Sopranistin aus Mönchengladbach: Elisabeth Lachmann feiert 80. Geburtstag

Elisabeth Lachmann aus Mönchengladbach : Als Sopranistin immer zur Stelle

Die Gene spielen wohl eine Rolle: Elisabeth Lachmanns Mutter war Sopranistin an der Wiener Volksoper, ihr Vater Schauspieler am Burgtheater. Nun wird die aus vielen Auftritten in Mönchengladbach bekannte Sängerin 80 Jahre alt.

Es ist ein kleines Paradies, in dem das Ehepaar Lachmann-Mika schon fast dreißig Jahre lebt. Der Hausherr Wolfgang Mika, lange Zeit Musikdramaturg des Theaters, öffnet die Türe, und sogleich bereitet Gilda, eine Hündin aus der Slowakei, dem Gast ein freundliches Willkommen. Die vitale Hausherrin Elisabeth Lachmann – eine gebürtige Wienerin mit viel Charme – sitzt neben Gilda auf dem Sofa, und sofort sprudeln die Erinnerungen an ihr vielfältiges Künstlerleben. In diesen Tagen vollendet sie ihr 80. Lebensjahr.

Elisabeth Lachmanns Mutter war Koloratursopranistin an der Wiener Volksoper, ihr Vater Schauspieler am Burgtheater. Nach ihrem Studium an der Wiener Musikakademie, unter anderem bei der Sopranistin Esther Réthy, begann Lachmann 1961 ihre Karriere am Stadttheater Bern mit der Despina („Cosi fan tutte“). 1962 bis 1964 war sie als lyrischer Sopran in Karlsruhe engagiert, 1964 bis 1968 in Graz. Anschließend holte die Stadt Dortmund die junge Sängerin an ihr Opernhaus – sie blieb 25 Jahre lang und startete von dort aus ihre große Karriere.

Nach ihrer Antrittsrolle, der Marzelline („Fidelio“), folgten Mimi („La Bohème“), die Pamina („Zauberflöte“) und die Sophie („Rosenkavalier“). Ab 1972 kamen jugendlich-dramatische Rollen dazu, beispielsweise die Sieglinde („Walküre“) und die Desdemona („Otello“), in der Folge Donna Anna („Don Giovanni“), Leonore („Troubadour“), die Marschallin („Rosenkavalier“) und die Elisabeth sowie die Venus im „Tannhäuser“. Hans Wallat, dem damaligen Dortmunder Generalmusikdirektor, verdankt die Künstlerin intensive Förderung und unvergessliche Opernabende. Ein italienischer Gastdirigent nannte sie einmal „die beste Liu („Turandot“) nördlich der Alpen“.

Besondere Bedeutung hatte für die nun im dramatischen Fach heimische Sängerin die „Ariadne“ („Ariadne auf Naxos“). Mit dieser Partie sprang sie an der Wiener Staatsoper einmal für Leonie Rysanek ein und stand in dieser Vorstellung mit Agnes Baltsa, Edita Gruberova, James King und Walter Berry auf der Bühne.

135 große Partien hat Elisabeth Lachmann gesungen – europaweit sowie in Asien, Afrika, und Südamerika. Durch ihre Fähigkeit, schnell auch in fremde Inszenierungen einspringen zu können, wurde die Sopranistin häufig angefragt, wenn plötzlich eine Kollegin ausfiel. Das brachte ihr den ehrenvollen Spitznamen „Ruhrschnell-Callas“ ein. Ihr Ehemann hatte alle ihre Rollen auf Tonkassetten eingespielt, und während sie mit dem Auto zu den Gastspielen fuhr, vergegenwärtigte sie sich mittels der jeweiligen Kassette die gerade geforderte Partie. Einmal – so erzählt sie amüsiert – hat sie an einem Tag nachmittags in Gelsenkirchen die Saffi („Zigeunerbaron“) und abends in Köln die Butterfly gesungen.

Starke Bezüge hat Elisabeth Lachmann auch zu den Vereinigten Bühnen Krefeld-Mönchengladbach. Dort sang sie die Elektra, in „Jenufa“ die Küsterin („Meine Lieblingsrolle.“), die 1. Dame in der Zauberflöte (abwechselnd mit Andrea Hanson) und die Senta („Holländer“) im Wechsel mit Christa Ranacher. Auch war sie mehrfach die Mutter in „Hänsel und Gretel“. „Zwei meiner Schülerinnen – Marion Henseler und Michaela Mehring – waren bei dieser Produktion Gretel und Hänsel“, berichtet Lachmann voller Stolz. Denn ab 1984 unterrichtete sie neben ihrer Sängertätigkeit an der Musikhochschule Detmold und setzte sich auch sehr für die Begabtenförderung ein.

Nun blickt die österreichische Kammersängerin voller Dankbarkeit auf 48 erfüllte Jahre im Dienste der der Gesangskunst zurück und freut sich, wenn ihre inzwischen fünf Enkelkinder, die leider nicht in der Nähe wohnen, zu Besuch kommen.

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