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Porträt Klaus Peter Diller: Was ein Konzertmeister a. D. empfiehlt

Porträt Klaus Peter Diller : Was ein Konzertmeister a. D. empfiehlt

Klaus Peter Diller spielte 30 Jahre am ersten Pult der Niederrheinischen Sinfoniker. Und betätigte sich als Musikforscher.

Der gebürtige Leipziger fand 1970 seine Lebensstellung in Mönchengladbach. Klaus Peter Diller wurde als Erster Koordinierter Konzertmeister bei den Niederrheinischen Sinfonikern engagiert. "Ich habe während meiner fast 30-jährigen Dienstzeit fünf Generalmusikdirektoren erlebt", erzählt der Geiger, der ein Instrument aus der Werkstatt Nicola Gaglianos (um 1750) spielt. "Jeder der Chefdirigenten, ob Robert Satanowski, Lothar Zagrosek, Reinhard Schwarz, Yakov Kreizberg oder Anthony Bramall, hatte bewundernswerte Stärken", hebt Diller hervor. Um verhaltener anzufügen: "Und auch Schwächen." Am meisten habe ihn, der im Jahr 2000 mit 63 Jahren in den Ruhestand ging, "der charismatische Kreizberg fasziniert". Der 2011 verstorbene Musiker aus St. Petersburg habe es meisterhaft verstanden, "das musikalische Geschehen äußerst exakt zu verfolgen — mit den Augen mehr als mit den Händen", hat Diller beobachtet. Jeder Orchestergruppe habe Kreizberg ihre Einsätze gegeben — indem er sie gezielt anblickte.

Aus langjähriger Verbindung besucht der in Berlin und Nürnberg aufgewachsene Diller natürlich noch heute Konzerte der Niederrheinischen Sinfoniker. "Dabei wähle ich aber vorzüglich solche Sinfoniekonzerte, die mich besonders interessieren, weil das Programm spannend ist oder sogar mir unbekannte oder auch ganz neue Stücke enthält."

Bis vor zwei Jahren leitete Klaus Peter Diller noch das Rheinische Bach-Collegium, das er als Primarius 1977 gegründet hatte. "Dann habe ich mich von der aktiven Profi-Laufbahn verabschiedet", berichtet der 76-Jährige. Aber das heißt nicht, dass er seine Geige nun im Kasten ruhen lässt. "Ich übe jeden Tag nach dem Frühstück, das gehört einfach fest zum Tagesablauf", sagt der pensionierte Musiker. Zusammen mit seiner Frau Eva Dörnenburg-Diller, der Bratschistin Wiltrud Last und der Cellistin Inga Piranian — die beiden Letzgenannten waren ebenfalls Mitglieder der Niederrheinischen Sinfoniker — probt Diller weiterhin Streichquartette. "Uns interessieren die späten Quartette Beethovens, aber wir haben auch zwei Brahms-Quartette, eines von Debussy und zuletzt eines von Smetana einstudiert."

Als leidenschaftlicher Kammermusiker, der sich auch als Musikforscher betätigte, liegt Diller besonders ein vor 110 Jahren komponiertes Streichquartett am Herzen. "Das hat der vor 70 Jahren, 1944, gestorbene erste städtische Musikdirektor Mönchengladbachs, Hans Gelbke, 1904 komponiert", so Diller. Er stieß darauf, als er 1978 anlässlich des 75-jährigen Bestehen des städtischen Orchesters in Mönchengladbach den Nachlass Gelbkes durchstöberte. Dabei entdeckte der Gelbke-Biograf ("Mönchengladbacher Köpfe") auch ein Streichquartett in g-Moll von Gelbkes Hand. "Es ist ein anspruchsvoll gesetztes, sehr wohlklingendes Quartett mit dankbaren Aufgaben für die vier Musiker", so Diller. Er sorgte dafür, dass dieses Werk zur Eröffnung des Rheinischen Musikfestes im Mai 1992 in Gladbach uraufgeführt wurde. Und dass es für eine vom städtischen Kulturamt initiierte CD ("Kammermusik nach 1900 aus Mönchengladbach") aufgenommen wurde. Nun wünscht sich der ehemalige Schüler des Geigenvirtuosen Tibor Varga, dass eine Gruppierung der Sinfoniker das g-Moll-Streichquartett von Hans Gelbke ins Programm ihrer Kammermusikreihe aufnimmt. "Es würde sich lohnen", unterstreicht Diller seine Empfehlung. Und fügt an: "Sämtliche Unterlagen, darunter das Stimmenmaterial und die Partitur des Streichquartetts und die CD, habe ich übrigens vor etwa zwei Jahren dem Archiv des Theaters Krefeld/Mönchengladbach übergeben."

In der Tat eine Idee: ein Kammerkonzert exklusiv mit Musik von Mönchengladbacher Komponisten für Mönchengladbacher Hörer . . .

(RP)