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Wintermusik mit "Fun" und dem Jugendsinfonieorchester in Mönchengladbach

Mönchengladbach : Fun und Jugendsinfonieorchester begeisterten 2000 Zuschauer

Das Jugendsinfonieorchester der Musikschule und die Band Fun spielten im Kunstwerk Wickrath vor insgesamt rund 2000 Zuschauern Konzerte.

„Ich finde diesen Mix aus Pop und Klassik total cool.“ Anna Döring strahlt. Die 17-Jährige ist Konzertmeisterin des Jugendsinfonieorchesters der Musikschule bei der „Night in white satin“ im Kunstwerk Wickrath. Am Wochenende hat das Orchester zusammen mit der Band „Fun“ zweimal vor insgesamt 2000 Zuschauern gespielt. Auch den 68-jährigen „Fun“-Leadsänger Günter vom Dorp findet Annna „mega cool und super nett“. Zum zehnten Mal spielen „Fun“ und das Jugendsinfonieorchester bei der Wintermusik im Kunstwerk – wegen der großen Nachfrage zweimal nacheinander. Das ist ein Phänomen: Schließlich treten da eine Amateur-Coverband und ein Schülerorchester auf.

Und „A night in white satin“ ist kein Stimmungskracher. Das Jugendsinfonieorchester, geleitet von Christian Malescov, spielt auch Vivaldi, Grieg und Fauré. Das Publikum applaudiert bei diesen Stücken genauso begeistert wie bei Songs von Genesis, den Beatles oder den Beach Boys. Warum funktioniert dieses Format so gut? Sicherlich spielt der Charme der Jugendlichen eine Rolle. Doch gleichzeitig ist das Niveau erstaunlich professionell. Vom Dorp mag zwar nach eigener Aussage „nicht mal notenfest“ sein. Aber der Ex-WDR-Moderator hat ein Gespür dafür, wie man Spannung aufbaut und Übergänge gestaltet. So wirkt das Konzert trotz des ständigen Wechsels zwischen Band, Sängern, Orchester, Chor und Solisten wie aus einem Guss.

Malescov dirigiert die 80 jungen Akteure zupackend. Als vom Dorp bei dem Elvis-Song „Suspicious Minds“ nach dem Ende einfach weitersingt, springt das Orchester sofort hinterher. Wenn vom Dorp Songs wie „Nights in white satin“ von The Moody Blues singt, hat er keine Scheu loszulegen. Aber er trägt nicht zu dick auf, und diese Balance ist seine Stärke. Er ist nicht der einzige Frontsänger. Nadine Stapper singt mit viel Ausdruck und eigener Farbe. Und wenn Rob Sure mit seiner rauchigen Bluesstimme „N´oubliez jamais“ von Joe Cocker hinlegt, meint man, Cocker selbst zu hören.Rob Sure ist auch der einsame Mundharmonika-Mann im „Spiel mir das Lied vom Tod“-Song. Er spielt intensiv und technisch brillant. Doch der Star dieses Stücks ist die 15-jährige Marie-Lina Hanke mit ihrer kraftvollen, klaren und reinen Stimme. Sie steht still da wie ein vom Himmel gefallener Engel und singt zu der tieftraurigen Musik. Das ist der schönste Moment des Abends.

Auch ansonsten hat das Orchester in diesem Jahr sehr gute Solisten. Und es liefert weit mehr als lange Striche der Geiger im Background. Mittlerweile greift man auf einen Fundus aus über 60 eigene Lied-Arrangements zurück. Am stärksten ist der Meatloaf-Song „I would do anything for love“ – der rhythmisch komplex arrangiert ist und bei dem Orchester und Band immer mehr verschmelzen. Nach drei Konzertstunden und 26 Stücken sollte man meinen, dass alle im Saal erschöpft sind. Doch die Band rockt ab, und das Orchester steht am Bühnenrand und macht synchron eine Choreografie. Das Publikum erklatscht sich noch vier Zugaben.