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Mönchengladbach: Kulturgut Motorrad

Mönchengladbach : Kulturgut Motorrad

Verrostete Einzelteile können Huberth Jungbluth nicht schrecken. Seit 15 Jahren restauriert er Motorräder aus der Vor- und Nachkriegszeit. Das macht er so gut, dass der Tüftler einen Preis für die beste Restauration erhielt. In seiner Garage hat er inzwischen eine kleine Sammlung aufgebaut.

Huberth Jungbluth hat eine Leidenschaft: das Tüfteln. Auf einem Foto in seiner Garage sitzt er inmitten von verrosteten Fahrzeugteilen — dass es sich um Einzelteile eines Motorrads handelt, lässt sich nur erahnen. "Die Teile gehörten zu einem Garagenfund eines Kollegen. Daraus wieder ein funktionsfähiges Motorrad zu bauen, war eine fast unlösbare Aufgabe. Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich dem Ganzen wieder Leben einhauchen kann", erklärt der gebürtige Waldnieler. Er konnte. In insgesamt 300 Arbeitsstunden restaurierte er das Zweirad komplett, heute ist die Maschine vom Typ NSU Fox 125 aus dem Jahr 1954 wieder voll fahrtüchtig. "Auf einer Ausstellung in Rheydt gewann das Motorrad sogar einen Preis für die beste Restauration", erzählt Jungbluth.

Ein Auspuff aus Kriegsmaterial

Die Fox ist nicht Jungbluths einziges Werk. Über die Jahre hat er in seiner Werkstatt in Gerkerath knapp 30 Zweiräder aufgearbeitet. Heute besitzt er noch acht von ihnen, hinter jedem steckt eine einzigartige Geschichte. Ganz besonders ist die seiner NSU OSL 251 von 1939. "Normalerweise ist dieses Modell mit einem sogenannten Fischschwanz-Auspuff ausgestattet. Der Auspuff an meiner Maschine ist aber ganz speziell", sagt Jungbluth. Aus Teilen eines amerikanischen Panzers, einer deutschen Flag und alten Geschosshülsen aus Kriegszeiten fertigte er einen neuen Auspuff. "Ich wollte zeitgemäße Materialien verwenden und kein fremdes Messing", erklärt er. "Mein Anliegen war auch zu zeigen, dass man aus Kriegsmaterial Friedliches schaffen kann." Jungbluth, dessen zweites Hobby die Fotografie ist, dokumentierte sämtliche Restaurationsarbeiten an dem Motorrad in Bildern. Heute kann man die gesamte Arbeit in einem von ihm selbst gestalteten Bildband nachvollziehen. "Vielleicht kann ich den Band irgendwann einmal vervielfältigen und herausgeben", sagt er.

Entstanden ist Huberth Jungbluths Leidenschaft für motorisierte Zweiräder in seiner Jugend: "Deshalb habe ich mir einen Metallberuf ausgesucht. Das ist mein Ding." 38 Jahre lang arbeitete er als Werkzeugmacher und Maschinenbauer bei der Firma Saint-Gobain in Schiefbahn, 18 Jahre davon in der Forschung.

1937 bis 1967

Seit 15 Jahren restauriert er nun deutsche Motorräder aus der Vor- und Nachkriegszeit und hat sich somit eine kleine Sammlung aufgebaut, in der Motorräder aus den Jahren 1937 bis 1967 zu finden sind. Zuletzt hat er sich eine frühere Polizei-Eskortenmaschine vom Typ BMW R50/2 zugelegt, im Winter hat er das weiße Zweirad aus dem Jahr 1967 mit einem selbst fertiggestellten Steib-Seitenwagen aufgerüstet. Für Jungbluth sind die Motorräder Kulturgut: "Man steckt viel Arbeit hinein, um die Werke der Nachwelt zu erhalten. Sie sind absolut erhaltenswert. Es muss nicht immer nur Picasso sein."

(cks)