Theater in Mönchengladbach: Salome – Oper um Erotik und Tod

Theater in Mönchengladbach : Salome – Oper um Erotik und Tod

Kommenden Sonntag ist im Theater die Premiere des Musikdramas „Salome“ von Richard Strauss. Anthony Pilavachi inszeniert die Kammeroper, Mihkel Kütson dirigiert die Sinfoniker.

Als Richard Strauss, damals 41, seine dritte Oper, „Salome“ nach dem Schauspiel von Oscar Wilde, im Dezember 1905 zur Uraufführung nach Dresden gelotst hatte, zeigten sich Kritiker in den Feuilletons pessimistisch. Geschockt über die offene Zurschaustellung der morbiden Sinnlichkeit einer jungen Prinzessin, die sich als Lohn für einen erotischen Tanz, mit dem sie ihren Stiefvater Herodes erregt, die Enthauptung des eingekerkerten Propheten Jochanaan (Johannes der Täufer) ausbittet. Heftig die Bemühungen puritanischer Zensoren, das Stück abzusetzen, und Kaiser Wilhelm II. fühlte sich persönlich veranlasst, den Komponisten zu warnen: „Er (Strauss) wird sich damit furchtbar schaden.“

Doch der Kaiser irrte sich. Strauss vermerkt später in seinen Erinnerungen an die Salome: „Von diesem Schaden konnte ich mir meine Garmischer Villa bauen!“ Darauf machte Generalmusikdirektor Mihkel Kütson bei der Soiree über die Eröffnungsproduktion der Spielzeit in der Theaterbar aufmerksam: „Mit Salome gelang Strauss der Durchbruch, es wurde ein Welterfolg.“ Der Komponist hatte ein opulent besetztes, allerdings chorloses und nur 100 Minuten langes Stück geschaffen, das im Ton genau die nervöse, psychologieversessene Stimmung jener Zeit traf, die als fin de siècle, Symbolismus oder Jugendstil etikettiert wird. „Wir hätten nicht Platz für 116 gewünschte Musiker in unserem Orchestergraben“, gab Kütson zu. Bei der Premiere am Sonntag, 22. September, 18 Uhr, wird er also vor 65 Musikern der Niederrheinischen Sinfoniker stehen.

„Salome“ ist zuletzt in der Spielzeit 1992/93 am Gemeinschaftstheater in Szene gesetzt worden. Anthony Pilavachi (57), ein in Zypern geborener, in Frankreich aufgewachsener Ire, der seit 1987 in Deutschland lebt, stellt mit „Salome“ am Niederrhein nun seine zweite Opernarbeit nach dem „Freischütz“ vor. Strauss hat in der Partitur auch weniger gebräuchliche Instrumente wie Heckelphon, Celesta, Harmonium und Kastagnetten besetzt. Musiktheaterdramaturgin Ulrike Aistleitner erwähnte das von Strauss in seiner Literaturoper mehrfach angewendete Prinzip der „Bitonalität“. Dadurch entstehen zwischen den Figuren dissonante Reibungen, die der Komponist nicht zur harmonikalen Auflösung führt. Sinnlichkeit, so Aistleitner, ziehe sich als Gestaltungsmittel durch die ganze Partitur. Dies betreffe nicht allein den Tanz der sieben Schleier, den Salome auf Bitten ihres lüsternen Stiefvaters Herodes Antipas vollführt.

„Ein pubertierendes Mädchen von 15, 16 Jahren in einer Mondnacht“, umreißt Anthony Pilavachi den Stimmungsrahmen auf der Bühne. Der Regisseur und sein Ausstatter Markus Meyer haben die Spielhandlung um ein paar Jahre in die Zukunft verlegt. „Wir haben Farben und Formen der Art déco gewählt“, erklärte der Regisseur und fügte an: „Für mich ist diese Oper auch ein Kammerspiel und muss nicht wie von Cecil B. DeMille mit Riesen-Tamtam in der orientalischen Wüste spielen.“

Was Pilavachi damit meinte, konnten die Besucher der Soiree anschließend nachvollziehen, als sie eine Bühnenorchesterprobe live miterleben durften.

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