Mönchengladbach: Triumphbogen aus Lüftungs-Schrott

Mönchengladbach : Triumphbogen aus Lüftungs-Schrott

Der Künstler Christian Odzuck hat im Hans-Jonas-Park eine monumentale Skulptur errichtet. "Geozentrik" ist aus Bauelementen der Belüftungsanlage des stillgelegten Bades am Berliner Platz entstanden. Morgen ist die "Einweihung".

Der "Ahnungslose Traum", das über mehrere Jahrgänge angelegte Großprojekt des Museums Abteiberg, geht in seine dritte Phase. Doch Museumsdirektorin Susanne Titz, die mit dieser vor zwei Jahren begonnenen Aktionsreihe im Skulpturengarten und Hans-Jonas-Park auf die Aufenthaltsqualität der Parklandschaft am Abteiberg aufmerksam machen möchte, spricht von "Phase 2.1". Und begründet das so: "Es ist eine Interimsphase. Phase 3 unseres Projekts ,Ein ahnungsloser Traum vom Park' kommt erst, wenn die neue Innenstadt und das neue Einkaufszentrum fertig sind."

In diesem Sommer steht im Mittelpunkt eine neue temporäre Großskulptur des Düsseldorfer Künstlers Christian Odzuck. Der 35-Jährige hatte im Vorjahr bereits an gleicher Stelle das Fragment eines Schwimmbassins installiert. Nun erhebt sich auf einem frisch gegossenen polygonalen Betonfundament, das bewusst an Elemente der Museumsarchitektur Hans Holleins erinnert, ein 10,50 Meter hohes Portal. Es besteht aus übereinander montierten quaderförmigen Elementen der ehemals im Bad am Berliner Platz vorhandenen Lüftungsanlage. Odzuck bekam diese aus verzinktem Blech gefertigten hohlen Lüftungsschächte von Thomas Manglitz, der Teile des stillgelegten Bades für sein Filmfiguren-Museum benötigte. Dabei wurde der entsorgte Schrott, darunter auch Kunststoffrohre, nun einem neuen, künstlerischen Zweck dienstbar gemacht: eben dem "Traum vom Park".

Hinter der Skulptur, die Odzuck "Geozentrik" betitelt, greift eine Gruppe vertikal aufstrebender Kunststoffrohre die Idee der Pergola auf, die hinter dem Parkplatz des Hauses Erholung ein Stück weit höher im Gelände zu sehen ist. "Dazu kommen drei Betonbänke, für die ich eine alte Diner-Bank als Modell genommen habe", berichtet Odzuck. Die Güdderather Fertigteilbau-Firma Lothar Beeck stellte mit Hilfe von Flüssiggummi den Abguss in Beton her. Und zwar unentgeltlich. "Mit den Bänken wird die Aufenthaltsqualität rund um die Skulptur erhöht", betont der Künstler. Sogar ein Flicken auf der Rückenlehne ist beim Gussverfahren erkennbar geblieben, ebenso die an Krakelüren erinnernden Muster auf der Sitzoberfläche der im Original mit Leder bezogenen Sitzbank. Das Beton-Exemplar wiegt übrigens annähernd 1000 Kilogramm!

Die Baufirma Ernst Kreuder spendete das Fundament für "Geozentrik"; und für die ebenfalls nicht berechneten Metallarbeiten ist das Unternehmen Stephan Metalldesign verantwortlich. Für solche "unbezahlbare Unterstützung" ist Susanne Titz sehr dankbar. Die Skulptur wird voraussichtlich bis Herbst 2015 im Hans-Jonas-Park stehen.

Am Samstag, 28. Juni, 16 Uhr, ist die offizielle "Einweihung" des Kunstwerks; bereits ab 15 Uhr führen Initiator Marks Ambach und Titz durch den Park.

Und ab 17 Uhr folgt ein weiteres Highlight, so Johanna Fleischmann vom städtischen Kulturbüro: "Unsere Stipendiatin Rosa Sijben wird mit # 6. Fittest vier Performances aus ihrer Serie Things are Happening zeigen", erklärt Fleischmann. Am Samstag, 17-17.30 Uhr, wird eine Fußballmannschaft des VfL Giesenkirchen im Münstergarten eine künstlerische Aktion präsentieren. "Sie treten unter dem Namen These Beuys an", informiert Sijben. Sonntag folgen drei weitere Aktionen im und am Museum: Ab 12 Uhr verwandelt sich das Graphische Kabinett in eine "Dance Hall" mit HipHop-Tänzern; im Polke-Saal (Obergeschoss) wird eine andere Gruppe turnerische Übungen nach der Pilates-Methode zeigen. Und auf der Plattenebene (Dachterrasse) präsentieren besonders durchtrainierte Männer, wie man mit sogenannten Roof Ropes sachkundig umgeht. "Dieses anstrengende Workout halten auch Hochtrainierte maximal fünf Minuten durch", weiß Rosa Sijben. Daher wird die Vorführung mehrfach wiederholt.

(RP)
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