1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach
  4. Kultur

Schauspieler Raafat Daboul ist neu im Ensemble des Theaters Krefeld-Mönchengladbach

Kultur in Mönchengladbach : „Das Klischee vom Flüchtling nervt“

Raafat Daboul ist 27 Jahre, Flüchtling, Schauspieler und neu im Ensemble des Theaters Krefeld-Mönchengladbach. Ab 20. Februar ist er im Monodram „Dreck“ zu sehen. Eine erste Begegnung.

Raafat Daboul hat in seinem noch ziemlich jungen Leben schon eine Menge erlebt. Dabei wirkt der schlanke Mann mit 27 Jahren reichlich jungenhaft. Lockere Klamotten, gegen den Strich gestyltes schwarzes Haar, profiliertes Gesicht mit braunen Augen.

Raafat Daboul ist seit September 2015 in Deutschland und erst seit kurzem im Ensemble des Theaters Krefeld/ Mönchengladbach. Foto: Matthias Stutte

Raafat, er legt Wert aufs „Du“, ist Flüchtling. Syrer. 2015 hat er sich von Damaskus in den Westen aufgemacht. Allein mit seinem Rucksack. Studium abgebrochen, gutsituierte Eltern, Geschwister, Freunde verlassen. Auch die „Raketen wie Regen“, die alltägliche Lebensbedrohung. „Es ist den Versuch wert“, sagte er sich damals. Heute sitzen wir an einem dieser Tische in der Theaterkantine, weil seine erste Arbeit als Schauspieler im Rahmen des Programms „Junges Theater“,  das Monodram „Dreck“, am Donnerstag, 20. Februar, im Studio Premiere hat.

„Weißt du“, sagt er dann, „das Klischee vom Flüchtling nervt schon ziemlich.“ Dabei wäre alles so wunderbar banal: Flüchtling spielt Flüchtling. Denn der Protagonist in „Dreck“ ist Sad, ein Iraker, ein Illegaler in Deutschland, der zum Überleben nachts Rosen verkauft und auf der Bühne von diesem Leben, auch vom täglichen Rassismus erzählt. Doch Raafat spielt nicht sich selbst. „Es gibt Situationen, die sich überschneiden“, gibt er zu, aber erstens war er nie illegal und zweitens habe er seit dem 24. September 2015, dem Tag als er nach Deutschland kam, noch keinen Rassismus erlebt. Raafat geht das Ziel an, Schauspieler zu sein, will gern auch wieder vor die Kamera. Und trotz etlicher Umwege scheint er auf gutem Weg dahin.

„Der erste Schritt ist der schwerste. Aber du musst ihn machen, und dann weitere folgen lassen. Dann kommst du zum Ziel“, philosophiert der junge Mann und erzählt. Wie er mit 17 Statist in einem der Fernsehstudios in Damaskus wurde, später dort ans Theater ging, nach drei Ablehnungen endlich auf die Schauspielschule durfte. Und wie er später in Schwerte, aus der Flüchtlingsunterkunft heraus, Leute fand, die ihn zum „Theater am Fluss“ brachten. Wie er aus dem Praktikum am Schauspielhaus Dortmund von Kay Voges fürs Stück „Die Borderline Prozession“ verpflichtet wurde, damit 2017 zum Theatertreffen nach Berlin kam. Mit 24. Zwei Jahre Ensemblemitglied. Ein Sprachkurs nach dem anderen. Ein paar Monte jobben. Dann die Bewerbung nach Krefeld/Mönchengladbach. Nach „Dreck“, dem Rucksackstück für Schulklassen, folgt „Mein Kühlraum“ und bald „Wilhelm Tell“.

„Transparent sein. Spontan sein. Das ist das Tolle, das Wichtige auf der Bühne“, beschreibt Raafat seine Lust an Theater, dieses Gefühl, live mit dem Publikum in Kontakt zu treten. Bei den rund zehn „Dreck“-Aufführungen in Schulklassen saß er den Schülern ganz nah auf der Pelle, im Theater-Studio wird das distanzierter sein. Warum er dann noch fürs Fernsehen schwärmt? – „Ich finde das Medium gut, ich besuche die Leute ja in ihrem Wohnzimmer.“ Wir sehen uns.