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Theater Mönchengladbach::Helena Jackson macht Oper für Opernmuffel und eine Corona-Revue

Theater Mönchengladbach : Helena Jackson macht Oper für Opernmuffel

Die 25-Jährige fiebert ihrer ersten Regiearbeit entgegen: Die Corona-Revue „Alles maskiert – wir können ein Lied davon singen“ hat am 20. September Premiere im Rheydter Haus.

Im Juli dieses Jahres war es acht Jahre her, dass Graham Jackson, langjähriger Generalmusikdirektor am Gemeinschaftstheater, nach schwerer Krankheit viel zu früh verstarb. Seine Frau Adrienne und die beiden jüngsten Kinder gingen nach England zurück, was für die beiden äußerst bitter war, denn sie gingen hier zur Schule und mussten sich nun von ihren Freunden trennen. Oliver, der älteste Sohn, studierte zu dieser Zeit bereits, und Helena, die älteste Tochter, war ein Jahr vor dem Tod des Vaters nach Cambridge zurückgekehrt, um ihr Abitur in England zu machen. Denn so konnte sie leichter einen Studienplatz für englische Literatur bekommen. Das gelang ihr an der Universität Oxford – dort blieb sie bis zu ihrem Bachelor-Examen.

Enthusiastisch erzählt die vor Ideen nur so sprühende, inzwischen 25-Jährige von ihrer drei Jahre währenden Arbeit als freie Regisseurin in ihrer Heimat. Sie hatte eine eigene Schauspieltruppe, in der auch körperlich Behinderte mitwirkten und mit der sie sogar beim jährlich in Edinburgh stattfindenden großen Festival auftreten durfte. Außerdem inszenierte sie, deren Herz für unkonventionelle Projekte schlägt, von ihr und ihren Mitstreitern verfasste Kurzfassungen von Opern – „für Leute, die eigentlich keine Opern mögen“. Beispielsweise „La Bohème“ oder „La Traviata“ – jeweils mit nur vier bis höchstens fünf Sängern und drei Instrumentalisten.

Durch die immer noch bestehenden Kontakte zum Niederrhein und vor allem zum Theater Krefeld/Mönchengladbach wurde Helena im Jahre 2018 angeboten, Regieassistenzen am hiesigen Haus zu übernehmen. Sie griff zu und begann mit dem Publikumsrenner „Let‘s Stop Brexit“, darauf folgten „Räuber Hotzenplotz“ und „Orpheus in der Unterwelt“. Das alles verlief für sie so erfolgreich, dass die Theaterleitung ihr einen Festvertrag anbot.

Dieses verlockende Angebot wollte Helena Jackson nicht ausschlagen, und vor allem angesichts der augenblicklichen Situation ist sie sehr glücklich darüber. „Die Arbeit an der Corona-Revue „Alle maskiert – wir können ein Lied davon singen“ ist die reine Freude“, berichtet die junge Regisseurin. „Das Team ist identisch mit dem von ‚Brexit‘: Das Buch und die Gesangstexte hat Ulrich Proschka verfasst, die Sänger Debra Hays, Gabriela Kuhn, Markus Heinrich und Matthias Wippich sind auch hier wieder die Protagonisten. Lediglich das Kammerorchester musste Coronabedingt gestrichen werden, dafür ist Michael Preiser, der immer wieder zündende inszenatorische Ideen einbringt, als musikalischer Begleiter am Flügel dabei. Das musikalische Spektrum der Revue reicht von Johann Strauß über Offenbach, Mozart und Sullivan bis zu Hollaender und darüber hinaus.“

Doch vor der Premiere, die am Sonntag, 20. September, um 19.30 Uhr im Rheydter Haus des Theaters beginnt, wird Helena noch für einige Tage nach Cambridge reisen. Es gilt, den Geburtstag ihrer Mutter Adrienne zu feiern, die ihre Passion, die Malerei, zu einer einträglichen Tätigkeit hat ausbauen können. Dann wird auch Oliver, seines Zeichens Rechtsanwalt, zugegen sein, ebenso Daniel, der unlängst sein Ingenieur-Studium abgeschlossen hat. Und natürlich Teresa, das inzwischen 20-jährige „Nesthäkchen“ der Familie. Sie studiert in Cambridge Musik mit Hauptfach Dirigieren und ist ein solches Talent, dass sie bereits mehrfach das Universitätsorchester ihrer Ausbildungsstätte dirigieren durfte – ein besondere Auszeichnung. „Ich bin so stolz auf meine kleine Schwester, vielleicht tritt sie mal die Nachfolge unseres Vaters an“, orakelt Helena und strahlt.