Dr. Busso Diekamp (83). Er bekam vom Künstler mit dem Pseudonym "C wie Cäsar" (Johannes Cladders) einen Holzkasten geschenkt, gefüllt mit 45 Skizzenblättern, nach Jahrgängen geordnet. Diekamp lüftet das Pseudonym des Kreativen aus der Museumsszene selbst nicht. Die Variationen zum Thema Banner und Standarte ruhen üblicherweise "schön jahrgangsweise aufeinander gelegt im Kästchen". Bei der gerahmten Auswahl wurde Diekamp bewusst, dass "besonders die letzten Blätter immer interessanter und bunter" werden.

Einen Raum weiter zeigt das Sammlerehepaar Resi und Heinz Döhmen Arbeiten von Jonas Hafner. Inge und Hans-Georg Hollweg wählten Exponate von Rentmeister, Sanovec und Kriwet. Hiltrud Neumann platziert Georg Ettls figurenreiches Objekt "Arena" zentral — umgeben von Blättern, die dazu "als Randnotizen" zu sehen sind. In der ehemaligen Kapelle entfaltet sich Ettls Bearbeitung eines historischen Madonnenmotivs. Zu jedem Werk weiß Neumann eine Geschichte zu erzählen. Dazu passt, dass sogar ihr Kleid mit Ettl-Figuren bedruckt ist.

(anw)
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