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"Szenen einer Ehe" hatte im Theater Mönchengladbach Premiere

Theaterpremiere in Mönchengladbach : Mit Ingmar Bergman ins Tal der Tränen

Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ hatte in Theater Mönchengladbach Premiere. Die Schauspieler Esther Keil und Bruno Winzen entwickeln in ihrem Kammerspiel eine beeindruckende Kraft.

Die Ehepaare im Saal haben ganz schön zu tun damit, sich verstohlene oder offene Seitenblicke zuzuwerfen, gemeinsam zu schmunzeln oder wissend und leiderprobt, jeder für sich, im Polster zu versinken. Denn Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“, der als Film (mit der unvergleichlichen Liv Ullmann) fest im kollektiven Gedächtnis der heutigen Ü60-Generation verwurzelt ist, pikst auch in der Theaterfassung noch jene Probleme auf, die eine institutionalisierte Zweierbeziehung so mit sich bringt. Gerade wenn sie in die Jahre kommt.

Schauspieldirektor Matthias Gehrt entscheidet sich (nach „Elling“) zum zweiten Mal, ein Zweipersonenstück im Großen Haus zu spielen. Diesmal baut ihm Gabriele Trinczek einen schicken, weißen, kühlen Schubladen-Guckkasten nah an die Rampe, damit die von Esther Keil und Bruno Winzen als Marianne und Johan verhandelten Intimitäten auch den in den hinteren (bei der Premiere schwach besetzten) Reihen sitzenden Zuschauern unter die Haut gehen.

Die Urgesteine des Ensembles entwickeln in den Dialogen, den Momenten des Schweigens, den leeren und den beredten Gesten, auch in den dramatischen, von Sex und Gewalt geprägten Ausbrüchen eine beeindruckende Kraft. Die Entwicklung der Marianne vom Heimchen zur starken Frau, die des Johan vom selbstgefälligen Prof zum Jammerlappen findet in all ihren verletzenden, tragischen, notwendigen Aspekten das Mitgefühl des Publikums. Gehrt stilisiert die Schnitte, spielt Vivaldi und Pärt, endet happy im einem Südsee-Video. Dabei ist, was war, kaputt. Viel Beifall.

Vorstellungen 11., 14. März, 10., 26. April, 24. Mai, 12., 21., 23., 25. Juni. Karten: 02166 6151100.